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Teekanne "Georg-Paul" aus dem Tafelensemble "Bestiarium"

Ident. Nr.: 2017,14 a,b

ObjID: obj:2587008

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Maria Volokhova (geb. 1980),
Künstler*in
Datierung
2015
Geografische Bezüge
Entstehungsort: Berlin
Material / Technik
Porzellan, weiß glasiert
Abmessungen
Höhe: 13,5 cm (max.)
Breite: 31,5 cm (max.)

Objektbeschreibung

"Haben wir es mit einem Gebrauchsobjekt oder einem zweckfreien Kunstwerk zu tun? Diese Frage stellt sich bei der Betrachtung der biomorphen Teekanne aus dem Tafelensemble 'Bestiarium', das 2015 in einer Kooperation der Porzellankünstlerin Maria Volokhova (geb. 1980) mit dem Berliner Designbüro SHAPES iN PLAY entstand. Die Kanne hat einen flachen Korpus, an einen Schildkrötenpanzer erinnernden Korpus, der allerdings aus einzelnen Kugeln mit prismatisch gebrochenen Oberflächen besteht. Der Kannengriff mutet asiatisch an. Die Schnaupe ist eine Mischung aus Fisch- und Schildkrötenkopf. Den Untersatz bilden naturalistische Hühnerbeine. Nicht minder fantasievoll sind die weiteren Teile des Tafelensembles gestaltet: eine Fischplatte mit Hechtkopf, eine auf Hühnerfüßen stehende Tortenplatte mit Haube und Vogelkopf, eine kleine Vase in Fischkopfform sowie kugelige Schalen sowie Teller mit Digitaldruck-Dekoren. In mehrfacher Hinsicht kreist das künstlerische Konzept um den Begriff der Hybridität und bewegt sich dabei zwischen den Polen Funktionalität und Zweckfreiheit, Naturnähe und Fantasie, Kunsthandwerk und Design. In der Mischung aus analogen und digitalen Elementen ist auch der Herstellungsprozess hybrid. Ausgangspunkt der Arbeit bilden Naturabformungen aus Gips. Mittels Scans und einer speziellen Software entstanden daraus die Modelle, die am 3-D-Drucker in Polyamid ausgedruckt wurden. Von den solchermaßen digital generierten Modellen sind die Negativformen für den Porzellanguss abgenommen worden.
Nicht nur die technische Experimentierfreude, sondern auch die Reminiszenzen an historische Vorbilder – die Fantasiewesen von Hieronymus Bosch etwa oder auch die Schaugerichte der Barockzeit – und die Begeisterung für das Material Porzellan machen den Reiz dieses eigenwilligen Tafelensembles aus."
Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden, Berlin 2018, S. 242f.

ClKa

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa