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J.C. Boldoot Eau de Cologne Parfumerie Amsterdam

Ident. Nr.: 2665380

ObjID: obj:2665380

Details (Expert)

Beteiligte
Privat Livemont (1861 - 1936),
Entwerfer*in
L. van Leer & Co. NV (1869 -),
Drucker*in
Datierung
1899
Geografische Bezüge
Material / Technik
Abmessungen
Höhe x Breite: 72,4 x 37,3 cm

Objektbeschreibung

Die von Blumen umrankte Frau war auch in der Produktwerbung ein beliebtes Motiv. Der belgische Grafiker Henri Privat-Livemont stellte den Duft des Parfüms in Form einer Frau dar – ohne das Produkt selbst zu zeigen. An den Stil Alfons Muchas angelehnt, rahmen die Konturen die Figur ein und entrücken sie der Wirklichkeit. Die Figur ist sichtbar idealisiert und bedient eine Vorstellung von Frauen als Verkörperung von Zartheit und Empfindsamkeit. Die makellos Schöne war ein beliebter Frauentypus in der Plakatwerbung um 1900. Ihre Attraktivität stand bildhaft für die beworbenen Produkte und wurde, mit Symbolen und Attributen verknüpft, nicht selten zur Allegorie: Lilien, helle Haut und weiße Wäsche stehen für Reinheit, Blüten und ätherische Winde für Vergänglichkeit. Vor allem Abstrakteres, wie Kunst oder Literatur, fand in der Reklame oft Ausdruck in allegorischen Frauenfiguren, die etwa mit Harfe, Palette oder Schreibfeder die schönen Künste personifizierten. Diese Darstellungen wurden maßgeblich durch den Jugendstil geprägt. Mit der Abwendung vom industriellen Zeitalter fand gleichzeitig eine Hinwendung zur Natur statt – traditionell als weibliche Sphäre angesehen. Im Gegensatz dazu wurde die Kultur als männlich charakterisiert. Die Problematik der polarisierenden Aufteilung ergibt sich aus der Bewertung der Natur als sanft, schmückend und primitiv. Verklärte, stereotypisierende Bilder dieser Art schränkten den weiblichen Handlungsspielraum ein – schwer vorstellbar, dass die hier dargestellten Schönheiten ein Mitspracherecht fordern, einen Beruf ergreifen oder die eigene Meinung vertreten. Während die Frauen als Allegorien der Künste überhöht wurden, war ihre Lebensrealität das Gegenteil: Zur Kunstausbildung waren sie in der Regel nicht zugelassen.

Ein gefördertes Projekt ermöglichte 2021/22 erstmals die digitale Bestandsaufnahme aller Plakate und Plakatentwürfe aus den Jahren 1840 bis 1914 in der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin. In ihrer internationalen Vielfalt eröffnen die Plakate ein Panorama der visuellen Kommunikation: Sie illustrieren Design-, Reklame- und Druckgeschichte am Übergang von Historismus und Jugendstil zum Sachplakat, stellen zugleich aber auch wertvolle Dokumente der Zeit- und Kulturgeschichte dar.

Das Digitalisierungsprojekt wurde durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR ermöglicht. (Text: Christina Thomson / Christina Dembny)

Letzte Aktualisierung: 04.05.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstbibliothek

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