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Stammbuchblatt des Jacob Behrnauer aus Mähren für Melchior Winckler mit der Darstellung einer jungen Frau aus Leipzig (?)

Ident. Nr.: Lipp Hdz 6

ObjID: obj:2558508

Details (Expert)

Beteiligte
Melchior Winckler (1575–1632),
Auftraggeber*in
Herstellung: Jacob Behrnauer (um 1575–1634),
Verfasser*in
Datierung
Herstellung: 02.04.1592
Geografische Bezüge
Material / Technik
Wasserfarbe, Gold auf Papier
Abmessungen
Höhe x Breite: 16,4 x 10,3 cm

Objektbeschreibung

Stammbuchblatt des Jacob Behrnauer 
Beschriftungen 
Felices illi, qui non simulacra, sed ipsas Spectant, et coram corpora vera vident.
Glücklich sind jene, die nicht Trugbilder, sondern die Dinge selbst sehen und das wahrhafte Wesen wahrnehmen.

Lipsiæ IVto Non∙Aprilis ∞ IↃ VIIIC ∙ Iacobus Behrnaver Moravus.
Leipzig 2. April 1592 ∙ Jacob Behrnauer aus Mähren.

Dargestellte Kleidung
Die detaillierte Darstellung bildet eine junge, weibliche Kostümfigur mit freundlichem Lächeln und rundem Gesicht ab. Die hohe Stirn der Figur, wie sie etwa von Francesco Petrarca  oder Agnolo Firenzuola  zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert als Schönheitsideal für junge Frauen beschrieben wird, wird durch den mit roten Kugel-Applikationen besteckten goldenen Kopfputz beziehungsweise das goldene Haarband betont. In der Nachfolge des mittelalterlichen Schapel kennzeichnet das Haarband das Mädchen im Kindesalter sowie die junge, unverheiratete Frau.  Seitlich lässt die Kopfbedeckung die eng an den Schläfen anliegenden braunen Haare der Figur sichtbar werden. Um den Hals trägt die Figur eine in tiefe Falten drapierte, einlagige, weiße Halskrause. Der zweiteilige Rock ist von lebhafter Farbigkeit. Das hochgeschlossene, taillierte, als Brüstlein bezeichnete Oberteil aus rotem Stoff ist an der Schulterwulst und an der Taille golddurchwirkt. Die weiten, möglicherweise seidenen Ärmel von silberner bis ultraviolett changierender Farbe sind mit paarweise angeordneten, goldenen Fäden durchwirkt und laufen zum Handgelenk schmal zusammen, an welchem sie mit schwarz gefransten Überschläglein enden. Die ungleiche Farbigkeit der Rockteile deutet auf die im 16. Jahrhundert typischen abnehmbaren Ärmel, bei denen die Ärmel mit Bändern und Schnürlöchern oder Haken und Ösen am Wams oder Rock eingenestelt wurden.  Der weich fallende Stoff des konisch geformten Unterrockes ist von leuchtend orangener Farbe. Der Rock ist im Saumbereich mit doppelreihig umlaufenden Goldschnüren verziert, die im vorderen Mittelstück senkrecht nach oben verlaufen. Die Figur ist reich mit Goldschmuck ausgestattet. In drei Längen trägt die Figur eine feine sowie zwei grobgliedrige goldene Ketten um den Hals. Die Zeigefinger beider Hände schmücken goldene Ringe sowie ein goldenes Armband das linke Handgelenk. Um die Taille liegt ein auffälliger, langer, seitlich geschlossener Hängegürtel aus goldenen Metallgliedern, den die Figur mit der linken Hand anhebt. Den rechten Arm vor dem Körper angewinkelt, führt die Figur ein weißes Tuch in der rechten Hand mit sich. Zu den Füßen der Figur ist ein Hintergrund durch blass grünblaue wie grünbraune Vegetation angedeutet. Die Pflanzen und deren Wurzeln sind teils mit goldfarbenen Lichtpunkten versehen.

Dokumentation der Kostümfigur
Die Kostümfigur ist dokumentiert in: Heyden, August von (1883): Frau aus Leipzig. 1592. In: August von Heyden (Hg.): Blätter für Kostümkunde. Historische und Volks-Trachten. Textband. 4 Bände. Berlin: Franz Lipperheide (3), S. 149–150.

Zur Person Jacob Behrnauer 
Der aus Mähren stammende Arzt Jacob Behrnauer wurde um 1570/1580 geboren. Er promovierte 1602 an der Universität Basel und ehelichte um 1605 Christina Peucker († 1620), Tochter des Arztes Caspar Peucker d. J. und Melchior Wincklers Cousine zweiten Grades.  Aus der Ehe gingen die Kinder Caspar (* und † 1606), Anna (* 1610), Georg (1618–1676), der das Amt des Pfarrers in Berzdorf auf dem Eigen  bekleidete, und Adam († 1623) hervor. Zwischen 1615 und 1618 betätigte sich Jacob Behrnauer als Professor am evangelischen Gymnasium in Beuthen (Niederschlesien). In der Folgezeit wirkte Behrnauer als Landstände-Physikus in Bautzen, ab 1627 mit unbekannter Berufsbezeichnung zeitweilig in Bunzlau (Schlesien).  Für seinen Onkel Jacob Behrnauer (1501–1553) und seine früh verstorbenen Söhne errichtete er 1631 das Behrnauer-Epitaph an der Liebfrauenkirche Bautzen. Jacob Behrnauer verstarb im September 1634 in Bautzen. 

Text: L. Pritzkow

Letzte Aktualisierung: 06.08.2026

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