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Stammbuchblatt des Wilhelm von Lidlau für Melchior Winckler mit der Darstellung einer jungen Kavaliers in Wams, Capa und Mühlsteinkragen

Ident. Nr.: Lipp Hdz 3

ObjID: obj:2558479

Details (Expert)

Beteiligte
Melchior Winckler (1575–1632),
Auftraggeber*in
Wilhelm von Lidlau ( –1642),
Verfasser*in
Datierung
Herstellung: 05.05.1591
Geografische Bezüge
Görlitz,
Stadt
Abmessungen
Höhe x Breite: 16,9 x 10,1 cm

Objektbeschreibung

Stammbuchblatt des Wilhelm von Lidlau
Beschriftungen 
Cicero. Virtus est altissimis defixa radicibus, quæ nunquam ulla ui labefactari potest, nunquam dimoueri loco.
Eigentlich: „virtus est una altissimis defixa radicibus; quae numquam vi ulla labefactari potest, numquam demoveri loco“ (Zitat aus: Marcus Tullius Cicero, orat. Philippicae IV, 11-13). 
Cicero. Nur die Tugend steht fest und wurzelt tief, keine Gewalt kann sie erschüttern oder gar aus ihrer Stellung treiben.

Ingenuo et optimæ spei adolescenti Melchiori Wincklero amicitiæ causâ 5 Maij Anno 1∙5∙91. Gorlicij scribebat Wilhelmus à Lidlau. 
Dem edlen und hoffnungsvollen Jüngling Melchior Winckler schrieb Wilhelm von Lidlau anlässlich der Freundschaft am 5. Mai im Jahre 1591 in Görlitz.

Anmerkung: Zusätzlich zur vorderseitigen Beschriftung finden sich verso eine in Bautzen vorgenommene Eintragung in Latein sowie die Widmung des David Villicus aus Hannover aus dem Jahr 1592. Diese finden jedoch aufgrund des Nichtseins einer Kostümfigur im Rahmen dieser Arbeit keine nähere Berücksichtigung.

Dargestellte Kleidung
Die fein ausgearbeitete Darstellung zeigt eine selbstsicher lächelnde, männliche Figur in stolzer Körperhaltung, deren kurzes blondes Haar voluminös frisiert ist. Sie trägt eine einlagige, eng in Falten gelegte weiße Halskrause. Der weich fallendende, modisch grünblaue Mantel in Knielänge  und mit kurzem Stehkragen ist locker über die rechte Schulter der Figur drapiert. Die innenliegenden Vorderkanten sowie die Innenseite des Stehkragens sind mit einer breiten Borte verziert, die auf weißem Grund paarweise angeordnete, diagonal verlaufende schwarze Ziernähte zeigt. Das körpernahe, rote Wams mit kleinen Schulterwülsten ist mit horizontal verlaufenden schwarzen Streifen oder Ziernähten versehen. Es läuft in der vorderen Mitte in markanter Form eines ausgepolsterten Gänsbauches spitz zusammen und ist in der Mitte der Brust von einer schwarzen Knopfreihe geziert. Zusätzlich schmückt ein diagonal über dem Wams getragener weiß-roter Leibgürtel die Figur. Die weiten, gelb gestreiften Ärmel laufen zum Handgelenk schmal zu und münden in weißen Ziermanschetten, den sogenannten Überschläglein.  Die schwarze Kniehose ist an den Körperseiten rahmend geschlitzt, bestickt oder mit einer Seidenborte versehen. Dazu trägt die Figur halblange, gelbe Strümpfe sowie spitz zulaufende, absatzlose, geschlitzte schwarze Schuhe mit hohem Vorderblatt. Während die Figur in der rechten Hand einen hohen, schwarzen Hut ohne Krempe mit einem breiten, rotgemusterten Zierstreifen hält, weist sie mit dem linken Zeigefinger auf die eigene Brust, an welcher Stelle das zerrissene Wams ein rotes Herz offenbart. Mit einem goldenen Band an der Hüfte befestigt trägt die Figur einen langen Degen mit goldenem Griff. Blass gelbgrüne Vegetation und rote Blüten zu den Füßen der Figur deuten einen Hintergrund beziehungsweise eine räumliche Dimension an. Durch eine horizontale rote Linie sind Bild sowie Textfeld der Widmung auf der Blattebene voneinander getrennt.

Zur Person Wilhelm von Lidlau
Wilhelm von Lidlau wurde als eines von 14 Kindern des Paul von Lidlau, Kammerrat der böhmischen Krone, und der Barbara zu Königshain, Tochter des Joachim Frentzel auf Königshain, geboren.  Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1594  erbten die Söhne Wilhelm und Bohuslaw ab 1597 die Ortschaft Schönberg (heute Sulików) sowie Ober- und Niederhalbendorf, die Söhne Joachim und Daniel übernahmen dagegen Königshain und Kunnersdorf. 1601 trat Bohuslaw seine Anteile an Wilhelm über, sodass dieser Alleinbesitzer der Güter wurde. Zudem kaufte Wilhelm 1613 auch das südlich von Schönberg liegende Oberrudelsdorf von seinem Bruder Bohuslaw. Noch im gleichen Jahr verkaufte Wilhelm Oberrudelsdorf wie Oberhalbendorf.  In den Folgejahren geriet Wilhelm in Vermögensverfall, sodass er Schönberg und Niederhalbendorf zunächst ab 1617 verpfändete, bevor er die Güter 1636 gänzlich verkaufte. Wilhelm von Lidlau verstarb am 15. Februar 1642 in Königshain. Er war mit Anna Maria von Luttitz vermählt, die 1619 im Alter von 26 Jahren starb. Aus dem Verbund gingen die Söhne Paul Friedrich und Wilhelm Friedrich hervor, wobei letzterer 1636 in Königshain im Alter von 23 Jahren verstarb. 

Text: L. Pritzkow

Letzte Aktualisierung: 06.08.2026

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