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Corona Pandemie 2020 – 2021

Ident. Nr.: N (8 M) 43/2021

ObjID: obj:2731384

Details (Expert)

Datierung
2021
Geografische Bezüge
Material / Technik
Porzellan, bedruckt
Abmessungen
Höhe x Durchmesser: 9,7 x 8 cm
Erwerbung
Stefan Csutor, Wilhelm-Blos-Straße 30, 12623 Berlin

Objektbeschreibung

Weißer Kaffeebecher aus Porzellan. Einseitig in rot, grün und dunkelblau bedruckt mit "CORONA PANDEMIE", "2020-2021" sowie der Abbildung eines Corona-Virus. Auf der anderen Seite zwanzig Begriffe in rot, grün, dunkelblau und hellblau, die im Zuge der Corona-Pandemie in den Alltagswortschatz eingingen: "Moderna", "Pandemie", "Antigentest", "AHA", "R-Wert", "Virus", "Corona", "PCR-Test", "Hygiene-Maßnahmen", "Lockdown", "Covid-19", "Reproduktion", "FFP2-Masken", "Inzidenz", "Social Distancing", "Mutation", "Hygiene", "Impfung", "Abstand", "Biontech". Gegenüber des Henkels in rot und hellblau: "sabelus XXL" und "Ihre großen Familienapotheken."

Beiliegend war ein Zettel mit folgendem Text (Rechtschreibfehler hier korrigiert):

"Als der Gesundheitsminister im Dezember 2020 besschloss, alle über 60-jährigen und Risikopatienten mit kostenfreien FFP-2-Masken über die Apotheken zu versorgen, habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich denen, die uns ihr Vertrauen in eine gute Versorgung mit FFP-2-Masken auf diese Bezugsscheine geben, eine Freude machen kann - und ich begann nachzudenken.

Das letzte Mal im Leben, dass ich mich gleichermaßen "eingesperrt" gefühlt habe - also auch schon einen "Lock-down" erlebte - war 1982 bis 1985, als ich gleich drei Jahre Pflicht-Wehrdienst in der Armee der DDR (der NVA) leisten musste, um Pharmazie studieren zu dürfen. Ganz selten durften wir damals nach Hause - es war psychisch ebefalls für uns junge Männer eine schwere Zeit. Damals hatten wir so gut wie keine Privatsphäre - kein Rückzug war möglich - egal wie es uns grad erging.

Wir hatten alle einen kleine "Spind" (ein schmaler Schrank), in dem unsere Wäsche war, die von der Armee gestellt wurde - selbst Unterwäsche, Strümpfe und Handtücher kamen von der Armee. Private Sachen waren streng verboten. Auch das Essgesschirr wurde von der Armee gestellt und so mussten wir aus einem brauen Plastebecher trinken - egal was - Milch, Tee, Kaffee-Ersatz oder auch manchmal Apfelsaft.

In unserem Spind aber durften wir einen einzigen persönlichen Gegenstand haben, und das war eine private Porzellantasse. Kurz vor  meiner Armeezeit bekam ich eine solche Tasse von meiner Oma geschenkt. Diese Tasse holten wir abends oder am Wochenende aus unseren Spinden und kochten uns mit selbstgebastelten Tauchsiedern Tee oder sogar Kaffee.Diese Momente auf den Zimern damals waren Pausen der Freiheit. Wir tranken aus unseren privaten Tassen und träumten uns in die Zeit nach der Armee - wir träumten uns in die Freiheit.

Diese Tasse meiner Oma gibt es heute noch. Sie hat die Zeit überstanden und ist heute wie ein kleines Heiligtum für mich. Manchmal mache ich mir einen Kaffe in dieser Tasse - und wenn ich ihn dann trinke, läuft mir ein wohliger Schauer über den Rücken und ich denke an meine Freunde von damals - und aber auch daran, wie schön es ist, dass auch solche Zeiten vergehen.

Heute sind wir in einer ähnlichen Situation - und deswegen die Idee mit der "Corona-Gedenktasse" für unsere treuen Kunden. Diese Tasse als Geschenk soll Ihnen einerseits den Trost geben, das alles dann doch bald vorbeigehen wird und wir nach dem "Lock-down" wieder in Freiheit leben können. Wenn Sie aus dieser Tasse einen Kaffee oder einen Tee trinken, sollen Sie wie wir Soldaten damals von einer besseren Zeit träumen - die ja vor uns liegt.

Andererseits später einmal - in einigen Jahren - können Sie diese Tasse dann auch gern noch einmal hervorholen, einen Kaffee oder Tee daraus trinken, an diese Zeit denken und die "Un-Wörter" der Krise lesen - und ich wünschen Ihnen dann, dass Ihnen ebenfalls ein wohlicher Schauer über den Rücken läuft, wenn Sie an diese Zeit zurückdenken."

Letzte Aktualisierung: 29.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Museum Europäischer Kulturen

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