Zoologischer Garten. Heute großes Militär-Konzert
Ident. Nr.: 2674476
ObjID: obj:2674476
Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1909
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- —
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 69,6 x 47 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/2674476
Objektbeschreibung
Der Berliner Zoologische Garten entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Hauptattraktionen der Stadt. Beim Publikum besonders beliebt waren die zahlreichen nicht-europäischen Tiere, die im Zuge der europäischen Kolonialexpansion Eingang in den Zoo gefunden hatten. Aber auch das reiche Unterhaltungs- und Restaurationsangebot zog Scharen von Besucher*innen an. Hierzu gehörten die seit 1870 im Zoo stattfindenden Militärkonzerte, für die Paul Neumanns Plakat von 1909 hier wirbt. Der Zoo lockte außerdem mit dem Angebot, ausgewählte Tiere zu reiten, zu streicheln oder tierischen Vorführungen beizuwohnen.
Als „wohl eine der berühmtesten Tierpersonen […], die je ein Zoologischer Garten beherbergt hat“ bezeichnete Zoodirektor Ludwig Heck eine „Schimpansendame“ namens Missie (Heck 1938, S. 232). Das Tier war vom Leiter der wissenschaftlichen Station in Jaunde (heute Yaoundé) in der deutschen Kolonie Kamerun vier Jahre lang aufgezogen worden. Dem Berliner Zoo wurde sie 1902 durch Wilhelm Langheld vermacht, ehemals stellvertretender Kommandeur der deutschen „Schutztruppe“ in Kamerun und Mitglied der sogenannten Wissmanntruppe, die für ihre gewaltvolle Eroberung der ostafrikanischen Küste bekannt ist. In Hecks Augen war die Schimpansin „das wirkungsvollste Tiergeschenk“ eines Kolonialbeamten, zumal sie sich als ein „wahre[s] Menschentier“ entpuppte (Heck 1938, S. 232). Zahlreiche Fotografien und Postkarten zeigen Missie Kaffee trinkend und Zigarette rauchend. Als dressierter Menschenaffe stand sie für die Zivilisierung des „Wilden“, zumal Tabak und Kaffee als Symbole für die Nutzbarmachung kolonialer Ressourcen gelesen werden können.
Das Motiv der rauchenden Missie könnte auch das um 1906 durch Julius Klinger entwickelte Werbemotiv für Palm-Zigarren inspiriert haben, das einen Plantagenarbeiter rauchend auf einer sich biegenden Palme zeigt (ID 926654 und 933794), wobei die Figur aufgrund ihrer seitlich abstehenden Ohren in einer rassenideologischen Angleichung auch als Äffchen gelesen werden kann.
Text und Recherche: K. Lee Chichester
Verwandte Werktexte:
_Besuchet den Tiergarten (ID 2713407)
Zitierte Literatur:
_Ludwig Heck: Heiter-ernste Lebensbeichte. Die Erinnerungen eines alten Tiergärtners. Berlin 1938
Ausgewählte Quellen:
_K. Lee Chichester, Priska Gisler u. Kunstmuseum Bern (Hg.): Koloniale Tiere? Tierbilder im Kontext des Kolonialismus, Berlin 2024
_Clemens Maier-Wolthausen: Hauptstadt der Tiere. Die Geschichte des ältesten deutschen Zoos, Berlin 2019
//Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3800 Originalplakate der Jahre 1840–1914. Diese Werkgruppe wurde 2021 vollständig digitalisiert, ermöglicht durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR. Gleichzeitig wurde eine dekoloniale Inventur des Bestands durchgeführt, die im Forschungsprojekt „Koloniale Kontexte im Frühen Plakat, 1854-1914“ mündete (Träger: Staatliche Museen zu Berlin). Die Ergebnisse der Untersuchung von 240 Plakaten wurden in drei Teilen online publiziert: Die vorliegende Datenbank wird ergänzt durch einen kontextualisierenden Aufsatz und eine virtuelle Ausstellung, jeweils auf Deutsch und Englisch.
_Aufsatz deutsch (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009513
_Essay English (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009516
_Ausstellung deutsch: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/koloniale-kontexte-plakate/
_Exhibition English: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/colonial-contexts-posters/
Als „wohl eine der berühmtesten Tierpersonen […], die je ein Zoologischer Garten beherbergt hat“ bezeichnete Zoodirektor Ludwig Heck eine „Schimpansendame“ namens Missie (Heck 1938, S. 232). Das Tier war vom Leiter der wissenschaftlichen Station in Jaunde (heute Yaoundé) in der deutschen Kolonie Kamerun vier Jahre lang aufgezogen worden. Dem Berliner Zoo wurde sie 1902 durch Wilhelm Langheld vermacht, ehemals stellvertretender Kommandeur der deutschen „Schutztruppe“ in Kamerun und Mitglied der sogenannten Wissmanntruppe, die für ihre gewaltvolle Eroberung der ostafrikanischen Küste bekannt ist. In Hecks Augen war die Schimpansin „das wirkungsvollste Tiergeschenk“ eines Kolonialbeamten, zumal sie sich als ein „wahre[s] Menschentier“ entpuppte (Heck 1938, S. 232). Zahlreiche Fotografien und Postkarten zeigen Missie Kaffee trinkend und Zigarette rauchend. Als dressierter Menschenaffe stand sie für die Zivilisierung des „Wilden“, zumal Tabak und Kaffee als Symbole für die Nutzbarmachung kolonialer Ressourcen gelesen werden können.
Das Motiv der rauchenden Missie könnte auch das um 1906 durch Julius Klinger entwickelte Werbemotiv für Palm-Zigarren inspiriert haben, das einen Plantagenarbeiter rauchend auf einer sich biegenden Palme zeigt (ID 926654 und 933794), wobei die Figur aufgrund ihrer seitlich abstehenden Ohren in einer rassenideologischen Angleichung auch als Äffchen gelesen werden kann.
Text und Recherche: K. Lee Chichester
Verwandte Werktexte:
_Besuchet den Tiergarten (ID 2713407)
Zitierte Literatur:
_Ludwig Heck: Heiter-ernste Lebensbeichte. Die Erinnerungen eines alten Tiergärtners. Berlin 1938
Ausgewählte Quellen:
_K. Lee Chichester, Priska Gisler u. Kunstmuseum Bern (Hg.): Koloniale Tiere? Tierbilder im Kontext des Kolonialismus, Berlin 2024
_Clemens Maier-Wolthausen: Hauptstadt der Tiere. Die Geschichte des ältesten deutschen Zoos, Berlin 2019
_Aufsatz deutsch (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009513
_Essay English (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009516
_Ausstellung deutsch: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/koloniale-kontexte-plakate/
_Exhibition English: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/colonial-contexts-posters/
Letzte Aktualisierung: 04.05.2026
Kontakt
Einrichtung:
Kunstbibliothek
E-Mail:
kb@smb.spk-berlin.de