Logo

Mühle bei Amalfi

Ident. Nr.: 173-101

ObjID: obj:2343394

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Carl Blechen (1789 - 1840),
Stecher*in
Datierung
Herstellung: 1830
Abmessungen
Plattenrand: 19,9 x 29,7 cm

Objektbeschreibung

Für den Zeichner wie den Maler Blechen wurde die Italienreise von 1828/29 zum Schlüsselerlebnis. In den berühmten Sepia-Blättern des Skizzenbuches von Amalfi (1829) mit den gelegentlich fast abstrakt wirkenden, lichtdurchtränkten Darstellungen aus dem Ort Amalfi und dem unweit davon gelegenen Mühlental war ihm der Durchbruch zu einer neuen, realistischen Landschaftskunst gelungen, die ihn zum Begründer der Freilichtmalerei in Deutschland werden ließ. Ähnlich befreiend, wenn auch weniger unmittelbar, wirkte das Italienerlebnis auf den Graphiker. Zwischen 1830 und 1832 schuf er einige wenige Lithographien mit Land-schaftsmotiven, die sich von seinen vor der Italienreise entstandenen, noch tief in der Spätromantik wurzelnden Drucken inhaltlich und formal deutlich abgrenzen. Sie bilden den Höhepunkt des zahlenmäßig nur kleinen graphischen Werkes. Weder hinsichtlich ihrer malerischen Form noch ihrer freizügigen graphischen Strukturen bietet die zeitgenössische deutsche Graphik Vergleichbares.
Für unser Blatt wurde als Vorlage eine Sepia-Zeichnung (Rave 1940, Nr. 1156, Akad. 46) aus dem Amalfi-Skizzenbuch benutzt.
Im Mittelgrund ist eine Papiermühle dargestellt. Anders als die meisten nach Italien reisenden Künstler der Zeit interessierte sich der in diesem Land zum Realisten gewordene Blechen bei seiner Wanderung durch das Mühlental erstaunlich früh auch für die dort angesiedelten Papiermühlen und Fabrikbauten. Sie gehören zu den am häufigsten dargestellten Motiven seines Amalfi-Skizzenbuches. Trotz der Verwendung eines nahezu identischen Motivs in Zeichnung und Druck handelt es sich in beiden Fällen um eigenständige Kunstwerke. Durch die kunstvolle Kombination verschiedenartiger Zeichenmaterialien sowie die differenziert wechselnden und zu dem durchschimmernden Papierweiß kontrastierenden Tonstufungen versucht unsere Lithographie, die Lichtwirkung nochmals zu steigern.

Text: Sigrid Achenbach in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 376f., Kat. VII.24 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Der Sommer: Flusslandschaft mit Badenden

Der Sommer: Flusslandschaft mit Badenden

Während die Gemälde Avercamps, die deutlich in der um 1600 neu auflebenden Nachfolge Pieter Bruegels stehen, stets Winterlandschaften zeigen, in denen sich eine große Menge von Figuren auf dem Eis der zugefrorenen Kanäle erfreut, sind unter seinen Zeichnungen auch Kompositionen, die das Leben anderer Jahreszeiten spiegeln. Mit Wasserfarben bildmäßig durchgeführte Zeichnungen kann man sich als einen erschwinglichen Ersatz für die kostspieligeren Ölgemälde denken. Unser Blatt ist ein besonders großes und schönes Exemplar dieser Gattung. Trotz der gleichen Höhe und fast derselben Breite sowie dem komplementären Thema, kann keineswegs als gesichert angesehen werden, daß es sich bei der Zeichnung des Winters (KdZ 2230) um ein Pendant zu diesem Blatt handelt, zumal jene aus anderer Provenienz, nämlich der 1874 erworbenen Sammlung Suermondt stammt, dieses dagegen erst später erworben wurde.Das Wappen Amsterdams am Wirtshaus rechts legt die Uferszenerie in die Nähe der großen Stadt. Dort mischt sich das Landleben, wie es der Heuwagen, der Bauer mit dem Kalb und die Frau mit den Melkeimern repräsentieren, mit bürgerlich gekleideten Spaziergängern in steifem Hut, Halskrause und weiten Röcken; junge Leute haben sich ihrer Kleider entledigt um zu schwimmen; auf dem Wasser eine Bootspartie. Ungewöhnlich für Avercamp ist die vergleichsweise geringe Anzahl von Figuren. Diese Konzentration sowie der relativ niedrige Horizont sprechen für eine eher späte Datierung in die zwanziger Jahre. Mittel- und Hintergrund, die rechts durch die Uferstraße, links durch den Wasserlauf erschlossen werden, sind in erster Linie durch die Segel einer unwahrscheinlichen Anzahl von Schiffen bevölkert. Kirchtürme, Windmühlen und ein Galgen verleihen noch dem Horizont eine von menschlicher Präsenz belebte Atmosphäre. Die von Leben erfüllten Darstellungen sind geeignet, die in Quellen mehrfach belegte Behinderung Avercamps vergessen zu machen, der als Stummer menschlich relativ isoliert gewesen sein muß.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 206f., Kat. IV.53 (mit weiterer Literatur)