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Don't Stop Me! I'se Gwine To See!

Ident. Nr.: 2783462

ObjID: obj:2783462

Details (Expert)

Beteiligte
John Hassall (1868 - 1948),
Entwerfer*in
Datierung
1890
Geografische Bezüge
Material / Technik
Abmessungen
Höhe x Breite: 74,6 x 50,7 cm
Kartonformat: 78,7 x 54,8 cm

Objektbeschreibung

Dieses Theaterplakat wirbt für eine Bühnenadaptation des Romans „Uncle Tom’s Cabin“ von Harriet Beecher Stowe (1811–1896). Dieser 1852 erschienene Bestseller des 19. Jahrhunderts schildert eindringlich die unmenschlichen Lebensbedingungen versklavter Menschen in den Südstaaten der USA. Historischer Hintergrund war der Streit um die Abschaffung der Sklaverei. Zugespitzt wurde die Situation durch ein 1850 erlassenes Gesetz, das eine Rückführung geflüchteter versklavter Menschen zu ihren „Besitzern“ in den Südstaaten legalisierte. Das Buch war ausgesprochen einflussreich, wurde und wird jedoch auch kontrovers diskutiert: Denn die Erzählung arbeitet trotz der humanitären Botschaft mit rassistischen Stereotypen. 

Die Geschichte beginnt auf dem Anwesen der Familie Shelby, die aus Geldgründen zwei der Menschen in ihrem „Besitz“, den alten Tom und den kleinen Harry, verkaufen will. Als Harrys Mutter Eliza von dem Plan erfährt, beschließt sie, mit ihrem Sohn zu flüchten, woraufhin ein Suchtrupp loszieht, um sie wieder einzufangen. Der versklavte Schwarze Mann, genannt Onkel Tom, der sich gegen eine Flucht entschlossen hatte, wird an Herrn St. Clare verkauft. Bereits im Besitz von dessen Familie ist das Schwarze Mädchen Topsy, das St. Clare in die Obhut von Miss Ophelia („Feely“) gegeben hat, um sie mit gutem Benehmen und christlichen Werten auszustatten. Mit ihren nackten Füßen, wilden Frisuren und imperfektem Englisch löst Topsy vielfach Entsetzen bei ihrer Betreuerin aus. Erst durch die Freundschaft mit einem weißen Mädchen namens Eva, der Tochter St. Clares, wird das ehemalige Sklavenmädchen auf den Weg der Tugend und letztlich in die Freiheit geführt – eine Erzählung, die im Plakat symbolisiert wird durch den Kontrast zwischen weißem Kleid und akzentstarker Aussprache („I’s Gwine To See“). Kurz: Topsy dient in der Geschichte als Klischee der erziehungs- und missionierungsbedürftigen „Wilden“. Die Reklame nimmt das Stereotyp unverhohlen als Motiv auf.

Es gab zahllose Bühnenadaptionen von „Uncle Tom’s Cabin“: Einige von ihnen entfernten sich so weit vom Ausgangstext, dass sie nicht einmal mehr die abolitionistische Kernbotschaft Beecher Stowes transportierten, sondern nur stark an „Minstrel Shows“ angelehnte, klamaukige Abenteuergeschichten mit Karikaturen von Schwarzen Menschen vorführten (vgl. University of Virginia 2009). Auch Beecher Stowes Text ist stark von klischeehaften und abwertenden Darstellungsweisen geprägt: etwa in der Wiedergabe der fehlerhaften Sprache von Schwarzen Menschen oder Aussagen über Intellekt und Wert des Menschen, abhängig von ihrer Hautfarbe. Die Autorin plädierte auch dafür, dass Schwarze Menschen getrennt von weißen in einem eigenen Staat – wie dem 1822 gegründeten Liberia – leben sollten. Trotz des enormen internationalen Erfolgs und seiner Bedeutung für die politische Debatte erntete das Buch Kritik von prominenter Seite. Knapp einhundert Jahre nach seinem Erscheinen schrieb der bedeutende US-Schriftsteller James Baldwin in seinem Text „Everybody’s Protest Novel“ (Baldwin 1949), es handle sich um einen sehr schlechten Roman, der sich in selbstgerechter Gefühlsduselei und mittelalterlicher Moralität ergehe. Baldwins Analyse zeigt die wertende Abstufung von Hautfarben im Roman auf: von der engelsgleichen Eva bis zu Tom, einem Analphabeten, „rabenschwarz, mit wolligem Haar“, der den weißen Menschen nur „durch Unterwürfigkeit und permanente Selbstkasteiung“ näherkommen kann. Seither hat sich der Begriff „Uncle Tom“ verselbständigt und steht heute abwertend für Schwarze Menschen, die sich besonders gefällig und devot gegenüber weißen Menschen verhalten. 

Recherche und Text: Kristina Lowis

Verwandte Werktexte:
_Uncle Tom’s Cabin (ID 1792710, 2661399, 2662379, 2662380, 2746383 und 2746385)

Zitierte Literatur: 
_James Baldwin: „Everybody‘s Protest Novel“, in: Partisan Review, Vol. XVI, Juni 1949, S. 578–585
_University of Virginia: Uncle Tom’s Cabin and American Culture, 2009 (http://utc.iath.virginia.edu/) 

Ausgewählte Quellen:
_Harriet Beecher Stowe: Uncle Tom’s Cabin, Boston 1852


//Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3800 Originalplakate der Jahre 1840–1914. Diese Werkgruppe wurde 2021 vollständig digitalisiert, ermöglicht durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR. Gleichzeitig wurde eine dekoloniale Inventur des Bestands durchgeführt, die im Forschungsprojekt „Koloniale Kontexte im Frühen Plakat, 1854-1914“ mündete (Träger: Staatliche Museen zu Berlin). Die Ergebnisse der Untersuchung von 240 Plakaten wurden in drei Teilen online publiziert: Die vorliegende Datenbank wird ergänzt durch einen kontextualisierenden Aufsatz und eine virtuelle Ausstellung, jeweils auf Deutsch und Englisch.

_Aufsatz deutsch (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009513
_Essay English (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009516
_Ausstellung deutsch: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/koloniale-kontexte-plakate/
_Exhibition English: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/colonial-contexts-posters/

Letzte Aktualisierung: 04.05.2026

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Einrichtung:

Kunstbibliothek