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Krönung der Esther

Ident. Nr.: AE 556

ObjID: obj:2437050

Details (Expert)

Beteiligte
Entwurf: Pseudo-Ortkens,
Zeichner*in
Datierung
um 1520/25
Material / Technik
Glas, farblos; Silbergelb, Eisenrot, Schwarzlot
Abmessungen
Durchmesser: 23,2 cm

Objektbeschreibung

Die Krönung Esthers (Est 2,17) ist in Anwesenheit des Hofes als Zeremonie inszeniert. Die beiden Protagonisten sind bildbeherrschend unmittelbar in den Vordergrund gerückt. Rechts steht hoch aufgerichtet Ahasver, eine imposante Figur mit Bart, und hält in der Rechten die Krone über Esthers Haupt, während er ihr mit der Linken das Szepter zum Kuss reicht (Est 5,2). Kniend, den Kopf anmutig geneigt, nimmt sie die Ehrung entgegen.
Reiche Kleidung, Schmuck und drei Hofdamen, die ihre Schleppe tragen, betonen ihren königlichen Status. Die eigentümlichen, mit Goldplättchen und Perlborten besetzten Hauben der Frauen, auch der mit einer Krone geschmückte breitkrempige Hut Ahasvers, entsprechen der zeitgenössischen Mode in den südlichen Niederlanden. Schauplatz des Ereignisses ist eine mit Maßwerkfenstern versehene weiträumige Halle, deren luxuriöse Ausstattung pars pro toto eine mechanische Uhr an der Rückwand andeutet. Rechts im Bild ist unter einem von Säulen
getragenen Baldachin der Prunksitz Ahasvers zu sehen, den er sich nach dem Vorbild von Salomos Thron hatte anfertigen lassen. Die kleine Szene links im Hintergrund zeigt den Fortgang der Geschichte: Zum Torwächter erhoben, belauscht Esthers Onkel Mordochai das Komplott gegen den König (Est 2,19f.).
Die Darstellung folgt einer Zeichnung des Pseudo-Ortkens oder seiner Werkstatt, wie aus einer zweiten nach derselben Vorlage angefertigten Scheibe in St. Peter, Nowton (Suffolk) und anderen, stilistisch eindeutig dem gleichen Zyklus zugehörigen Glasgemälden hervorgeht. Das Material ist erstaunlich umfangreich und belegt, dass die Erzählung in der Bilderfolge sehr detailliert und in aller Ausführlichkeit vor Augen geführt wurde. Wie viele und welche Szenen sie ursprünglich enthielt, lässt sich heute allerdings nicht mehr erschließen. Außer Zweifel steht, dass die Überlieferung trotz allem lückenhaft ist, das erweisen schon allein die fehlenden Darstellungen der sonst üblichen Verstoßung Vashtis, der ersten Gattin Ahasvers, sowie der Verurteilung und der Hinrichtung Hamans. Mit Blick auf Inv. Nr. AE 553 fällt neben den ähnlichen Figurentypen – Esther ist Susanna wie aus dem Gesicht geschnitten, und der junge Mann gleicht dem im Gefolge Ahasvers – mit der den nächsten Akt vorbereitenden Nebenszene auch die verwandte Erzählstruktur auf. Von ihrer Ausführung her lassen sich die beiden Scheiben jedoch nicht vergleichen. Während der Glasmaler dem Bad der Susanna durch seine ausgefeilte Interpretation der Vorlage den Reiz des Erlesenen verleiht, ist die Estherszene brav, ein wenig trocken und phantasielos, ohne malerische Raffinesse kopiert, und besitzt kaum tiefenräumliche Wirkung. Selbst die Figuren sind merkwürdig flach und die silbergelb getönten Partien wirken wie nachträglich ausgemalt.
Wie der Susannenzyklus wurden auch die nach den Entwürfen der Pseudo-Ortkens Gruppe ausgeführten Rundscheibenserien mit der Geschichte der Esther von verschiedenen Meistern ausgeführt. Von ihrer maltechnische Ausführung steht die Inv. Nr. AE 556 der Rundscheibe mit Esthers Ohnmacht im Metropolitan Museum of Art, New York, nahe.
CVMA 98767

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR

Ausfall aus einer belagerten Stadt

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Das kleine, von einem schmalen silbergelben Rahmen eingefasste Kabinettstück ist auf Nahsicht angelegt. Rechts im Bild erblickt man eine Stadt, die durch eine hohe Mauer und dicke wehrhafte Türme, einen Festungsgraben und einen niedrigen Wall geschützt ist. Von den Hausdächern wehen breite, gelbweiß gestreifte Fahnen, und links auf einer halbrunden Bastion zeigen dicke Rauchwolken, dass dort soeben zwei Feldschlangenabgeschossen wurden. Aus dem Stadttor rechts quillt ein breiter Strom von Fußsoldaten, bewaffnet mit Lanzen und Musketen, und strebt, angeführt von einem berittenen Offizier, den feindlichen Truppen am linken Bildrand entgegen, die sie freilich schon mit angelegten Gewehren erwarten. Während die ersten Söldner das Gefecht bereits eröffnet haben, sieht man im Hintergrund eine Kompanie Reiter mit erhobenem gelb-weiß gestreiftenBanner, die sich in gestrecktem Galopp der feindlichen Kavallerie entgegenwirft.Die Darstellung ist mit Sorgfalt gezeichnet, Stadtmauer, Dächer, Pferde und einzelne Kleidungsstücke sind in hellem Eisenrot, Rahmen und Fahnen in orangegelbem Ton, Bäume und Rasen in sehr lichtem Silbergelb koloriert. Ob die Scheibe als Einzelstück Verwendung fand, ist nicht gewiss, ihres schmalen Formats wegen mag sie auch als Oberbild etwa eines Wappens gedient haben.Anhaltspunkte für die Datierung bietet die Tracht der Soldaten, deren knielange Pluderhosen wie die von hohen Stoffhüten verdeckten Helme ab 1540/50 in Mode waren. Die Stadt weist eine vage Ähnlichkeit zu Nürnberg auf, doch lässt sich die Glasmalerei wegen ihres schmalen Formats mit keinem der dort erhaltenen Stücke vergleichen. Vielmehr erinnert die Schlachtenszene an typische Sujets in den Oberbildern der SchweizerScheiben, weshalb man annehmen möchte, dass sie von dorther stammt.CVMA 98776

