Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1912
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- —
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 68,2 x 45 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/2730437
Objektbeschreibung
Die „Südafrikanischen Straußfeder-Manufaktur“, die in diesem Plakat beworben wird, befand sich in Berlin. Ihr Angebot umfasste diverse Modeaccessoires, die sich in den 1910er-Jahren hoher Beliebtheit erfreuten: Reiher, Pleureusen, Boas. Hergestellt aus importierten Federn, schmückten sie die Hüte, Mäntel und Schultern europäischer Frauen. Straußenfedern konnten aufgrund ihrer elastischen Leichtigkeit, Fülle und ebenmäßigen Struktur ideal verarbeitet werden. Besonders die weißen Federn waren begehrt, da man sie – wie die Dame auf dem Werbeplakat mit leuchtend rotem Hutschmuck demonstriert (ein echter Hingucker!) – gut krausen und in allen Tönen einfärben konnte.
Die im 18. Jahrhundert verstärkt aufkommende Mode für Straußenfedern führte schon bald zu einer artenbedrohenden Minimierung der freilebenden Strauße in ihren afrikanischen Herkunftsländern. Daher ging man zu einer Züchtung der Tiere über: Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden erste große Straußenfarmen in Südafrika, etwa im holländisch besiedelten Oudtshoorn. 1914 gab es bereits 8000 solcher Farmen in Afrika. Die Federn waren ein wichtiges Exportgeschäft, das Züchter reich machte: Diese „Federbarone“ bauten sich prächtige Villen, sogenannte „Straußenpaläste“. Um 1900 nach Deutschland importierte Straußenfedern stammten oft aus der Kolonie Deutsch-Südwestafrika, wo auch Diamanten, Kupfererz, Blei, Wolle, Harze, Gerbstoffe, Hörner und Felle gewonnen wurden (vgl. Deutsches Koloniallexikon, 1920). Vermutlich machte sich die Bürgersdame, die 1910 in der Berliner Manufaktur ihre Boa kaufte, ebenso wenig Gedanken um die Produktionsrealitäten ihres Modestücks wie es die durchschnittliche Einkäuferin in einem Highstreet-Modeladen heute tut.
Text und Recherche: Christina Thomson
Zitierte Quellen:
_ Heinrich Schnee (Hg.): Deutsches Kolonial-Lexikon. Band 1–3, Leipzig 1920, hier: Bd. 3, S. 289
//Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3800 Originalplakate der Jahre 1840–1914. Diese Werkgruppe wurde 2021 vollständig digitalisiert, ermöglicht durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR. Gleichzeitig wurde eine dekoloniale Inventur des Bestands durchgeführt, die im Forschungsprojekt „Koloniale Kontexte im Frühen Plakat, 1854-1914“ mündete (Träger: Staatliche Museen zu Berlin). Die Ergebnisse der Untersuchung von 240 Plakaten wurden in drei Teilen online publiziert: Die vorliegende Datenbank wird ergänzt durch einen kontextualisierenden Aufsatz und eine virtuelle Ausstellung, jeweils auf Deutsch und Englisch.
_Aufsatz deutsch (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009513
_Essay English (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009516
_Ausstellung deutsch: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/koloniale-kontexte-plakate/
_Exhibition English: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/colonial-contexts-posters/
Letzte Aktualisierung: 04.05.2026
Kontakt
Einrichtung:
Kunstbibliothek
E-Mail:
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