Logo

Trade and the Empire

Ident. Nr.: 2746389

ObjID: obj:2746389

Details (Expert)

Beteiligte
Unbekannt,
Entwerfer*in
Hudson & Sons (um 1903-1904),
Drucker*in
Datierung
1903
Geografische Bezüge
Material / Technik
Abmessungen
Höhe x Breite: 75 x 99,8 cm

Objektbeschreibung

Unter den Frühen Plakaten in der Sammlung der Kunstbibliothek befinden sich drei Propagandaplakate als Zeugnisse handelspolitischer Lobbyarbeit im British Empire. Sie entstanden in den Jahren 1903 und 1910, also noch vor der größten Ausdehnung der damaligen Weltmacht um 1920, und thematisieren in betont überspitzter Manier drohende Konsequenzen einer liberalen Steuerpolitik. Zwei der Plakate tragen den Titel „Trade and the Empire“. Dieses hier zeigt fünf Männer auf einer Bank zusammengedrängt, die sichtlich zu klein für alle ist. Ihre unterschiedliche Kleidung weist sie als Personifikationen verschiedener, damals konkurrierender Großmächte aus. Das pelzbemützte Russland sitzt etwas isoliert aber entspannt am linken Rand, daneben Frankreich und das dickbäuchige Deutschland, sowie ein hämisch grinsender „Uncle Sam“ mit einer Tasche voller Dollars auf dem Schoß. Nur der Brite mit Gehstock und Zylinder scheint am schmalen rechten Rand der Bank nicht recht bequem zu sitzen. Sichtlich verärgert mustert er die unliebsamen Nachbarn, die, so kommentiert ein über ihnen angebrachtes Schild, die Sitzgelegenheit vollkommen gratis, dabei aber ganz auf seine Kosten nutzen könnten. 

Mit wachsender Besorgnis beobachtete man in Großbritannien bereits seit 1870 die aufstrebenden Konkurrenzmächte inner- und außerhalb Europas. Zarenrussland war mit dem Bau der transsibirischen Eisenbahn beschäftigt, Frankreich etablierte sich in Südostasien (Indochina), die US-amerikanische und deutsche Industrie florierte wie nie zuvor. Großbritannien, bisher unangefochtene imperiale Weltmacht mit kolonialen Niederlassungen auf allen Kontinenten, suchte nach einem Weg seine hegemoniale Stellung zu behalten und nicht von der Bühne der weltpolitischen Einflussnahme verdrängt zu werden. Konservative Interessenverbände wie die damals einflussreiche Tariff Reform League, die das vorliegende Plakat in Auftrag gab, plädierten im Zuge dessen für ein steuerlich „härteres Durchgreifen“ Großbritanniens gegenüber seinen globalen Rivalen. 

Recherche und Text: Isabel Groll

Verwandte Werktexte:
_Trade and the Empire (ID 2746389)
_The Real Slavery (ID 2742410)

Ausgewählte Quellen: 
_Dennis Judd, Balfour and the British Empire. A Study in Imperial Evolution 1874–1932, New York 1968
_Norman McCord, Bill Purdue (Hg.), British History 1815–1914, 2. Ausgabe, New York 2007 
_P. J. Marshall (Hg.), The Cambridge illustrated history of the British Empire, Cambridge 2006 [1996]
_Peter Richardson, Chinese Mine Labour in the Transvaal, London 1982


//Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3800 Originalplakate der Jahre 1840–1914. Diese Werkgruppe wurde 2021 vollständig digitalisiert, ermöglicht durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR. Gleichzeitig wurde eine dekoloniale Inventur des Bestands durchgeführt, die im Forschungsprojekt „Koloniale Kontexte im Frühen Plakat, 1854-1914“ mündete (Träger: Staatliche Museen zu Berlin). Die Ergebnisse der Untersuchung von 240 Pla-katen wurden in drei Teilen online publiziert: Die vorliegende Datenbank wird ergänzt durch einen kontextualisierenden Aufsatz und eine virtuelle Ausstellung, jeweils auf Deutsch und Englisch.

_Aufsatz deutsch (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009513
_Essay English (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009516
_Ausstellung deutsch: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/koloniale-kontexte-plakate/
_Exhibition English: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/colonial-contexts-posters/

Letzte Aktualisierung: 04.05.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstbibliothek

Weitere Objekte aus den Sammlungen