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Fragmente eines Ärmels mit Doppelstreifen

Ident. Nr.: 9331

ObjID: obj:2304259

Details (Expert)

Datierung
Datierung: 5.-8. Jahrhundert
verbale Datierung: 8./9. Jahrhundert
Abmessungen
Höhe x Breite: 6,5 x 9,5 cm
Erwerbung
1896 von C. Schmidt erworben, 1926 vom Kunstgewerbemuseum, Berlin im Tausch gegen Dubletten übertragen

Objektbeschreibung

Das Grundgewebe der beiden Fragmente besteht aus äußerst feinem, fest verwebtem und anscheinend gebleichtem Garn. Das größere Fragment ist im unteren Teil mit einer Borte besetzt. Reste einer solchen haben sich auch auf dem kleinen Fragment links erhalten. Spuren einer gelösten Naht sind an der rechten Kante des größeren sowie an der linken Kante des kleineren Fragments erhalten.
Die Borte auf dem größeren Fragment ist mit einem Streifen aus fünf, durch schlichte dünne Linien voneinander abgesetzten Bahnen verziert. Die äußeren Bahnen schmücken nach außen gerichtete dreilappige Blätter auf hellem Grund; die Enden rechts sind schlicht schwarzblau. Die mittlere Bahn enthält aneinandergereihte Punkte. In den breiteren Bahnen darüber und darunter ist je ein nach links blickendes Tier mit gepunktetem Körper (Kröte oder entstellter Vogel?) bewahrt. Ein längliches Feld, das links mit einem nach rechts geöffneten Bogen abschließt, welcher zwischen der oberen und unteren Linie vermittelt, markiert das rechte Ende der Bahnen. In diesem Feld liegt jeweils ein horizontales Stäbchen, das auf eine lotgerecht ansetzende, heute zerstörte geometrische Form (Halbkreis, Dreieck oder Rechteck) trifft. Der Bortenrest auf dem kleinen Fragment zeigt nur noch die unverzierten Enden abwechselnd hell- und schwarzblaugrundiger Bahnen.
Ein Photo in einer Publikation aus dem Jahre 1926 zeigt ein Gegenstück zur Borte des größeren Fragments zusammen mit der Borte Inv. 9332 bzw. mit deren Pendant: Letztere sitzt an der Gewebekante, erstere in geringem Abstand parallel dazu auf dem Gewebe. Diese Anordnung ist typisch für den Dekor von Ärmeln einer Tunika. Höchstwahrscheinlich handelt es sichbei den beiden Fragmenten um Reste eines solchen. Hhierfür sprechen auch die erhaltenen Nahtspuren an der rechten bzw. linken Kante.

Veröffentlichung: E. Ehler, C. Fluck, G. Mietke, Wissenschaft und Turbulent. Wolfgang Fritz Volbach, ein Wissenschaftler zwischen den beiden Weltkriegen, Wiesbaden 2017, S. 67-69, Kat. 35f.

Cäcilia Fluck (2017)

Letzte Aktualisierung: 30.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Maria Lactans

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Backsteinfragment mit ornamentalem Dekor

