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Entwurf zu einer Trinität mit totem Christus

Ident. Nr.: KdZ 1409

ObjID: obj:2342041

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Abraham Bloemaert (1566 - 1651),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1614
Abmessungen
Blattmaß: 51,6 x 39,2 cm

Objektbeschreibung

Bloemaert, einer der produktivsten aus der an hervorragenden Zeichnern so reichen Manieristengeneration, ist im Berliner Kabinett gut vertreten. Allerdings können nicht alle Blätter als eigenhändig gelten, denn wie kaum ein Anderer ist der größte niederländische Lehrer vor Rembrandt in Zeichnungen wie auch in Gemälden und Drucken kopiert worden.
Unser wichtiges, zweifellos eigenhändiges Blatt zeigt im Zentrum eine Engelspietà mit dem auf Wolken gebetteten Leichnam Christi. Darüber, weit in den Raum zurückversetzt, die Halbfigur Gottvaters in einer Gloriole, unter ihm nur schwach erkennbar die Taube. Engel präsentierten mit vielfältiger Gestik die Leidenswerkzeuge, die sog. Arma Christi.
Während namentlich für die vorn gelagerten Engel ein Stich von Ph. Galle (B. 54) nach Märten de Vos Pate gestanden hat, folgt die eigenartige Ikonographie mit der sicher beabsichtigten Ambivalenz, ob Christi Leichnam zum Vater hinaufgetragen wird oder von ihm herabkommt, einem Holzschnitt Baldungs (B. 43). Sie kommt sonst nur noch bei Frans Floris vor (C. v. d. Velde, Nr. P37). Bereits Wölfflin hat Baldungs Darstellung mit Dürers Gnadenstuhl in Wolken von 1511 verglichen und sie damit als Dreifaltigkeitsbild erkannt, »mit wohl erheblich eucharistischem Inhalt« (G. v. d. Osten, RDK V.618). Bei Bloemaert wird dies durch die Arma Christi um die Verbindung mit dem Jüngsten Gericht erweitert.
Obwohl kaum ein Blatt im Œuvre des Zeichners unseres in den Maßen übertrifft, bildet es, wie die vielfachen Korrekturen und der unvollendete Zustand nahelegen, kein eigenständiges Werk, sondern einen Schritt auf dem Wege einer offenbar sehr wichtigen Arbeit. Eine benachbarte Ikonographie, wenn auch im Einzelnen andere Kompositon weist unter allen Auftragswerken Bloemaerts allein das Hochaltarbild der Kathedrale von 's-Hertogen-bosch von 1615 auf. Dessen für die Entstehungszeit höchst altertümliche Darstellung, die Doppelte Fürbitte oder Intercessio, die ganz direkt auf das Weltgericht bezogen ist, wurde von Bloemaert in einer heute in Basel (Inv. Bi. 382.2) aufbewahrten Zeichnung festlegt, die die Grundlage des Auftrags gewesen sein muß. Unser Blatt kann man sich als eine erste Formulierung, als Bildmaterial für das Gespräch zwischen dem Auftraggeber Bischof Gisbert Maes, und dem Künstler vorstellen.

Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 191f., Kat. IV.33 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 19.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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