Logo

Weite Landschaft mit Haarlem am Horizont, Blatt 5 aus einer Folge mit Landschaften im Querformat

Ident. Nr.: 535-2007,2

ObjID: obj:2347071

Sammlung Christoph Müller

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Jan van de Velde (2) (um 1593-1641),
Stecher*in
Ausführung: Robert Willemsz. de Baudous (1574/1575),
Verleger*in
Datierung
Herstellung: o. J.
Weitere Titel
Sammlungstitel: Weite Landschaft mit Haarlem am Horizont, Blatt 5 aus einer Folge mit Landschaften im Querformat
Landschappen van oblong formaat
Material / Technik
Radierung
Abmessungen
Plattenrand: ca. 14,5 x 41 cm
Blattmaß: 15,3 x 41,5 cm

Objektbeschreibung

Dieses zauberhafte Blatt zeigt drei aufwändig gekleidete Paare beim Spaziergang. Das Hauptmotiv sind jedoch weniger die plaudernden Figuren, als die wohl komponierte, abwechslungsreiche Flachlandschaft. Der Blick schweift entlang der Felder, Wiesen, Baumgruppen, Wege und Gehöfte zur Stadtsilhouette Haarlems am fernen Horizont. Mit großer Sorgfalt wurden die Spiegelungen im Wasser wiedergegeben. Unbedruckte Leerstellen lassen im Mittelgrund und am linken Bildrand einzelne Büsche und Bäume in der Farbe des Papiers hell leuchten und erwecken so den Eindruck sommerlichen Lichts und mittäglicher Wärme, die graphisch viel schwerer darzustellen sind als mit farbiger Malerei. Das Blatt ist zugleich ein Sinnbild üppig gedeihender und vom Menschen geordneter Natur.

Letzte Aktualisierung: 28.11.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Der Sommer: Flusslandschaft mit Badenden

Der Sommer: Flusslandschaft mit Badenden

Während die Gemälde Avercamps, die deutlich in der um 1600 neu auflebenden Nachfolge Pieter Bruegels stehen, stets Winterlandschaften zeigen, in denen sich eine große Menge von Figuren auf dem Eis der zugefrorenen Kanäle erfreut, sind unter seinen Zeichnungen auch Kompositionen, die das Leben anderer Jahreszeiten spiegeln. Mit Wasserfarben bildmäßig durchgeführte Zeichnungen kann man sich als einen erschwinglichen Ersatz für die kostspieligeren Ölgemälde denken. Unser Blatt ist ein besonders großes und schönes Exemplar dieser Gattung. Trotz der gleichen Höhe und fast derselben Breite sowie dem komplementären Thema, kann keineswegs als gesichert angesehen werden, daß es sich bei der Zeichnung des Winters (KdZ 2230) um ein Pendant zu diesem Blatt handelt, zumal jene aus anderer Provenienz, nämlich der 1874 erworbenen Sammlung Suermondt stammt, dieses dagegen erst später erworben wurde.Das Wappen Amsterdams am Wirtshaus rechts legt die Uferszenerie in die Nähe der großen Stadt. Dort mischt sich das Landleben, wie es der Heuwagen, der Bauer mit dem Kalb und die Frau mit den Melkeimern repräsentieren, mit bürgerlich gekleideten Spaziergängern in steifem Hut, Halskrause und weiten Röcken; junge Leute haben sich ihrer Kleider entledigt um zu schwimmen; auf dem Wasser eine Bootspartie. Ungewöhnlich für Avercamp ist die vergleichsweise geringe Anzahl von Figuren. Diese Konzentration sowie der relativ niedrige Horizont sprechen für eine eher späte Datierung in die zwanziger Jahre. Mittel- und Hintergrund, die rechts durch die Uferstraße, links durch den Wasserlauf erschlossen werden, sind in erster Linie durch die Segel einer unwahrscheinlichen Anzahl von Schiffen bevölkert. Kirchtürme, Windmühlen und ein Galgen verleihen noch dem Horizont eine von menschlicher Präsenz belebte Atmosphäre. Die von Leben erfüllten Darstellungen sind geeignet, die in Quellen mehrfach belegte Behinderung Avercamps vergessen zu machen, der als Stummer menschlich relativ isoliert gewesen sein muß.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 206f., Kat. IV.53 (mit weiterer Literatur)