Logo

"Triumph des Ruhmes" aus der Serie "Trionfi"

Ident. Nr.: S 29

ObjID: obj:2435791

Details (Expert)

Datierung
um 1535
Material / Technik
Wolle, Seide
Abmessungen
Höhe x Breite: 417 x 625 cm

Objektbeschreibung

Flankiert von Fama, der Allegorie des Ruhms, löst sich König David, seine Harfe spielend, aus dem langen Zug illustrer Männer und Frauen, die einer gewaltigen Schlossarchitektur im Bildhintergrund zustreben. Reich gekleidet mit Lorbeerkränzen oder Kronen auf den Häuptern und mit Siegespalmen ausgezeichnet, erkennt man in ihnen berühmte Persönlichkeiten aus Geschichte und Mythologie. Alexander der Große und Karl der Große, aber auch Moses und Josua, Kleopatra und Penthesilea, Plato und Aristoteles, um nur einige zu nennen, sind Teil des Zuges, denn sie haben sich im Leben ausgezeichnet, haben Ruhm erworben und bleiben dadurch in der Erinnerung lebendig.
Dieser Bildteppich illustriert zusammen mit fünf weiteren Tapisserien das berühmte sechsteilige Versepos „I Trionfi“ des italienischen Dichters Francesco Petrarca (1304–1374). Er verklärt darin Laura, seine verstorbene Geliebte, und geleitet sie über die sinnliche und die keusche Liebe, über Tod, Ruhm und Zeit hin zu Gottes Ewigkeit. Die Bildteppiche zeigen diese einzelnen Stadien als Sinnbilder, in denen ein Zustand über den anderen triumphiert, erkenntlich an den über den Szenen schwebenden allegorischen Triumphwagen, die von geflügelten Tieren durch die Lüfte gezogen werden.
Petrarcas Dichtung wird hier in monumentalen Darstellungen wiedergegeben, mit körperlich empfundenen Figurengruppen in weiten, tiefen Landschaften. Die Vorlagen zu unserer Serie werden dem Kreis des Brüsseler Hofmalers Bernard von Orley (1491/92–1542) zugeschrieben, der sich intensiv mit der Kunst der italienischen Hochrenaissance auseinandersetzte, was auch in der Gestaltung dieser Teppiche zum Ausdruck kommt. Ihre Ausführung zeigt allerdings nicht die extreme Feinheit der Brüsseler Wirkereien, so dass man eher an eine südniederländische Werkstatt denkt. CW

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Zeremonialstab, sog. Zepter Karls des Großen aus der ehem. Reichsabtei Werden

Zeremonialstab, sog. Zepter Karls des Großen aus der ehem. Reichsabtei Werden

Der achtkantige Zeremonialstab besteht aus einer Handhabe, zwei Schaftstücken und einer Bekrönung in der gerippten Form eines Streitkolbens mit acht Schlagblättern. Zwischen diesen Teilen befinden sich vier facettierte Knäufe. Schmale Zierreifen aus vergoldetem Silber verdecken die Stöße der einzelnen Jaspisteile. Dem Schaft sind zwei silbervergoldete Manschetten angelegt, um Bruchstellen im Stein zu sichern. Während eine Eichel den oberen Abschluss des Stabes bildet, ist am unteren Ende der Handhabe das Monogramm Karls des Großen (* 748, Reg. 768–814) eingraviert, das dem Werk seinen ehrwürdigen Namen eingebracht hat. Ein Achatstab im Kunsthistorischen Museum Wien ist dem Berliner Exemplar sehr eng verwandt, er zeigt jedoch keine Montierungen. Zeichnungen aus der Zeit um 1573 und gegen 1753 sowie stilkritische und materialanalytische Untersuchungen haben den Nachweis erbracht, dass die Silberfassungen am Berliner Stab das Resultat von drei verschiedenen Bearbeitungsphasen sind. Erst mit der zweiten – im Zeitraum zwischen den beiden Zeichnungen erfolgten – Veränderung der Montierung erhielt er durch das Karlsmonogramm auf der erneuerten Kalotte der Handhabe sein Signum als angebliches Zepter Karls des Großen.Die früheste Erwähnung als Zepter Karls findet sich in den um 1600 entstanden Werdener Klosterannalen: „Karls Zepter, aus Jaspis gefertigt dessen sich die Äbte bei den fürstlichen Amtshandlungen und bei den Belehnungen der Großen bedienen. Dabei wird es bei der Eidesleistung zur größeren Bekräftigung des Treueversprechens mit der Hand berührt.“ Eine Zeichnung im Lehensbuch des Abtes Heinrich Duden (Abbatiat 1573–1601) zeigt am unteren Abschluss der Handhabe abweichend vom heutigen Zustand eine segmentierte Kalotte ohne Karlsmonogramm, die man als Werk des 16. Jahrhunderts ansprechen möchte. Es ist zweifelhaft, ob diese älteste Silbermontierung des Werkes auch seine ursprüngliche war oder ob sie womöglich selbst schon das Resultat einer ersten Umarbeitung des zunächst ohne eine zierende Metallfassung geschaffenen – dem Wiener Stab dann einst tatsächlich zwillingshaft ähnlichen – Werkes darstellt.Heinrich Duden beschreibt in einer wohl im dritten Viertel des 15. Jahrhunderts entstandenen „Nota de usu sceptorum“ den Gebrauch des „sceptrum maius ex iaspide factum“, das dem Abt bei Prozessionen vom Marschall voran getragen und bei Belehnungen von Personen hohen Standes benutzt wurde. Vielleicht spiegelt sich in der sprachlichen Wandlung von dieser rein deskriptiven Bezeichnung des Werkes hin zur historisierenden Benennung als „Caroli sceptrum“ in den nur wenige Jahrzehnte jüngeren Klosterannalen eine Übertragung der auf dem angeblichen Gründungsprivileg beruhenden Werdener Karlstradition auf das Lehenszepter aus Jaspis, die schließlich zur Anbringung jener so nachdrücklich um Legitimationsstiftung bemühten Gravur des Karlsmonogramms geführt hat.In seiner Funktion als Lehenszepter, als Insignum weltlicher Macht, kann der Zeremonialstab den reichsunmittelbaren Werdener Fürstäbten nur vom Kaiser selbst verliehen worden sein. Die Hypothese in ihm ein Geschenk des kaiserlichen Lehensherren an die Abtei Werden anlässlich der Abtswahlen der Jahre 1520 oder 1540 zu sehen, erscheint nicht abwegig. Vielleicht war eine solche Insignienverleihung der Anlass für die Anbringung einer ersten Silbermontierung an dem älteren Jaspisstab. LL

Pokal mit Genien und Schraubfuß

Pokal mit Genien und Schraubfuß

Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR