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Fragment mit Übertragungspause zur Kreidelithographie "Jäger mit Hunden" (1917), Entwurf zu Gottfried Kellers Gedicht "Berliner Pfingsten" und durchgezeichnete Reiter-Vignette (für den Umschlag zu "54 Steindruck zu kleinen Schriften von Heinrich von Kleist", Berlin 1917)

Ident. Nr.: KdZ 31573

ObjID: obj:2448262

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Max Liebermann (1847-1935),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: um 1916/1917
Abmessungen
Blattmaß: 36,9 x 54,4 cm

Objektbeschreibung

Als 2015 im Kunsthandel ein Konvolut von Zeichnungen
Max Liebermanns auftauchte, war man
zunächst skeptisch. Ungewöhnlich steif wirkte
der Zeichenstil, teils stark zerfleddert waren die
Papiere. Handelte es sich um Originale oder
doch um Fälschungen? Die Provenienz aus dem
Nachlass des mit Liebermann bekannten Verlegers
Alexander Koch (Köln 1860 – Darmstadt
1939) weckte jedoch Vertrauen. Eine eingehende
Untersuchung in der Restaurierungsabteilung
des Kupferstichkabinetts im Beisein der Liebermann-
Expertinnen Sigrid Achenbach und
Margreet Nouwen brachte schließlich die Gewissheit,
dass originale Übertragungspausen
Liebermanns für eigenhändige Lithographien
vorlagen.
Als Arbeitsmaterialien geben sie einen bisher
unbekannten Einblick in Liebermanns Vorgehen
bei der Herstellung seiner Lithographien.
Der teils zaghafte Strich erklärt sich dadurch,
dass Liebermann das Transparentpapier nutze,
um vorhandene Zeichnungen in den Hauptzügen
abzupausen. Anschließend positionierte er
das Transparentpapier mit der abgenommenen
Zeichnung nach unten auf einen präparierten
Lithostein und fuhr die Linien zum Übertragen
nach, wodurch eine schwache, seitenverkehrte
Bleistiftvorzeichnung auf dem Stein entstand.
Diese führte er dann mit Lithokreide in gewohnt
souveränem Strich weiter aus.
Auf der Vorderseite unseres Blattes finden
wir das Fragment der Pause zu Liebermanns großer
Kreidelithographie "Jäger mit Hunden" von
1917 sowie einen freien Kreideentwurf zu Gottfried
Kellers Gedicht "Berliner Pfingsten". Auf
der Rückseite befindet sich die Pause zur Umschlagvignette
eines Nackten Reiters für die "54
Steindrucke zu kleinen Schriften von Heinrich von
Kleist" von 1917. Das kleine, schematisch abgepauste
Selbstportrait fand offenbar keine druckgraphische
Weiterverwendung, da es auf der
Rückseite nicht nachgefahren wurde. Es zeigt
jedoch, wie sparsam Liebermann mit seinem
Material umging. Die durch das Auktionshaus
Bassenge vermittelte Schenkung schließt eine
Lücke zwischen Liebermanns Zeichnung und
Druckgraphik im Kupferstichkabinett.

Georg Josef Dietz, in: In bester Gesellschaft. Ausgewählte Erwerbungen des Berliner Kupferstichkabinetts 2009-2019, Ausst.-Kat. Kupferstichkabinett - Staatliche Museen zu Berlin, Berlin 2019, S. 40.

Letzte Aktualisierung: 17.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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