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Peruvian Cotton. Carders Wonalancet Company

Ident. Nr.: 1919,440/049

ObjID: obj:2671383

Details (Expert)

Beteiligte
Ludwig Hohlwein (1874 - 1949),
Entwerfer*in
Datierung
1912
Geografische Bezüge
Material / Technik
Lithographie
Abmessungen
Höhe x Breite: 74,1 x 55 cm

Objektbeschreibung

Ludwig Hohlweins 1912 entworfenes Motiv für die US-amerikanische Firma Wonalancet zeigt ein Landschaftsidyll in Peru. Ruhig steht ein Reiter in der weiten grünblauen Landschaft, seine Kleidung und sein Pferd weisen ihn als „Einheimischen“ aus. Das Plakat will vermitteln: In solch pastoraler Stimmung wird die gute Baumwolle für den Export in die USA produziert. Auf einer anderen Reklame für dieselbe Firma (nicht in der Sammlung der Kunstbibliothek) verspricht ein peruanischer Gutsherr, nur die erlesenste Baumwolle an Wonalancet zu liefern. 

Die Firma Wonalancet aus Nashua in New Hampshire, USA, wurde 1875 gegründet und bestand bis 1923. Sie importierte Baumwolle aus Peru wie auch aus China. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Pflanze in Europa industriell verarbeitet und aufgrund jenen der Sklaverei ähnlichen Zustände auf den Plantagen – zunächst in Indien, dann auch in anderen Ländern – für immer mehr Menschen in den westlichen Kulturen erschwinglich. Peru, das 1821 seine Unabhängigkeit von Spanien erklärt hatte, importierte versklavte Menschen aus Afrika und nach Abschaffung der Sklaverei insbesondere Arbeiter aus China (1847–1874) für die Knochenarbeit auf den Baumwollplantagen. Diese unterstanden einer berittenen Landeselite, die den Menschen vor Ort nach dem teilweisen Fortzug der europäischen Kolonisatoren ihre Ländereien und Ressourcen, beispielsweise Wasser, entzogen hatten, um sich mithilfe eines perfiden Ausbeutungssystems zu bereichern und sich an der Macht zu halten. Der angeblichen Ruhe und dem Frieden des Plakatmotivs stehen die Gewalt und Unterdrückung in der Baumwollproduktion gegenüber, die bis heute oft mit dem Raubbau an Natur und Mensch sowie mit Kinderarbeit einhergehen. 

Recherche und Text: Kristina Lowis 


//Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3800 Originalplakate der Jahre 1840–1914. Diese Werkgruppe wurde 2021 vollständig digitalisiert, ermöglicht durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR. Gleichzeitig wurde eine dekoloniale Inventur des Bestands durchgeführt, die im Forschungsprojekt „Koloniale Kontexte im Frühen Plakat, 1854-1914“ mündete (Träger: Staatliche Museen zu Berlin). Die Ergebnisse der Untersuchung von 240 Pla-katen wurden in drei Teilen online publiziert: Die vorliegende Datenbank wird ergänzt durch einen kontextualisierenden Aufsatz und eine virtuelle Ausstellung, jeweils auf Deutsch und Englisch.

_Aufsatz deutsch (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009513
_Essay English (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009516
_Ausstellung deutsch: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/koloniale-kontexte-plakate/
_Exhibition English: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/colonial-contexts-posters/

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

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Kunstbibliothek