Unser Nachbar 17
Ident. Nr.: N (23 G) 77/2018
ObjID: obj:2396812
Details (Expert)
- Datierung
- 2018
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- atmungsaktives sythetisches Gewebe (Climachill), maschinengenäht
- Abmessungen
- Länge x Breite: 78 x 20 cm (Schulterbreite)Größe: M
- Erwerbung
- Ankauf aus dem Erwerbungstitel des MEK für das Aktuelle Schaufenster (Vitrine im Foyer).
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/2396812
Objektbeschreibung
Weißes Trikot der Deutschen Fußballnationalmannschaft der Männer zur Weltmeisterschaft 2018 in Moskau, Sonderdruck mit der Aufschrift hinten: "Die Mannschaft" "UNSER NACHBAR" mit der Nummer "17", dazu am unteren Rand der Nummer zweimal das Label des Deutschen Fußballbundes.
Vorn: das Firmenzeichen des Herstellers "Adidas", ein schwarzes Streifendesign, darin in Golddruck "Fifa world Champions 2014", oben links das Label des Deutschen Fußballbundes mit vier Sternen über dem Zeichen, rechts unter den Streifen die Nummer "17".
Auf den Schultern je drei schwarze Streifen, das Erkennungszeichen der Firma "Adidas".
innen: die Größe M und am Kragen mittig als Design schwarz/rot/gold.
Das Trikot wurde anlässlich der Fußballweltmeisterschaft 2018 erworben und greift rassistische Diskussionen um die deutsche Fußballnationalmannschaft in den 2010er-Jahren auf. Die deutsche Nationalmannschaft, die bei der WM 2018 in Russland antratt, war bunt und vielfältig. Die Eltern der Teammitglieder kamen aus Polen, der Türkei, Ghana, Bayern und Schwaben, aus Sierra Leone und Spanien. Einige besaßen neben ihrer deutschen Staatsangehörigkeit auch einen tunesischen oder französischen Pass. Sie spiegelten die Vielfalt der deutschen Bevölkerung wider und traten in internationalen Wettkämpfen wie der Fußballweltmeisterschaft für Deutschland an. Aber nicht alle schienen dies akzeptieren zu können. Der AFD-Politiker Alexander Gauland löste im Vorfeld der Europameisterschaft im Mai 2016 einen Skandal aus, als er in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über den Nationalspieler Jerôme Boateng mit der Rückennummer 17 sagte: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“
Unter dem Hashtag „UnserNachbar“ solidarisierten sich daraufhin zahlreiche Menschen auf Twitter und Facebook mit Jerôme Boateng, ebenso andere Fußballspieler. So schrieb Benedikt Höwedes unter ein Foto, das ihn mit Boateng zeigte, auf Twitter: „Wenn du für Deutschland Titel gewinnen willst, brauchst du Nachbarn wie ihn.“ Bei einem Testspiel, das die DFB-Mannschaft am Abend nach Erscheinen des Interviews mit Gauland in Augsburg absolvierte, hatte der Fanblock ein großes Banner dabei, auf dem „Jerome sei unser Nachbar!“ stand.
Auch andere europäische Nationalmannschaften hatten Torschützen unterschiedlicher kultureller Herkunft: Zlatan Ibrahimovic stand lange Zeit symbolhaft für die schwedische Nationalmannschaft. 2017 wurde der aus Brasilien stammende Nationalspieler Emerson Palmieri dos Santos in Italien eingebürgert. Die Eltern von Kenny Tete, der für die Niederlande spielte, kamen aus Mosambik und Indonesien. Sie alle waren Nachbarn in Europa und Symbol für die vielfältigen Kulturen und Lebenswelten, die die Nationalstaaten in Europa prägten.
Letzte Aktualisierung: 29.06.2026
Kontakt
Einrichtung:
Museum Europäischer Kulturen
E-Mail:
mek@smb.spk-berlin.de