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Bei dem Fragment handelt es sich, wie die äußere Form und die Tiefe des Reliefs zeigt, um eine ehemalige Wandfliese, die Teil eines Fensterpfostens oder einer Türrahmung gewesen ist. Der Stein besitzt eine gleichschenklig trapezförmige und könnte zur Mittelstütze einer Fenstergruppe gehört haben, die aus einem schmalen lotrechten Wandstreifen und den im stumpfen Winkel anschließenden Schrägen bestand. Er zeigt einen Fries senkrecht laufender und miteinander verbundener Herzpalmetten und stammt aus dem Zisterzienserkloster St. Urban bei Luzern, wo es in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine florierende Produktion von Formsteinen gab, die weit über die umliegenden Ortschaften hinaus exportiert wurden. Von den bekannten Backsteinherstellungen hebt sich das St. Urbaner Stück in mehrerer Hinsicht ab: Es ist übermäßig groß, Maße von 54 x 30 x 22 cm sind die Regel, wofür man einen riskanten Brennprozess in Kauf nahm; es imitiert Hausteinformen, die in keine backsteingerechte Formen übersetzt wurden. Die Backsteinproduktion in St. Urban lässt sich vor allem aufgrund der zum Teil sicher datierten Burgen und Kirchen, an denen sie zum Einsatz kamen, zeitlich gut eingrenzen. Klar ist außerdem, dass sie gegen Ende des 13. Jahrhunderts zum Erliegen gekommen ist. Es wurde immer wieder vermutet, dass der reiche Motivschatz der St. Urbaner Muster (mehr als 100 verschiedene Motive nachgewiesen) illustrierten Handschriften der Klosterbibliothek entnommen wurde. Immerhin fallen in diese Zeit auch andere Verfeinerungen bestimmter Kunsttechniken in St. Urban (Inkrustationen, Glasuren), die auch dort betrieben wurden.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

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Die Konsole hat eine kelchförmige Gestalt mit Blattornamenten und rechteckiger Deckplatte. Die Deckplatte zeigt jeweils fünf Seiten eines Achtecks und ist wohl dadurch zu erklären, dass sie an einer der beiden Wandzungen, an den rechtwinklig abknickenden Seiten des Portals gestanden haben wird. Der vegetabile Schmuck besteht aus einer Reihe von Blättern, die dem Kelch aufgelegt sind und zur eckigen Form der Deckplatte vermitteln. Dadurch wird die tektonische Strenge überspielt, ohne gegen die Konventionen des Aufbaus einer gotischen Konsole zu verstoßen.Die Kirche des in den 1030er-Jahren am linken Aaufer gegründeten Damenstifts Liebfrauen war von Beginn an zugleich Pfarrkirche der Bürger der Münsteraner Vorstadt Überwasser. Diese Doppelfunktion, die sich auch in der Finanzierung und Nutzung des 1340 begonnenen Neubaus spiegelt, dürfte für die Konzeption des Westportals von Bedeutung gewesen sein. Mit der Errichtung des Turms wurde, wie man aus einem Bauvertrag weiß, 1363/64 begonnen. 1374 ließ Fürstbischof Florenz von Wevelinghoven (amt. 1364–78) mehrere Reliquien in der rechten Schulter des Marienbildes am Portal einschließen und man hat zu Recht angenommen, dass zu diesem Zeitpunkt das Portal mit seinem Figurenschmuck vollendet war, vielleicht auch schon bereits seit mehreren Jahren. Die Funktion der Konsolen ist die Vermittlung zwischen der streng geometrischen Architektursprache des kunstvollen Portalgebildes und der menschlichen Figur. Daher wurden auch die einzelnen Glieder (Halsring und Kelch) in fantasievolle pflanzliche Gebilde aufgelöst, deren wohl kalkulierter Verismus nicht auf effektvolle Überraschung abzielt, sondern der Wirkungs- und Bedeutungseinheit von Architektur und Skulptur dient.Die Konsolen des Westportals der Liebfrauenkirche passen gut in die Genese gotischer Laubwerkgestaltung, bei der um 1350 eine Tendenz zur stärkeren Bewegung und einem Verwischen der Grenzen zwischen Wand und Ornament festzustellen ist. Die Werkstatt hat, wie die geringere Qualität der späteren Konsolen in Münster zeigt, die Stadt wieder verlassen, möglicherweise, um in Utrecht zu arbeiten, wo sich am Dom um 1380 vergleichbare figürliche Darstellungen finden. Der Steinmetz hat sich eindeutig an der Bauornamentik des Kölner Doms orientiert, wie eine Durchsicht der dortigen Kapitelle im Chor und Langhaus zeigt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)