Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1892
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- —
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 46,5 x 31,5 cmKartonformat: 53 x 39 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/2646422
Objektbeschreibung
Mit Feder und Papier in den Händen steht diese Frau für die Schreibkunst – passend für ein Plakat, das für Tinte wirbt. Auf eine Harfe gestützt, erscheint sie im weiteren Sinne als Personifikation der musischen Künste. Sie ist eindeutig mit der Natur verbunden: Ihre Haare nehmen die Formen der Wolken am Himmel auf, in den sie verträumt blickt. In der Sammlung der Kunstbibiothek existiert die italienische wie auch die französische Variante dieses Plakats von Grasset: Nur der Schriftzug im Textfeld wurde dabei verändert.
Diese Darstellungen wurden maßgeblich durch den Jugendstil geprägt. Mit der Abwendung vom industriellen Zeitalter fand gleichzeitig eine Hinwendung zur Natur statt – traditionell als weibliche Sphäre angesehen. Im Gegensatz dazu wurde die Kultur als männlich charakterisiert. Die Problematik der polarisierenden Aufteilung ergibt sich aus der Bewertung der Natur als sanft, schmückend und primitiv. Verklärte, stereotypisierende Bilder dieser Art schränkten den weiblichen Handlungsspielraum ein – schwer vorstellbar, dass die hier dargestellten Schönheiten ein Mitspracherecht fordern, einen Beruf ergreifen oder die eigene Meinung vertreten. Während die Frauen als Allegorien der Künste überhöht wurden, war ihre Lebensrealität das Gegenteil: Zur Kunstausbildung waren sie in der Regel nicht zugelassen.
Nach einem Architekturstudium bei Gottfried Semper in Zürich und der Tätigkeit in einem Architekturbüro wandte sich Eugène Samuel Grasset 1882 der Gebrauchsgrafik zu. Er illustrierte zunächst Bücher und französische sowie amerikanische Monatszeitschriften wie „Harper’s Magazine“ und „Harper’s Bazar“. Bekannt wurde er durch Produktwerbung, zum Beispiel für Fahrräder, Kaufhäuser oder Ausstellungen. Von ornamentaler Flora und mittelalterlichen Bildwelten inspiriert, prägten Grassets Motive in den 1890er-Jahren die Stilrichtung Art Nouveau in Frankreich maßgeblich mit. Charakteristisch für seine Plakatgestaltung sind klare Farbflächen, die von dunklen Umrisslinien eingefasst werden. Neben grafischen Arbeiten entwarf Grasset auch Möbel, Mosaike, Glasfenster und Tapeten, dazu verfasste er Fachbücher über die Theorie und Anwendung des Ornaments. Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3800 Originalplakate aus den Jahren 1840 bis 1914, davon 21 von Eugène Samuel Grasset.
(Text: Christina Thomson / Christina Dembny)
Letzte Aktualisierung: 04.05.2026
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Einrichtung:
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