Logo

Deckelpokal

Ident. Nr.: W-1960,9

ObjID: obj:2322209

Details (Expert)

Beteiligte
Datierung
um 1660/70
Geografische Bezüge
faktischer Entstehungsort: Berlin
Material / Technik
Silber, getrieben, gegossen, ziseliert
Abmessungen
Höhe: 47,5 cm

Objektbeschreibung

Reich verzierter Becherpokal von gedrungener Gestalt. Der üppige, getriebene Blattdekor, der einige Hauptzonen des Pokals am Fuß, Gefäßkörper und Deckel ziert, wird von glatten Streifen, Profilen sowie von Zungen- und Lammellenbändern eingefaßt und in der Wirkung zurückgedrängt. Am oberen Teil der Cuppa in vier ovalen Feldern liegende weibliche Gestalten. Darunter ein Kranz von Löwenköpfen, vielleicht zum Anbringen von Zunftzeichen. Der Schaft und der Deckel werden durch aufgelegtes, durchbrochenes Blattwerk geschmückt. Der Pokal trägt die Marke I.AST (Mz. Rosenberg Nr. 1172), eines in Berlin (Bz. Berlin Rosenberg Nr. 1149) in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts tätigen Meisters (der hier 1658 den Bürgereid ablegt), für den mehrere Arbeiten gesichert sind.
Die Grundform dieses Pokals geht noch ins 16. Jahrhundert zurück, ebenso die figürliche Verzierung mit Reliefs und mit der bekrönenden Kriegerstatuette, deren Modell wohl auch älter sein dürfte. KP

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa