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Dessertteller mit Grisaillemalerei: Kadmos und Harmonia (nach einem Stich von N. Le Mire/Ch. Eisen zu Ovids Metamorphosen), Modell „Englischglatt“

Ident. Nr.: 1912,90

ObjID: obj:2582272

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Königliche Porzellanmanufaktur Berlin (KPM) (gegründet 1763),
Hersteller*in
Datierung
um 1783
Geografische Bezüge
Abmessungen
Durchmesser: 24,8 cm

Objektbeschreibung

Das Dessertteller-Modell "Englischglatt" (Modellnummer 631) weist einen durchbrochenen Rand aus gotisierenden Spitzbögen mit Goldstaffierung auf. Das Servicemodell wurde zwischen 1776 und 1781 entwickelt. Wie die Modellbezeichnung nahelegt, folgte die Königliche Porzellanmanufaktur Berlin hierin den damals modernen, von England ausgehenden Stiltendenzen. So war in der Keramik die sog. Queensware (Steingut) von Josiah Wedgwood impuslgebend. In der Servicegestaltung der Berliner Manufaktur hatte noch lange der französisch geprägte Rokokostil vorgeherrscht, da der preußische König, Friedrich II. (reg. 1740-1786), diese Stilrichtung zeitlebens favorisierte. Der Dessertteller ist in der Mischung aus Antikenkult und Neogotik ein Beispiel für einen Geschmackswandel, der sich erst gegen Ende der Regierungszeit Friedrichs II. auch bei den Tafelservicen der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin durchzusetzen begann.

Der Spiegel weist ein rundes Medaillon mit dem Hauptmotiv auf: In Grisaillemalerei ist eine Szene nach Ovids Metamorphosen dargestellt: Kadmos, König von Theben, und seine Frau Harmonia, Tochter der Aphrodite, wie sie sich in Schlangen verwandeln. Die grafische Vorlage bildete ein Kupferstich von N. Le Mire nach Ch. Eisen zu Ovids Metamorphosen in einer Ausgabe, die in Paris 1767/71 erschienen ist. Der Kupferstich ist untertitelt mit: "Cadmus et Hermione se retirent dans l'Illyrie et sont métamorphosés en Serpens".
Umrahmt wird das runde Bildfeld von einem Goldrand, der von polychrom gemalten Blumen, Lorbeerlaub und einem Purpurband umwunden ist.

Marke: Auf der Unterseite in Unterglasurblau die Zeptermarke sowie Trockenstempel 13 und in Grau aufgemalt 13.

Lit.: Georg Lenz: Berliner Porzellan. Die Manufaktur Friedrichs des Großen 1763-1786, Berlin 1913, Bd. II, Taf. 153, Abb. 724; Erich Köllmann / Margarete Jarchow: Berliner Porzellan, München 1987, S. 155, Abb. Nr. 298

ClKa

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Gerippte Flötenvase mit figürlichen Chinoiserien

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Gegenstück zur Flötenvase Inv. Nr. M 1841: "Achteckige Form, gerippt, über dem breiten Wulst (als Nodus) kelchförmig ausschwingend. Fußzone leicht ausgestellt. Unter der Mündung, ausgespart aus blauem Grund ein weit herabhängendes Behangwerk in Lambrequinform. Auf dem Nodus ein Behangwerk aus gefältelten Palmetten auf blauem Grund mit girlandenförmig hängenden 'Petersilienblättern'. Auf der hohen Wandung die bekannten chinesischen Figurengruppen in freier Landschaft: 1. eine aus hoher Kanne eingießende weibliche Person und Diener mit Tablett oder Schale, 2. eine am Tisch sitzende Dame mit hinter ihr stehenden Dienerin, 3. eine Schirmträgergruppe ohne Schirm, 4. Landschaft mit Lochfelsen und Büschen. Die Malerei bereichert eine feine Binnen- und Umrißzeichnung in schwärzlichem Grün. Unter dem Wulst, auf der Fußzone, chinesische Figuren in Landschaftskulisse." (Kat. Berlin 2001, "Herrliche Künste und Manufacturen", Kat. Nr. 66)Eine im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts in der Berliner Fayencemanufaktur von Gerhard Wolbeer entwickelte Spezialität waren gerippte Gefäße. Wie Christiane Keisch im Berliner Katalog von 2001 ausführt, war die die komplizierte Technik von der Delfter Fayencekunst nach Berlin übernommen worden. In Delft wurden mit dieser Form jedoch nur sehr selten figürliche Chinoiserien verbunden, da sich durch die Rippung gerade bei den Figuren bisweilen bizarre Verformungen ergeben.Keine Marke.Lit.: Kat. Berlin 2001, "Herrliche Künste und Manufacturen, S. 54, Kat. Nr. 66 (C. Keisch)ClKa

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Kelch aus farblosem, etwas gelbstichigem Glas, schlierig, Abrissnarbe am Boden, angesetzter Massivbalusterschaft mit kleiner Luftblase, über einer Ringscheibe ist die trichterförmige Kuppa mit einem Kranz aus zwei versetzten, polierten Oliven verziert, der untere mit einem Rahmen aus mattierten Perlen, darüber ein Fries aus Vögeln und Blumen zwischen geblänkten Kugelungen, Mündungsrand verwärmt. Der Trichterpokal gehört zu einer Gruppe von formähnlichen Gläsern mit böhmisch anmutendem Dekor aus der Zeit vor 1700, die in der Literatur nach Brandenburg verortet wird (vgl. Poser, Berliner Becher, 2017; Fischer, Gläserne Pracht, 2011, Kat. 98, S. 83, Keisch/Netzer, Herrliche Künste und Manufacturen, 2001, Kat. 131, 133–136, 166–168; Rückert, Die Glassammlung, 1982, Bd. 2, Kat. 800–802, Taf. 245; Schmidt, Brandenburgischer Gläser, 1914, Taf. 4.2). Allein sechzehn Exemplare sind im Bestand der Stiftung Stadtmuseum Berlin vorhanden (publiziert im Themenportal "Brandenburgisches Glas" auf museum-digital.de). Nahezu identische Gläser wurden zeitgleich auch im Riesengebirge hergestellt (vgl. Wierzchucka/Kügler, Barockes Glas, 2016, Kat. 20, S. 46; Jentsch, Licht und Rausch, 2004, Abb. 27, S. 49; Brožová, Sklo v Praze, Ars Vitraria 9, 1989, S. 17). Eine zweifelsfreie Zuschreibung ist unmöglich. Karl-Heinz Poser hat für ihn den Begriff "Potsdamer Kelch" geprägt (Poser, Berliner Becher, 2017). Trifft die Potsdamer Herkunft zu, hat diese charakteristischen Trichterpokale wohl ein in Berlin ansässiger, böhmischer Glasschneider veredelt. Dass hingegen auch andere zeitgenössische Kreideglashütten in Brandenburg Glasschneider beschäftigten, ist dokumentiert. Ab 1654 bis in die 1670er Jahre waren in Marienwalde und Grimnitz drei Brüder Gampe aus Böhmen tätig. Die Standorte Pinnow bei Oranienburg und Zerpenschleuse bei Wandlitz haben der Potsdamer Hütte um 1690 Konkurrenz gemacht und könnten ebenso gut die Rohlinge zur Weiterveredlung beispielsweise nach Berlin geliefert haben (Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, S. 21, 35, 112). [Verena Wasmuth]MAKR

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Kelchglas mit Chronos und Fortuna

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Trichterförmiger Pokal bzw. Spitzkelch aus dickwandigem, farblosem Glas. Flache Fußscheibe, Fuß- und Schaftteil mit einem vertieften und polierten Rundbogenfries dekoriert, der im Wechsel mit stehenden Bogenfacetten einen schuppenähnlichen Effekt am Schaft bildet ("Muscheln"). Auf der Kuppawandung die tiefgeschnittene Darstellung des an einem Baum lagernden Chronos, die Personifikation der Zeit, als geflügelter, alter Mann mit Sichel, in der ausgestreckten Rechten eine Kugel, auf der Fortuna, die Personifikation des Schicksals bzw. Glücks, zu tanzen scheint und eine lange Fahne trägt. Darüber die Inschrift: Zeit und glück hat seine Tück. Den verwärmten Mündungsrand ziert ein geblänkter Kugelfries. Das Glas ist fortgeschritten krank. Der Form nach datiert der Pokal in die Zeit 1730 bis 1745, könnte demnach entweder noch aus der Potsdamer Glashütte stammen, die bis 1736 aktiv war, oder aber bereits aus der Nachfolgerin als brandenburgisch-preußische Hofglashütte in Zechlin, die 1737 die Arbeit aufnahm. Beide Hütten beschäftigten nacheinander dieselben Glasmachermeister und -veredler. Ein nahezu identisches Glas mit demselben Sujet und mit der Signatur von Elias Rosbach (tätig 1727–1765) und um 1735 datiert befand sich in der Sammlung Ernesto Wolf (Klesse/Mayr, Veredelte Gläser, 1987, Kat. 137). Dessen Schnittdekor weist eine noch detailreichere und feinere Qualität auf. Die allegorische Verbindung der Vergänglichkeit und des Glücks fand in der Kunst des Barockzeitalters europaweit Verbreitung. [Verena Wasmuth]MAKR

Pokal mit Grenadieren

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Pokal aus farblosem, leicht gelbstichigem Glas, Abriss am Boden, breiter, leicht ansteigender Fuß mit einem versenkten Spitzblattfries, der Balusterschaft über einem kleinen Nodus hat eine eingestochene Luftblase, darüber eine Trommelscheibe, diese sowie der Nodus sind mit einem Kranz aus mattierten Kugeln verziert. Der Baluster, wie auch der Ansatz der becherförmigen Kuppa wiederholt den Spitzblattfries vom Fuß. Die Kuppa ist dreiseitig mit je einer tiefgeschnittenen Grenadierfigur auf einem umlaufenden Landschaftssockel dekoriert, auf dem Kopf eine Grenadiermütze mit dem Monogramm "FR" (Fridericus Rex): Einer macht sich bereit, das geschulterte Gewehr zu laden, einer präsentiert das Gewehr und einer legt es zum Schuß an. Den verwärmten Mündungsrand ziert ein polierter Fries aus eng gesetzten, großen Kugelungen. Das Glas ist fortgeschritten krank. Mit dem Regierungsantritt König Friedrich Wilhelms I. (1688–1740) mehrten sich ab 1713 militärische Motive auf Potsdamer Gläsern. Die Darstellung ganzfiguriger Grenadiere in ähnlich freistehender Manier sind auf weiteren Beispielen dokumentiert, mitunter mit Ornamenten oder einer Inschrift (Götzmann/Kaiser, Gläserne Welten, 2017, Kat. 67–69, S. 134–136; Berckenhagen, Berliner und märkische Gläser, 1957, Abb. 12; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 20.2+3, 29.2). Aus derartigen Gläsern wurde sicherlich auf das Wohl des auch als "Soldatenkönig" bezeichneten brandenburgisch-preußischen Regenten getrunken. [Verena Wasmuth]MAKR

Mikrokleid aus Perlmutterknöpfen und Stahlösen

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„Untragbare Kleider“ präsentierte der 1934 in Spanien geborene Designer Paco Rabanne 1966 in seiner ersten Modenschau. Und in der Tat, seine kühnen Entwürfe aus Aluminium, Papier, Leuchtfasern, Plexiglas und Rhodoïd waren nicht zum Anziehen gedacht, sondern glichen Kunstobjekten, mit denen er die etablierten Vorstellungen von Kleidung hinterfragte. Seither wird sein Schaffen von diesen Überlegungen bestimmt, dienen seine Werke dazu, gängige Vorstellungen von Mode gegen den Strich zu bürsten. Immer wieder verstand es Rabanne, mit ungewöhnlichen Materialien zu arbeiten. So wählte er für das rückenfreie, extrem schwere und sehr körpernahe Mikrokleid mit erhöhter Taille Perlmutterknöpfe, die mit je vier Stahlösen in aufwendiger Handarbeit zu einem Flächenverbund aneinandergefügt wurden – eine Technik, die auch bei Schutzschürzen für Fleischer eingesetzt wird. Das Kleid ist im Rücken tief geschlitzt und wird am Taillenband mit Haken und Ösen geschlossen. Sein Bustier-Oberteil besteht aus zwei dreieckigen Büstenteilen mit schmalen Trägern. Die erhöhte Taille wird von einem breiten Band aus sechseckigen, miteinander verbundenen Stahlplättchen – „Squam“ – markiert. Ein schmaleres Band konturiert die Kanten und den Saum. Die 1970 noch als trivial angesehen und für Wäsche genutzten Perlmutterknöpfe verlieren im Verbund mit den glänzenden Stahlringen ihre simple Anmutung und verwandeln sich zu einer edlen Rüstung von geheimnisvollem Glanz – das passende Outfit für moderne Amazonen.Paco Rabanne studierte in Paris Architektur und entwarf zunächst Accessoires für Balenciaga, Givenchy und Dior. 1967 gründete er sein eigenes Haute-Couture-Haus. Er gehörte neben Cardin, Courrèges und Ungaro zur Avantgarde der 1960er Jahre. CW