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Herkules ist an seinen Attributen, der lorbeerblattumrankten Keule und dem Löwenfell, zu identifizieren. Er wendet den Kopf nach links und nimmt so gewissermaßen Kontakt auf zu seiner weiblichen Pendantfigur, "Venus im Muschelwagen". Im Bestand des Kunstgewerbemuseums sind beide Figuren, in jeweils unterschiedlichen Größen, als weiß glasierte (Herkules, Inv. Nr. DM 8) bzw. staffierte Versionen (Venus, Inv. Nr. O-1990,94) vorhanden.Bei der hier besprochenen Herkulesfigur handelt es sich um ein nur schrühgebranntes Exemplar, das vermutlich wegen der Brandrisse, v.a. am Sockel unterhalb des rechten Fußes, nicht in den Glasurbrand gegeben wurde. Abgesehen vom Scherben ist auch der geringe Größenunterschied zur glasierten Version von nur einem Zentimeter ein Indiz dafür, dass es sich nicht um das Tonmodell handelt, das bei einer Schwindung des Porzellans von 16-22 % größer sein müsste. An der detaillierten, fast überzeichneten Oberflächenmodellierung ist zu erkennen, dass der Entwerfer, Wilhelm Christian Meyer (1726-1786), die Verschleifung der Details durch die Glasur einkalkulierte. Wilhelm Christian war ambitionierter Bildhauer und Schüler seines Bruders Friedrich Elias Meyer (1723/24 - 1785). Letzterer war Modellmeister bei der KPM und holte seinen jüngeren Bruder 1766 an die Berliner Porzellanmanufaktur.Weiterführende Informationen sind zu finden in: Dorothee Heim, Die Berliner Porzellanplastik und ihre skulpturale Dimension 1751-1825. Der Sammlungsbestand des Kunstgewerbemuseums Staatliche Museen zu Berlin (=Bestandskatalog XXVI. des Kunstgewerbemuseums SMB), Berlin, Regensburg 2016, S. 307-309, Kat.Nr. 41; Claudia Kanowski, in: C.Kanowski / L. Lambacher: Tönerne Welten. Figürliche Keramik aus sechs Jahrhunderten. Eine Bestandsaufnahme im Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin, Sonderdruck aus: Keramos (2015/I), Heft 227, S. 24-27, Abb. S. 26.ClKa

Terrine in Form eines Kohlkopfs

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"Die in Gelb, Manganviolett und Grün bemalte Fayenceterrine lässt erst auf den zweiten Blick erkennen, dass sie als solche wirklich verwendbar ist: Sie besteht aus zwei Teilen, einem Korpus und einem Deckel. In größtmöglichem Naturalismus wurde ein Weißkohlkopf nachgebildet. Die einzelnen Blätter und Adern sind plastisch geformt. Den Deckelknauf bildet eine Frucht, wohl eine Eichel. Terrinen in Kohlkopfform oder auch als Wildschweinköpfe gestaltet, Pastetendosen in Form von Rebhühnern, Fasanen oder Kaninchen und Butterdosen in Melonenform finden sich auf den gedeckten Tafeln der Barock- und Rokokozeit in großer Vielfalt. Immer sind sie detailreich modelliert und täuschend echt bemalt. Da das exklusive Porzellan im 18. Jahrhundert noch den fürstlichen Auftraggebern vorbehalten war, stellte Fayence eine beliebte Alternative für weitere Kreise der Aristokratie und des betuchten Bürgertums dar.In ganz Europa orientierte man sich bei der gedeckten Tafel am französischen Vorbild, dem 'service à la française'. In Versailles sah das höfische Zeremoniell seit Ludwig XIV. eine Trennung zwischen der Tafel der Hauptgerichte aus symmetrisch angeordneten Terrinen und Platten und der figürlich gestalteten Desserttafel vor. Zum 'premier service' gehörten Ragouts, Pasteten und die 'Pot à oille', ein Eintopf aus in der Brühe gegartem Fleisch und Gemüse. Auch die Kohlkopfterrinen fanden hier ihre Aufstellung. Zugleich spiegelt sich in den illusionistisch gestalteten, tierförmigen Gefäßen die aufs Mittelalter zurückgehende Tradition der Schaugerichte wider.Die 1763 gegründete schlesische Fayencemanufaktur in Proskau nahm sich in der Anfangszeit Modelle der Straßburger Fayencemanufaktur zum Vorbild, zu deren charakteristischen Produkten auch Kohlkopfterrinen zählten." (Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden, Berlin 2018, S. 139)Marke: P (Unterseite, in Mangan aufgemalt)ClKa