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Große Doppelkürbisvase mit figürlichen Chinoiserien und Gartenlandschaft (aus einem dreiteiligen Vasensatz)

Ident. Nr.: W-1963,9

ObjID: obj:2574075

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Fayencemanufaktur Gerhard Wolbeer, Berlin (1697 - 1764),
Hersteller*in
Datierung
um 1710
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe: 57,6 cm

Objektbeschreibung

Die Vase gehört zu einem Vasensatz derselben Provenienz, bestehend aus einer zweiten Doppelkürbisvase (Inv. Nr. W-1963,10) und einer Deckelvase (Inv. Nr. W-1963,11). Solche Vasensätze wurde in aristokratischen und reichen bürgerlichen Haushalten des Barock gerne als Kamin- oder Schrankaufsätze verwendet. In der Stiftung Stadtmuseum Berlin existiert eine weitere, vergleichbare Deckelvase.
Eine detaillierte Beschreibung und Charakterisierung hat Christiane Keisch im Berliner Katalog von 2001 vorgenommen: "Die Doppelkürbisform mit gedrückt kugeligem Unterteil und flaschenförmig ausgewölbtem Hals auf schmalem Stellrand. Um die Wandung des Bauches die chinesischen Figurenszenen Wolbeers [...]: von rechts nach links 1. ein Schirmträgerpaar mit reich gewandeter Figur nach links schreitend, dahinter Diener in weißen Hosen mit Schirm, 2. eine Landschaftsszenerie aus Wolkenwand, Blütenstrauch mit Lochfelsen über Wasserfall, 3. eine Dreiergruppe vor einem Blütenbusch am Boden sitzend, 4. die Hauptszene mit Tänzerin, Kithara-Spielerin und Trommlerin in einer Art hohem Pavillon, zwischen ornamentierten Säulen, Vorhängen und unter hängenden Architekturteilen, 5. ein herabeilender Jüngling mit langen Ärmeln vermittelt zu 6. einer zweiten Schirmträgergruppe, mit fiederblatthaltender Dame und Diener mit Schirm, 6. eine abgewandte Teeanbieterin daneben, 7. eine im Stuhl sitzende Dame und stehende Dienerin mit Fächer. Die Malerei beider Vasen ist identisch [...]. Auf der Halswölbung zwei Blütengestecke und Vogel: 1. eines aus zwei gerüschten Päonien, gesprenkelter Feuerlilie und breiter Lotosblüte, mit Halm, an dessen Spitze eine Schnecke kriecht. 2. ein ähnliches Blütenbukett auf dessen Halmspitze anstatt der Schnecke ein Vogel sitzt. Unter der Mündung und auf der Schulter eine breite Borte dichter Spiralranken, darin dünne umlaufende Wellenlinie mit Blütenköpfen und Dreieckzwickeln."

Die Berliner Fayencekunst steht ganz in delftisch-chinesischer Tradition. Dies erklärt sich dadurch, erklären sich dadurch, dass die ersten Fayenceunternehmer und –künstler von Holland nach Preußen gekommen waren: 1687 Pieter Fransen van der Lee, 1690 Gerhard Molin, dessen Frau Anna Molin, geb. Ruppert. Nach Molins Tod heiratete Anna Molin im Jahr 1697 den kurfürstlichen Lakaien Gerhard Wolbeer, mit dem zusammen sie die Manufaktur weiterführte. Auch Cornelius Funcke, der in der Molin’schen Manufaktur als Dreher begonnen hatte und 1699 die zweite erfolgreiche Berliner Fayencemanufaktur gründen sollte, war Holländer.

Keine Marke.

Lit.: Kat. Berlin 1976, Fayencen, Kat. Nr. 50; Kat. Berlin 1985/89: Kunstgewerbemuseum Berlin. Bildführer. Kunsthandwerk vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Kat. Nr. 191; Kat. Berlin 2001: "Herrliche Künste und Manufacturen", Kat. Nr. 22

ClKa

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Fußgestell, Zinnenring (an der Schale) und Figuren gegossen. Fußgestell außen, Schilde, Schalenrand, Fond, Kranz, Sockelmitte mit Zaun und Hirsch vergoldet, der Hügel mit Resten grünen, transluziden Emails. Tragefiguren durch einen Zinnenring verbunden, der an eine Manschette gelötet ist. Auf dieser sitzt die Schale, gehalten von einem Zungenkranz. - Eine Frucht im aufgelegten Blattkranz der Schale und Geweih des Hirsches verloren.Das Gerät lehnt sich im Aufbau an die Evangelisten- und die Kirchenväterschale (Inv. Nr. 1874, 394 und 1874, 393) an. Die tragenden Schildhalter sind nach einem Modell gegossen. Im Fond der tiefen Schale getriebenes Geäst mit Blättern und Früchten (Feigen?). Im Zentrum ein Hügel mit liegendem Hirsch, umgeben von einem Flechtzaun mit überdachtem Tor und Vorhängeschloß. Aufgelegt ein Kranz aus Blättern und Früchten und vier Wappen.Eines der Wappen dürfte das des Besitzers sein, des Ratsherren Johannes junior von dem Lohe, der 1468 Sülfmeister und 1480 Kämmerer wurde (gest. 1482). Das zweite Wappen von dem Lohe verweist im Verein mit dem der Godenstede auf die Eltern, Johannes von dem Lohe (gest. 1471) und dessen erste Frau Gesche von Godenstede, das vierte Wappen ist das der Großmutter mütterlicherseits Tibbecke von Töbing, die seit 1466 Witwe war. Wie die Kämmereirechnungen verzeichnen, kam die Schale 1482 aus dem Nachlaß des Johannes von dem Lohe auf das Rathaus: "Hr. Johan vam lo 129m 9s hyrto noch syne beste suluere schale de quam vpp dat Radthus vnd wogh." Kurz wird sie im Inventar von 1555/56 erwähnt: "Ein grote sulueren schale her Johan van Loess."