Ident. Nr.: VII f 5
ObjID: obj:257967
Details (Expert)
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Objektbeschreibung
Das vorliegende Exemplar Der hier vorliegende Typus des Lamellophons mit kastenförmigem Resonator kommt konzentriert im Südwesten von Tanzania vor, zum Beispiel bei den -Bena, -Pangwa, -Kisi, überwiegend im Raum von Mbeya, Njombe, Tukuyu etc. Die organologischen Merkmale dieses Lamellophontypus und seine Spieltechnik lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Es ist ein relativ kleines Instrument (vorliegendes Exemplar hat die Maße 22 x 11 x 4 cm) und wird vielfach im Gehen gespielt; es ist eines der auf Reisen verwendeten tragbaren Lamellophone.
- Es hat einen kastenförmigen Resonator.
- Die nicht sehr breiten (in der Regel ca. 3 mm) Lamellen stammen von Regenschirmrippen einer alten Type von Regenschirm. Dabei werden die durchlöcherten Enden dieser Regenschirmrippen als Spielenden benützt.
- Der Steg (aus demselben Material) hat eine längliche S-Form, also er ist so aufgelegt, daß der linke Arm des S vom Spieler aus gesehen, nach oben weist.
- Der Druckbalken ist aus dickem Draht und mit dünnem Draht an die Klangtafel angebunden.
- Die Klangtafel ist auf den Resonator genagelt.
- Die „Nackenstütze" für die Lamellen besteht aus einem etwa 1-1,3 cm breiten, 6-8 cm langen und 0,2-0,4 cm hohen Holzbrettchen.
- Nicht selten ragt die Klangtafel geringfügig über die Länge des Resonanzkastens oben hinaus oder ist dort zu einem Vorsprung in der Mitte gestaltet, durch den seitlich zwei Löcher gebohrt werden, um die Tragschnur aufzunehmen.
- Eine Eisenkette, die links und rechts an zwei Stellen des Druckbalken befestigt ist oder auch an Nägeln hängt, die man direkt in die Resonanztafel stößt, liegt beim Spiel quer über die Eisenlamellen zwischen Steg und Druckbalken und erzeugt durch symphatische Schwingung einen Rasseleffekt. Der Musiker kann das Timbre dieser „automatischen" Rasselbegleitung einstellen, je nachdem, wie er die Eisenkette legt.
- Das Instrument wird grundsätzlich nur mit den Daumen gespielt.
- Die Anzahl der Eisenlamellen ist bei den Südwest-Tanzania-Instrumenten in der Regel acht.
- Eine für die Ästhetik der dortigen Musik und die Spieltechnik besonders wichtige Einrichtung ist das Vibratoloch auf der Rückenwand des Resonators. Gerade in Südwest-Tanzania sind die Instrumente dieses, meist malimba genannten Lamellophons so gebaut, daß ein besonders eindringlicher Wow- und Vibra-to-Effekt entsteht, wenn man dieses in der Mitte des Resonator-Rückens befindliche Vibratoloch in rascher Folge abdeckt und öffnet. Die Musik beim Lamellophonspiel im Südwesten Tanzanias impliziert auch eine sehr reichhaltige, auf diese Weise erzeugte Tim-bre-Melodik. Ein Gegen-Resonanzloch findet sich auf der dem Musiker beim Spiel zugewandten Schmalseite des Lamellophons.
Dem Typus nach steht das Exemplar in der Tradition Südwest-Tanzanias, jedoch mit einem bemerkenswerten, abweichenden Detail. Es hat in der unteren Hälfte der Klangtafel, Mitte, ein weiteres rundes, im Durchmesser 8 mm großes Loch eingebohrt.
aus: Gerhard Kubik: Kalimba, Nsansi, Mbira - Lamellophone in Afrika. Berlin 1998, S. 205-206.
Letzte Aktualisierung: 16.03.2026
Kontakt
Einrichtung:
Ethnologisches Museum
E-Mail:
em@smb.spk-berlin.de