Logo

Fünf Figuren

Ident. Nr.: B UHP 11/13

ObjID: obj:2458035

Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin 2010
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Hans Bellmer (1902 - 1975),
Künstler*in
Datierung
1937
Weitere Titel
Sammlungstitel: Fünf Figuren
Übersetzung: Five Figures
Fünf Figurengruppen
Provenienz
Erwerbungsart ungeklärt: Georges Hugnet,
ohne Datum
Kauf (?): Ulla und Heiner Pietzsch,
vermutlich 1976-2010
Abmessungen
Höhe x Breite: 20,4 x 17,2 cm
Erwerbung
2010 Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin

Objektbeschreibung

Was auf den ersten Blick als fünf unabhängig voneinander hingeworfene Entwurfsskizzen wirkt, erweist sich bei näherem Hinschauen als eine räumlich präzise Situation: Im Vorder- und im Hintergrund sind die Grenzen eines Zimmers angedeutet, und die darin befindlichen Figuren sind perspektivisch gestaffelt. Die gestalterische Grundlage dieser sonderbaren Wesen bildeten eine 1935 von Bellmer entworfene Puppe und seine von ihr gemachten Fotografien (vgl. „Die Puppe“, NG-FCFC 177/14, sowie die Skulptur „Die Puppe“, Nationalgalerie, Schenkung Pietzsch). Ein Kugelgelenk im Bauch ermöglichte es, die Puppe mit mehreren Beinen auszustatten, ähnlich wie es im linken unteren Bereich dieser Zeichnung zu erkennen ist. Für seine Zeichnungen wählte Bellmer gern hellrosafarbenes Papier – eine Farbe, deren spezifisch weibliche Konnotationen sich erst in den 1930er- und 1940er-Jahren durchzusetzen begannen. Die sonderbar mehrgliedrigen Figuren, die Bellmer im Raum verteilt hat, gehen unabhängig voneinander jeweils eigenen Tätigkeiten nach. Als solipsistische Wesen, ausgestattet mit kindlichem Spielzeug wie Ball oder Reifen und erotisch aufgeladenen Attributen wie Stiefeletten und Höschen, machen sie die verwirrten Betrachter:innen zu unfreiwilligen Voyeur:innen dieser Szenerie. | Kyllikki Zacharias

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz