Soennecken & Co. Depot photographischer Artikel
Ident. Nr.: 1901,516
ObjID: obj:2680400
Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1897
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- —
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 77,9 x 60,7 cm
- Erwerbung
- 1901 Schenkung des Künstlers
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/2680400
Objektbeschreibung
Um 1897 scheint es kein Widerspruch gewesen zu sein, dass ausgerechnet ein druckgrafisches Plakat für „photographische Artikel“ der Firma Soennecken & Co. in München werben sollte, zumal Richard Winckel (1870–1941), sein Gestalter, als Maler und Grafiker in Deutschland eine gewisse Bekanntheit erlangt hatte. Immerhin fällt auf, dass Winckel sein Sujet, ein auf einem Dromedar reitender Fotograf vor ägyptischen Pyramiden, besonders detailgetreu darstellt und sich so gewissermaßen an das Medium der Fotografie anzulehnen versucht, ohne selbst damit zu arbeiten. Es ist auch gut möglich, dass der Plakatkünstler sein Motiv anhand von fotografischen Vorlagen entwickelte.
Beim unbekannten Reiter auf dem Dromedar dürfte es sich – so ist aus dem robust und zugleich kostbar erscheinenden weißen Leinenanzug und dem in den Händen gehaltenen Fotoapparat zu schließen – um einen wohlsituierten Touristen aus Westeuropa handeln. Auch das Reittier ist reich geschmückt, mit Kopfschmuck und einen roten, vermutlich mit Goldverzierungen dekorierten Sattel, der seinen fotografierenden Reiter bequem und sicher durch die Wüste zu den Pyramiden von Gizeh trägt. Mit großer Selbstverständlichkeit scheint sich der Fotograf vom Kamel herab sein Umfeld aneignen zu können. Er richtet seine Kamera allerdings nicht auf die touristische Attraktion, sondern fokussiert die unbekannten Betrachtenden des Plakats. Die Bildperspektive spiegelt die niedere Position von Fußgänger*innen, die zu dem hoch oben Reitenden aufschauen müssen. Unter seinen Arm geklemmt hält der Tourist einen Stock, vielleicht ein Gewehr, vielleicht eine Peitsche, als würde er hier jemandem Beine machen wollen – ob dies das Kamel oder die künftige Käuferin der nächsten Soenneckschen Kamera sein soll, bleibt offen.
Im Frühling 2023 wurde das Kamelreiten in der Wüste vor Kairo durch das Tourismusministerium verboten – einer der Gründe soll das Leid der übermäßig beanspruchten und gleichzeitig vernachlässigten Tiere gewesen sein, die häufig Narben von Stockschlägen aufwiesen.
Text und Recherche: Priska Gisler
Verwandte Werktexte:
_Hirschberg Reise-Kleidung (ID 2711442)
_Norddeutscher Llyod Bremen (ID 1818987)
Ausgewählte Quellen:
_K. Lee Chichester, Priska Gisler u. Kunstmuseum Bern (Hg.): Koloniale Tiere? Tierbilder im Kontext des Kolonialismus, Berlin 2024
_Anna Seiderer, Alexander Schellow: „Animating Collapse. Reframing Colonial Film Archives“, in: Margareta von Oswald, Jonas Tinius (Hrsg.): Across Anthropology. Troubling Colonial Legacies, Museums and the Curatorial. Leuven: Leuven UP 2020, S. 187–209
//Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3800 Originalplakate der Jahre 1840–1914. Diese Werkgruppe wurde 2021 vollständig digitalisiert, ermöglicht durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR. Gleichzeitig wurde eine dekoloniale Inventur des Bestands durchgeführt, die im Forschungsprojekt „Koloniale Kontexte im Frühen Plakat, 1854-1914“ mündete (Träger: Staatliche Museen zu Berlin). Die Ergebnisse der Untersuchung von 240 Plakaten wurden in drei Teilen online publiziert: Die vorliegende Datenbank wird ergänzt durch einen kontextualisierenden Aufsatz und eine virtuelle Ausstellung, jeweils auf Deutsch und Englisch.
_Aufsatz deutsch (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009513
_Essay English (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009516
_Ausstellung deutsch: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/koloniale-kontexte-plakate/
_Exhibition English: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/colonial-contexts-posters/
Letzte Aktualisierung: 30.07.2026
Kontakt
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Kunstbibliothek
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