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Clavusfragment einer Tunika mit figürlichen Motiven

Ident. Nr.: 9190

ObjID: obj:2304157

Details (Expert)

Datierung
verbale Datierung: 7.-10. Jahrhundert
Abmessungen
Höhe x Breite: 33 x 10,5 cm
Erwerbung
1903 Robert Forrer (Kauf)

Objektbeschreibung

Bei dem Fragment des Längsstreifens handelt es sich um den clavus einer Tunika aus dem spätantiken Ägypten. Er ist nicht direkt in das Grundgewebe der Tunika mit eingewebt, sondern separat hergestellt und später aufgenäht worden. Eingefasst von Randstreifen mit hellen Zickzacklinien auf braunem Grund sind in der mittleren Bahn Motive aus verschiedenen Vorlagen ohne einen erkennbaren Zusammenhang miteinander kombiniert worden. Eine stilisierte, fast aufgelöste Ranke mit Vögeln, einem Vierbeiner und einem Eros in den Windungen wird von einer menschlichen Gestalt mit erhobenem linkem Arm und aufwendig verziertem Gewand unterbrochen. Ihren Kopf umgibt ein Nimbus (Heiligenschein), weshalb sie mitunter als Heiliger gedeutet wurde. Solche Gestalten kommen in der gleichen Positur sehr häufig und speziell auf den clavi von Tuniken vor. Oft sind sie mit üppigem Kopfputz, aber auch mit Mauerkronen oder einem Füllhorn als Attribut ausgestattet, was für eine Auslegung als Fortuna bzw. Tyche (Glücks- und Schicksalsgöttin) spricht. Die Motive in der Ranke sind teilweise um 90° zur Leserichtung versetzt wiedergegeben.

Letzte Aktualisierung: 30.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. Aus einem mittig unter der Kämpferplatte hervorragenden Knopf wächst eine sich nach unten schildartig ausbreitende Palmette, deren oberer Rand nach vorn umgeschlagen ist. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)