Ohne Titel
Ident. Nr.: LB 18-1988
ObjID: obj:2569554
Erworben im Rahmen der Künstler*innenförderung aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin von der Kulturverwaltung des Berliner Senats
Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- Herstellung: 1980
- Material / Technik
- Acryl und Fettkreide auf Fotopapier (?)
- Abmessungen
- Blattmaß: 137,0 x 282,0 cm (gerahmt)
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/2569554
Objektbeschreibung
Die großformatige Acrylfarbenmalerei von Bruce McLean läßt zunächst eine erzählende Anordnung der handelnden Figuren und Gegenstände vermuten. Auf einem bewegten blauen Grund, der eine Wasseroberfläche assoziiert, sind neben pflanzlichen Gebilden menschliche Figuren und drei überdimensionierte Krawatten zu erkennen. Die in der Mitte verlaufende Zickzacklinie, die die Figuren miteinander verbindet, beschreibt offenbar einen Bewegungsablauf. Erst die Nähe zu den Performances von Bruce McLean erschließt den inhaltlichen Hintergrund der Arbeit, der sich auf die inszenatorischen Abläufe der Aktion, als ›choreographische Markierung‹ bezieht. Die durchgearbeiteten Malereien auf Papier sind aber weit mehr als Partituren der Performances.
Bruce McLean hat sich zu seiner Arbeit folgendermaßen geäußert: »Diese Zeichnung bezieht sich auf eine Performance, die ich aufgeführt habe mit dem Titel: ›Possibly a nude by a coal bunker‹. Sie ist Bestandteil einer ersten Reihe von Zeichnungen, die ich für die Performance angefertigt habe. Diese Performance sollte zuerst den Titel ›Two Ties‹ tragen.
Die Idee der Zeichnung ist folgende: Es gibt in England verschiedene Krawatten-Situationen: z.B. Clubkrawatten – alle möglichen Arten von Krawatten. Aber es ist auch ein Wortspiel: ›Ties‹ bedeutet ja auch, daß man in einer Situation gefangen sein kann. Der Sinn der Performance war es, diese zwei Inhalte zu verdeutlichen. Das Bild ist in zwei Teile aufgeteilt: Eine Zickzack-Linie teilt das Bild – der Performance-Künstler läuft hin und her: Zwei verschiedene Versionen einer im Grunde gleichen Verhaltensweise. Sie sind auch im weitesten Sinne mit dem Klassensystem in diesem Land verwandt – auch Clubsystem. Dies ist nur ein Aspekt der Arbeit. Es war aber auch ein ironischer Kommentar zur Situation des Festgehaltenseins und Gebundenseins an einen speziellen Ort. Es könnte ein bestimmte Gruppe von Menschen sein, gebunden an z.B. eine Galerie – oder sonstige Interessengruppen.« (unveröffentliches Tonbandgespräch Clemens Fahnemann mit Bruce McLean, Galerie Fahnemann, Berlin).
Text: Eugen Blume in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 506f., Kat. VIII.72
Letzte Aktualisierung: 30.07.2026
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