California Stephany. Die herrlichsten Früchte der Welt
Ident. Nr.: 2721504
ObjID: obj:2721504
Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1912
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- —
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 70 x 91,9 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/2721504
Objektbeschreibung
Die „herrlichsten Früchte der Welt“ bietet dieser Berliner Übersee-Importeur seiner Kundschaft an: in Kalifornien gepflückt, haltbar in Zuckersirup eingelegt und in Konservendosen nach Europa verschifft. In diesem Plakat sind es Pfirsiche oder Aprikosen, die lächelnd auf den Verzehr durch deutsche Leckermäuler warten. Ein Fruchtgesicht streckt sich aus der Büchse der Marke „Golden Gate“ empor, um ein Tablett mit Trauben, Birnen, Äpfeln und Pflaumen zu präsentieren. Doch wie passen die Obstsorten im Bild – allesamt Früchte, die auch in Deutschland wachsen – zum Claim des weltweiten Imports?
Obstkonserven waren in der industrialisierten Konsumgesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts sehr „en vogue“. Mit wachsender Kaufkraft stieg vor allem in der Mittelschicht das Verlangen nach allem, was „Exotik“ oder „Luxus“ versprach. Sich Importware leisten zu können, war nicht nur ein Statussymbol, sondern auch ein Akt der Teilhabe am großen kolonialen Weltmarktprojekt, das Wohlstand für „alle“ proklamierte. Kalifornien, imaginiert als ein sonniges Paradies in weiter Ferne, lieferte süßere und größere Früchte als heimische Obstplantagen. Durch die zuckrige Konservierung in Blechdosen waren sie das ganze Jahr über verfügbar, sodass auch im kalten deutschen Winter ein Hauch kalifornischer Sonne auf den Tisch gebracht werden konnte. Der romantisierte Dosenaufdruck verbildlicht diese Sehnsüchte: Im Sonnenuntergang steuert ein Segelschiff durch die Meeresenge „Golden Gate“ den Pazifik in Richtung Europa an. Von den modernen Umschlaghäfen und Dampfschiffen in der Bucht von San Francisco, den industriell bewirtschafteten Plantagen und Konservenfabriken, die Kalifornien zum erfolgreichsten Obstexporteur machten, sind keine Spuren sichtbar.
Der Name „Golden Gate“ („goldenes Tor“ – die berühmte Brücke gab es damals noch nicht) war erst Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden, als im Zuge des großen Goldrauschs Tausende über San Francisco ins Land strömten, um Gold und Glück zu finden – ohne die dort lebenden Menschen zu berücksichtigen oder respektieren. Als Sprachbild und Werbemotiv evoziert das „Meerestor zur Welt“ Expansion, Ferne und Fortschritt – Schlagworte, mit denen auch die Kolonialpropaganda der Zeit arbeitete.
Recherche und Text: Christina Thomson
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//Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3800 Originalplakate der Jahre 1840–1914. Diese Werkgruppe wurde 2021 vollständig digitalisiert, ermöglicht durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR. Gleichzeitig wurde eine dekoloniale Inventur des Bestands durchgeführt, die im Forschungsprojekt „Koloniale Kontexte im Frühen Plakat, 1854-1914“ mündete (Träger: Staatliche Museen zu Berlin). Die Ergebnisse der Untersuchung von 240 Pla-katen wurden in drei Teilen online publiziert: Die vorliegende Datenbank wird ergänzt durch einen kontextualisierenden Aufsatz und eine virtuelle Ausstellung, jeweils auf Deutsch und Englisch.
_Aufsatz deutsch (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009513
_Essay English (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009516
_Ausstellung deutsch: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/koloniale-kontexte-plakate/
_Exhibition English: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/colonial-contexts-posters/
Letzte Aktualisierung: 04.05.2026
Kontakt
Einrichtung:
Kunstbibliothek
E-Mail:
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