Belebte Dorfstraße, rechts drei Reiter, hinter Bäumen ein Wirtshaus
Ident. Nr.: KdZ 744
ObjID: obj:2428380
Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- Herstellung: 1618
- Material / Technik
- Spuren einer Vorzeichnung in Graphit, Feder in Braun, Pinsel in Blau, blau und grau laviert
- Abmessungen
- Blattmaß: max. 19,9 x 31,5 cm
- Erwerbung
- Alter Bestand, vor 1878 erworben
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/2428380
Objektbeschreibung
Hier erprobt Jan Brueghel d. Ä. die Flucht in die Tiefe nicht anhand eines Flusslaufs, sondern mit Hilfe einer Dorfstraße, die weit ins Bild hineinführt. Das Auge der Betrachtenden wird bis an den Horizont geführt. Nach hinten wird die Federführung immer feiner und die Lavierung immer blauer und dunstiger, was den Eindruck von Ferne unterstreicht.
Wie für Brueghel typisch sind auch hier herrliche erzählerische Details in der Zeichnung zu finden: Links wird Wasser aus einem Teich geschöpft, Hühner picken auf der Straße, eine Bache mit fünf Frischlingen kreuzt den Weg. Vor einem Wirtshaus sind mehrere Figuren abgestiegen, sie werden von der Sonne hell beleuchtet. Ein Junge führt ein kleines Kind an der Hand über die Straße.
Bei der Vorbereitung der Ausstellung Rubens, Jordaens, van Dyck. Flämische Meisterzeichnungen (2026) wurde im Bestand des Kupferstichkabinetts eine leicht variierte Teilkopie dieser Zeichnung im Stammbuch Gottfried Müllers gefunden (Inv.Nr. 79 A 8, fol. 175r). Sie wählt den Ausschnitt mit den beiden Reitern, ergänzt links zwei Figuren unter dem großen Baum und rückt die Hühner etwas nach rechts. Auch die Farbperspektive wird übernommen. Die schematischen Schraffuren und die kürzelhaften Konturen machen jedoch die Kopie deutlich. Vielleicht war hier ein Werkstattmitarbeiter am Werk, der Müller dieses Detail auf seinen Wunsch flott ins Stammbuch zeichnete.
Gottfried Müller, ein Braunschweiger Verleger, reiste zwischen 1616 und 1618 mehrfach in die Niederlande und sammelte kleine Zeichnungen, Embleme und Sinnsprüche verschiedener holländischer und flämischer Künstler in seinem Stammbuch ein. Spätestens 1618 muss die Kopie also in seinem Besitz gewesen sein, was es erlaubt, diese Zeichnung davor zu datieren.
Letzte Aktualisierung: 26.08.2026
Kontakt
Einrichtung:
Kupferstichkabinett
E-Mail:
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