Logo

How about a Couple of Sailors

Ident. Nr.: B UHP 77/13

ObjID: obj:2458070

Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin 2010
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Rebecca Horn (1944 - 2024),
Künstler*in
Datierung
1990
Provenienz
Galerie Frank und Schulte, Berlin,
1992
Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch, Berlin,
17.12.2010
Material / Technik
Telefon und Elektromotor
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 40,6 x 37,3 x 14 cm
Erwerbung
2010 Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin

Objektbeschreibung

Ende der 1960er-Jahre entwickelte Horn zunächst Objekte wie Flügel, Masken oder Hörner, die sie wie Prothesen einsetzte, um damit den eigenen Körper und den umgebenden Raum intensiver zu erfahren. Diese maßgeschneiderten Körpererweiterungen erzwangen eine Anpassung der Motorik und dienten der Fokussierung auf einen bestimmten Bewegungsablauf. Sie wurden in filmisch dokumentierten Performances vorgeführt. Ende der 1970er-Jahre begann Horn, mit mechanisch bewegten Skulpturen zu arbeiten, deren beseeltes Eigenleben sie inszenierte. Ihre kinetischen Objekte haben oftmals sexuelle Konnotationen und kreisen vielfach um das menschliche Begehren. So lässt sich das in der Neuen Nationalgalerie befindliche Werk „How about a Couple of Sailors“ als Visualisierung von Annäherung und Abwendung interpretieren, indem ein von einem Elektromotor angetriebener Telefonhörer in gleichmäßiger Bewegung in den Gabelumschalter einrastet und sich wieder abhebt. Horns lustbesetzte Maschinen sind auch ein ironischer Kommentar auf den von Marcel Duchamp als „Junggesellenmaschine“ bezeichneten unteren Teil seines Werkes „Das große Glas“ (1915–1923), in dem Junggesellen durch ihr Begehren nach der Braut eine Walze in Gang setzen (Philadelphia Museum of Art). Horn erweitert diesen maskulin besetzten kunsthistorischen Kontext um die Anspielung auf ein entschieden feminines Verlangen. | Irina Hiebert Grun

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz