Logo

Wesen aus dem Keller

Ident. Nr.: NG 9/17

ObjID: obj:2305660

Schenkung von Dmitry Sidur
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Vadim Abramovic Sidur (1924 - 1986),
Künstler*in
Datierung
1972-1982
Weitere Titel
Sammlungstitel: Wesen aus dem Keller
Originaltitel: Существо из подвала
Übersetzung: Creature from the Basement
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1985
Nachlass/Vermächtnis: Prof. Eimermacher,
1985–1989
Schenkung: Julija Nel'skaya ,
1989–2006
Nachlass/Vermächtnis: Dmitry Vadimovich Sidur,
2006–26.01.2017
Material / Technik
Metall, Farbe, Gummi
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 111 x 53 x 83 cm
Erwerbung
2017 Schenkung von Dmitry Vadimovich Sidur

Objektbeschreibung

„Ich möchte, dass der Betrachter nicht meinen Stil, sondern meine Welt erkennt“, schrieb Sidur (Vadim Sidur. Plastik, Graphik, Ausst.-Kat., Hamburg, 1979). Im „Wesen aus dem Keller“ erkennen wir die Welt des Künstlers deutlich, bevölkert von furchterregenden, pathetischen und auf ihre Weise charmanten Kreaturen aus der postapokalyptischen, radioaktiven Welt der nahen Zukunft. Im Keller, wie der Bildhauer das Souterrain nannte, das ihm als Atelier diente, befanden sich viele Objekte, die er auf Müllhalden entdeckt hatte und die bei ihm ein zweites Leben erhielten, indem sie Teil von Assemblagen wurden. Der Keller war überdies ein „Nest“ der Dissidenz, ein Anziehungspunkt für sowjetische Intellektuelle und seit den frühen 1960er-Jahren auch für ausländische Besucher. Nach seinem Abschluss am Moskauer Surikow-Institut im Jahr 1953 begann Sidur 1957, sich vom Stil des Sozialistischen Realismus abzuwenden und strebte nach anderen Formen des Ausdrucks. Auslöser dafür war der Besuch der Picasso-Ausstellung in Moskau 1956. Sie eröffnete dem jungen Künstler neue Freiheiten im Umgang mit Naturdarstellung. Sidur machte keinen Hehl aus seiner Bewunderung für das Werk Picassos und räumte dessen Einfluss ein. Am nächsten steht das „Wesen aus dem Keller“ wohl Picassos „Stierkopf“, den der spanische Künstler 1942 aus einem Fahrradsattel als Schnauze und einem Lenker als Hörner zusammengefügt hatte. | Elena Voronovich

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz