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Der Apfeldieb

Ident. Nr.: 2017,25

ObjID: obj:2352599

Details (Expert)

Beteiligte
Entwurf: Johann Peter Melchior (1747–1825),
Bildhauer*in
Ausführung: Höchster Porzellanmanufaktur (1746),
Hersteller*in
Datierung
um 1775
um 1780
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe: 16,5 cm
Länge: 16,5 cm (Sockel)
Tiefe: 16 cm (Sockel)

Objektbeschreibung

Die Gruppe besteht aus vier Figuren auf einem grasbewachsenen, ovalen Sockel. In der Mitte sitzt eine junge Frau, umgeben von drei Kindern. Während die Frau - vermutlich die Mutter - von dem älteren Mädchen abgelenkt wird und dieses mit der erhobenen Rechten ermahnt, merkt sie nicht, dass die beiden kleinen Jungen buchstäblich hinter ihrem Rücken Äpfel aus dem am Boden stehenden Korb stehlen. Die Staffierung ist in Rosa, Grün, Gelb, Schwarz, Beige und Gold gehalten. Auf der Unterseite ist in Unterglasurblau die Höchster Radmarke aufgemalt.
Um 1775 nahm die Höchster Porzellanmanufaktur das Modell „Der Apfeldieb" in die Produktion auf. Laut Recherchen von Patricia Stahl und Stefanie Oehling (Kat. Frankfurt am Main 1994, S. 200) taucht 1780 eine Porzellanversion im Warenverzeichnis für die kurfürstliche Hofhaltung in Aschaffenburg auf, was einen Anhaltspunkt für die Datierung – um 1775 – gibt. Im Bestand des Berliner Kunstgewerbemuseums befindet sich das Tonmodell zu der Gruppe (Inv. Nr. K 1609).
Wie hoch die Auflagenhöhe des „Apfeldiebs“ in bemaltem Porzellan um 1780 war, lässt sich nicht genau ermitteln. Aus einem Modell, zumal einem solch komplizierten, dürfte die Zahl der Ausformungen zwischen 20 und 30 gelegen haben. Dann war die Form abgenutzt. Jedoch konnte man von dem Urmodell neue Ersatzmodelle herstellen, so dass weitere Ausformungen möglich waren.
Das Berliner Kunstgewerbemuseum konnte 2017 eine bemalte Porzellanversion erwerben, die aus der Entstehungszeit stammt. Weitere Beispiele befinden sich u.a. im Höchster Porzellanmuseum, in den Museen für angewandte Kunst der Städte Frankfurt am Main und Köln und im Mainzer Landesmuseum. Die Staffierungen differieren jeweils. Die Manufaktur führte auch Varianten in Biskuitporzellan aus, Beispiele gibt es im Bayerischen Nationalmuseum München bzw. der Münchener Residenz.
Johann Peter Melchior ist ein gutes Beispiel dafür, dass das exklusive Material Porzellan im 18. Jahrhundert für ambitionierte Bildhauer ein neues und reizvolles Betätigungsfeld darstellte. Melchior hatte seine Karriere 1765 bei der Höchster Porzellanmanufaktur begonnen, wo er von 1766/67 bis 1779 die Position des Modellmeisters innehatte. 1770 wurde er zum Hofbildhauer des Mainzer Kurfürsten Emmerich Joseph von Breidbach-Bürresheim (1707–1774) ernannt. Von 1779 bis 1793 war er Modellmeister an der Frankenthaler und von 1797 bis 1822 an der Nymphenburger Porzellanmanufaktur; an beiden Stationen führte er auch den Titel des Hofbildhauers. Im Bestand des Berliner Kunstgewerbemuseums befinden sich zwei von Melchior signierte Tonmodelle eines schlafenden und eines ruhenden Knaben (Inv. Nr. 1914,53/54), die als Vorführmodelle bei potentiellen Auftraggebern gedient haben mögen. Er schuf nicht nur Porzellanfiguren, sondern arbeitete auch in Alabaster und Marmor.

Marke: Radmarke für Höchst (in Unterglasurblau auf der Unterseite)

Lit.: Claudia Kanowski, Tonmodelle in der Porzellanplastik, in: Kanowski/Lothar Lambacher: Tönerne Welten. Figürliche Keramik aus sechs Jahrhunderten. Eine Bestandsaufnahme im Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin, Sonderdruck aus: Keramos (2015/I), Heft 227, S. 3-48, hier S. 4, 33 und 35; Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden, Berlin 2018, S. 147; Patricia Stahl, Stefanie Oehling: Höchster Porzellan 1746-1796, Ausst. Kat. Historisches Museum der Stadt Frankfurt, Heidelberg 1994, S. 200

ClKa

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Ovale Bildplatte mit dem Bildnis des Evangelisten Markus

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Teil vom Großen Silberbuffet aus dem Rittersaal des Berliner Schlosses

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Großes Handfass mit vasenförmigem Körper auf hochgewölbtem Glockenfuß. An den Seiten über weiblichen Maskarons zwei gedrehte Schlaufenhenkel. Der Zapfhahn unter einer Muschel als Maske mit Ausgussrohr. Am Hals des Gefäßes Scheibe mit dem kurbrandenburgischen Wappen zwischen zwei „Wilden Männern“. Zugehörig zur Wanne Inv. Nr. S 513, in welcher das Handfass hier steht.Die Kanne zählt zum Bestand des so genannten Großen Silberbuffets, welches sich bis zum Zweiten Weltkrieg im Berliner Schloss befand. Dabei handelt es sich um neun monumentale, aus Kannen und Becken bestehende Gießgarnituren, acht Kettenflaschen, zwei Kühlkessel, zwei Pastetenbüchsen sowie ein großes Handfass mit zugehöriger Wanne. Insgesamt umfasst das Buffet heute noch 33 prachtvolle vergoldete Silbergefäße, die überwiegend zwischen 1695 und 1698 auf Bestellung des Kurfürsten Friedrich III. in Augsburg, dem damaligen Zentrum der Goldschmiedekunst in Deutschland, hergestellt wurden.Das Ensemble war im Rittersaal des Berliner Schlosses als wandfester Teil der Innenarchitektur installiert: Während die Lavabogarnituren und die Kettenflaschen gegenüber dem Thron an der verspiegelten Wand angeordnet waren, standen die übrigen Gefäße in symmetrischer Anordnung auf einem Schanktisch davor. Das Große Silberbuffet war über Jahrhunderte gleichermaßen königliches Repräsentationsobjekt und Teil des brandenburgisch-preußischen Staatsschatzes. Von späteren Einschmelzungen blieb es auch deshalb nicht verschont. Der Schanktisch wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, die erhaltenen Gefäße sind heute in der Dependance des Kunstgewerbemuseums in Schloss Köpenick in einer der ursprünglichen Anordnung angenäherten Rekonstruktion wieder aufgebaut. LL

Bürgereidkristall aus dem Lüneburger Ratssilber

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Architekturteile und Figuren gegossen. Dach, Hintergründe der Figuren und Steine, Unterseite, Innenseiten und Inkarnat unvergoldet. Gewänder z. T. punziert. Zeichen auf der Unterseite. Figuren, Steine usw. mit durchgesteckten Schlaufen, in die Keile geschoben sind, befestigt. Ausarbeitung vergleichsweise grob. – Je zwei Nieten an den Ecken deuten darauf hin, daß der Schrein ursprünglich Füße oder einen Sockel besaß. Drei der Kreuzblumen an den Ecken, ein Finger des Weltenrichters, ein Teil des Schwertes von Paulus und Attribut eines Heiligen verloren. Vergoldung z. T. abgerieben, Email stellenweise fehlend.Truhenförmiges, als gotische Kapelle gestaltetes Reliquiar. Übereck gestellte, gestufte und mit Fialen, Zinnen und Kreuzblume besetzte Strebepfeiler, die in Richtung der Längeseiten – ursprünglich! – nach außen geneigt sind. Hohe, pultförmige, durch Stabfries und Hohlkehlprofile gegliederte Sockelzone. Form der Standplatte dem Grundriß entsprechend, Wulstrand durch Nut abgesetzt. Dachgesims längsseitig mit Blattfries, an den Schmalseiten als säulengetragene Kielbögen mit Krabben und Kreuzblume. Zurückgesetzte Wandungen der Längsseiten rechts und links eines größeren Mittelfeldes durch Strebepfeiler und Säulchen, die Baldachine tragen, in je zwei Felder geteilt, davor Statuetten auf Sockeln mit Stabmuster. In der Mitte der einen Längsseite Christus als Weltenrichter in der Mandorla, seine Wundmale weisend und hinter sich das Richtschwert, der Nimbus mit aufgesetztem Filigran. In halbrunden Feldern die vier Evangelistensymbole auf transluzid blauem Emailgrund. Seitlich, kniend auf transluzid grün emaillierten Hügeln, Maria und Johannes der Täufer, außen zwei posaunenblasende Engel. Auf der Gegenseite der Gekreuzigte mit Maria und Johannes, die auf niedriger angebrachten Konsolen stehen. Seitlich Petrus und Paulus, links außen der Evangelist Matthäus, gekennzeichnet durch ein Schwert im Rücken, und rechts außen ein Heiliger, dessen Attribut fehlt. In den auch als Türchen dienenden Nischen der Schmalseiten der heilige Georg mit Drachen und eine weibliche Heilige mit Palmwedel, wohl die heilige Ursula, Lüneburgs Stadtpatronin. Auf der Dachwölbung zylindrischer Reliquienbehälter aus Bergkristall, verschlossen durch zwei Kappen, die entsprechend den Schmalseiten des Kastens verziert sind. An der vergoldeten Unterlage mit graviertem Blattrand zwei Schriftbänder, die dunkel bzw. transluzid blau emailliert sind. Auf dem einen (Seite des Weltenrichters) in Majuskeln „ITE VENITE“, auf dem anderen in Minuskeln „benedicti p(at)r(i)s mei“ nach Matth. 25,41 und 25,34 (Gehet hin ihr Verfluchten/ Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters). Rechts und links kniender Schutzengel, auf den Flügeln blaues, transluzides Email mit goldenen Punkten (nur z. T. erhalten). Am Sockel verschieden geformte blaue und helle, ehemals gelb und rot hinterlegte Glassteine in vier- und sechseckigen Fassungen.