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Ponte Quattro Capi und die Tiberinsel

Ident. Nr.: 53-1969

ObjID: obj:2341816

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Hieronymus Cock (um 1510),
Stecher*in
Datierung
Herstellung: 1550
Material / Technik
Radierung
Abmessungen
Plattenrand: 22,8 x 32,5 cm
Blattmaß: 23,2 x 32,8 cm

Objektbeschreibung

Hieronymus Cock war der bedeutendste niederländische Verleger vor Plantijn. Sein Verlag »zu den vier Winden« dominierte Buch- und Bilddruck seiner Zeit nicht nur quantitativ, sondern förderte künstlerische Talente, zu denen als wichtigstes Pieter Bruegel d.Ä. gehörte. Fast alle Stiche nach Bruegel erschienen bei Cock. Mit einem feinen Gespür für die Bewegungen des Marktes erfaßte und bediente Cock manche Mode, bevor Andere sie wahrgenommen hatten.
Die Serie PRAECIPVA ALIQVOT ROMANAE ANTIQVITATIS RVINARVM MONIMENTA gehört zu seinen frühesten Unternehmungen. Die ausdrücklich angezeigte Eigenhändigkeit dieser Radierungen wird Cock später zugunsten geschulter Spezialisten für die verschiedenen Verlagsparten, vor allem Antike, Landschaft und Wissenschaft, und das technisch aufwendigere Verfahren des Kupferstichs aufgeben. Wieweit er auch auf eigene Naturstudien für die Serie zurückgegriffen hat, ist nicht gesichert, doch hatte er in den Jahren zwischen 1546 und 1548 Gelegenheit, Rom zu besuchen.
Man sieht flußabwärts auf die Nordspitze der Tiberinsel, die über den linken Arm des Flusses durch den 62 v.Chr. errichteten Ponte Fabricio mit der Stadt verbunden ist - nach der Milvischen Brücke die älteste erhaltene Roms. Diese, die durch die starke Schattierung und die Staffage, einen darüber hinziehenden Kardinal mit seiner Leibwache, hervorgehoben wird, bildet das Thema des Blattes und nicht so sehr die Ruinen auf der Insel, in denen 1548, also gerade in diesen Jahren, das Ospedale di S. Giovanni di Dio eingerichtet wurde, oder die Kirche S.Bartolomeo an der südlichen Inselspitze, von der man Dach und Obergeschoß des Campanile über die anderen Bauten hinweg erblickt. Aber auch unabhängig von jeder topographischen Genauigkeit bildet die Darstellung eine kunstvolle Komposition.
Trotz des relativ späten Abzugs von der bereits zerkratzen Platte entfaltet das Blatt mit weichen Linien und samtigen Schatten den ganzen Reiz der angewandten Ätztechnik.

Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 176f., Kat. IV.13 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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