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Fragment einer Decke oder eines Behangs mit Einsatz

Ident. Nr.: 9346

ObjID: obj:2304137

Details (Expert)

Datierung
verbale Datierung: 4./5. Jahrhundert
Geografische Bezüge
Ägypten,
Land/Region
Abmessungen
Höhe x Breite: 32 x 35 cm
Erwerbung
1926 Aegyptische Abteilung (Überweisung), angeblich von Georg Schweinfurth in Arsinoe ausgegraben

Objektbeschreibung

Nach dem Erwerbungsbuch des Museums für Byzantinische Kunst soll der ovale Einsastz aus der Ausgrabung von Professor Schweinfurth in Arsinoe stammen. Doch bestehen an dieser Zuweisung Zweifel, denn bis auf eine einzige Ausnahme sind keine vergleichbaren Stücke unter den zahlreichen, von Georg Schweinfurth im Jahr 1886 in Arsinoe – dem heutigen Madinat al-Faijum – ausgegrabenen Textilien vorhanden. Er entspricht vielmehr Wirkereien aus dem römischen, südöstlich von Arsinoe gelegenen Friedhof von Hawara sowie den spätantiken Textilfunden aus der Nekropole von al-Bagawat.
Stilistisch gehört das Fragment zur Gruppe der so genannten Purpurwirkereien (siehe auch Inv. 9345). Charakteristisch dafür sind überwiegend geometrische und ornamentale Muster, die den purpurfarbenen Bildgrund netzartig überziehen. Dafür wurde eine spezielle Technik, der „fliegende Faden“, verwendet. Dies ist ein zusätzlich zum Schuss- und Kettgarn mitgeführter Faden aus ungefärbtem Leinen, der nicht wie die Schussfäden mit der Kette bindet, sondern auf der Gewebeoberfläche flottiert, wodurch filigrane Muster erzeugt werden können.
Das Innere des ovalen Einsatzesfüllt ein „Sternflechtmotiv“, eine Komposition, die auf zwei sternförmig miteinander verflochtenen Quadraten basiert. In die Spitzen des Sterngeflechts sind kleine Vierblätter eingeschrieben. Eingefasst wird das Bildfeld von einem dreiteiligen Rahmen aus einer Wellenranke mit wechselständigen, runden Blättern auf hellem Grund zwischen schlichten purpurfarbenen Bahnen.

Cäcilia Fluck (2017)

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Heiliger König

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Bei der lebensgroßen Standfigur handelt sich um den zweiten König der Anbetung nach dem sogenannten französischen Schauspieltyp. Bei diesem kniet der ältere, hier nicht erhaltene König vor Maria, hat den Hut bzw. die Krone neben sich abgelegt und bietet dem Kind sein Geschenk dar, während sich der zweite im mittleren Alter zu dem außen stehenden jungen zurückwendet und erläuternd auf den Stern weist, der den Ort der Geburt Christi bezeichnet. Dabei befinden sich alle drei Könige auf einer Seite, in der Regel links von Maria. Diese szenische Darstellungsweise hatte sich spätestens im 13. Jahrhunderts möglicherweise als Reflex auf den dramaturgischen Ablauf des Dreikönigsspiels entwickelt, wie er sich in Frankreich seit dem 11. Jahrhundert nachweisen lässt. Für die monumentalen Gruppen des 14. Jahrhunderts scheint sie kanonisch gewesen zu sein.In dem von kräftig gelocktem, fast wildem Bart- und Haupthaar gerahmten Gesicht zeigt sich eine innere Aufgewühltheit, die Brauen treten deutlich hervor, die Lippen sind zur Rede geöffnet, die er an den dritten König wendet. Er spricht die Worte „Hoc signum magni regis“ („Dies ist das Zeichen des großen Königs“), wie es für die mittelalterlichen Spiele überliefert ist. Sind die bisher beschriebenen Gesten und die Mimik auf das Erkennen des Sterns von Bethlehem ausgerichtet, darf die Art, wie die rechte Hand nicht direkt, sondern ehrerbietig unter dem Mantel das Gefäß hält, als Vorbereitung auf die Darbietung des Weihrauchs angesehen werden. Im nächsten Moment wird sich der zweite König vom Stern weg zum Kind im Schoß der Muttergottes wenden, um niederzuknien und ihm das Geschenk zu überreichen.Wahrscheinlich stand die Figur als Teil einer mehrfigurigen Anbetung der Könige an bzw. über den Pfeilern im Langhaus oder im Chor bzw. in einer Kapelle, wo im Abstand von jeweils einem Joch bzw. einer Fensterachse Skulpturen vor die Gewölbedienste gestellt werden konnten. Beide Varianten können für die Oberzeller Klosterkirche nicht ausgeschlossen werden. Dort ist ein Dreikönigszyklus mit Marienfigur im Chor durchaus vorstellbar, der Hochaltar war Maria und Michael geweiht, die Muttergottes Schutzpatronin des Prämonstratenserordens. Historische Gründe lassen die vage Vermutung zu, dass um die Mitte des 14. Jahrhunderts, also in der Zeit, als die Dreikönigsgruppe entstand, der Chor erweitert wurde. Zieht man nun die mit großer Wahrscheinlichkeit zugehörige Maria im Mainfränkischen Museum Würzburg hinzu, so verdichten sich die Argumente für eine Aufstellung im Chor. Die Figur stimmt in den Maßen (H. 177,5 cm), Bewegungen und stilistisch sehr genau mit den Königen überein. Sie wurde 1904 bei der Wiedererrichtung der gefunden. Ihre majestätische Würde markiert ein kultisches Zentrum der Gruppe, auf das sich die emotionalisierte Reaktion der Könige als narratives Element bezieht und es ist gut vorstellbar, dass die Marienfigur in Nähe des Hochaltars an der östlichen Chorwand gestanden hat, die Könige an der Nordwand.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)