Logo

Deckelkrug (Schnelle) mit Halbfiguren: Feldherr, Mars, Minerva

Ident. Nr.: 1892,98

ObjID: obj:2572415

Details (Expert)

Datierung
Ausführung: 1577
Geografische Bezüge
Entstehungsort: Siegburg
Material / Technik
Steinzeug, salzglasiert, Zinn
Abmessungen
Höhe: 20,5 cm

Objektbeschreibung

Die sog. Schnelle, ein hoher, schlanker, zylindrischer Krug mit C-förmigem Henkel und montiertem Zinndeckel, ist eine für die rheinischen Steinzeuge typische Krugform. Der helle, graue Steinzeugscherben ist nur mit einer Salzglasur versehen und wirkt durch den feinen Reliefdekor. Drei Reliefstreifen sind mit einem je achteckigen Mittelstück verziert, darin links Minerva, in der Mitte ein Feldherr und rechts Mars - also Motive mit Kriegsbezug. Außerdem je ein oberes und ein unteres Feld mit Figuren und Blattwerk. Der Zinndeckel ist wohl eine spätere Hinzufügung. Die Schnelle ist in dem mittleren Achteckfeld mit der Jahreszahl "1577" datiert. // ClKa

Letzte Aktualisierung: 13.03.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa