Logo

Zierplatte mit Drachen, Masken und Kriegsgerät

Ident. Nr.: 32-24

ObjID: obj:2800428

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Zoan Andrea (unbekannt),
Stecher*in
Datierung
Herstellung: um 1505
Material / Technik
Kupferstich
Abmessungen
Blattmaß: 39,4 x 13,6 cm
Erwerbung
Alter Bestand, vor 1877 erworben

Objektbeschreibung

Die beiden ornamentalen Kupferstiche mit ihrer feinen Linienführung und den dichten Kreuzschraffuren zählen zum Spätwerk Zoan Andreas, von dem nur 16 solcher Stiche bekannt sind. Ausgehend von dem 1479 in Rom wiederentdeckten antiken Palast Domus Aurea, den Nero hatte erbauen lassen und dessen Räume mit Wandmalereien versehen waren, entwickelte sich die Gattung der sog. Groteske (ital. grottesco, grotta = Höhle). Diese Ornamente setzen sich aus Ranken, Figuren, Tieren, fantastischen Mischwesen und architektonischen Elementen zusammensetzen. Die erfindungsreichen, eleganten Formen enthalten oft ein beunruhigendes Moment, das sich als Gegensatz zwischen Ordnung und Fülle, Künstlichkeit und Natur, oder, wie hier, in monströsen Fabelwesen, manifestiert.

Letzte Aktualisierung: 16.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Christus in der Vorhölle

Christus in der Vorhölle

Der Abstieg zur Hölle, wo Christus nach dem Kreuzestod und vor der Auferstehung die Gerechten - angefangen von Adam und Eva bis hin zu Johannes dem Täufer - aus der Gewalt Satans befreite, wird im apokryphen Nikodemus-Evangelium erwähnt. Das Thema war im 15. Jahrhundert weit verbreitet. Mantegna könnte Anregungen von einem kleinen Bild seines Schwiegervaters Jacopo Bellini (Padua, Museo Civico) und von einem Bronzerelief Donatellos erhalten haben (Florenz, San Lorenzo). Unter den Zeichnungen des Kabinetts befindet sich noch eine exakte Wiederholung der Christusfigur, die auf einer um 1490/92 entstanden Gemäldeversion Mantegnas erscheint (KdZ 622; Kat. [Andrea Mantegna, London / New York 1992], Nr. 71, Farbabb.).Die Auseinandersetzung mit der Mantegna-Graphik ist von ständig wechselnden Zu- und Abschreibungen geprägt und in vielen Punkten noch klärungsbedürftig. Erst kürzlich wurden aus Anlaß der Londoner Ausstellung wieder zwei völlig divergierende Meinungen vertreten. Während Suzanne Boorsch vermutet, das gesamte Œuvre sei nur unter der Aufsicht des Meisters entstanden (ebd., S. 56ff.), verzeichnet der von David Landau erstellte Katalog sieben eigenhändige Werke und vier Attributionen. Unter den letzten wird auch der »Abstieg in die Hölle« aufgeführt. Die Argumente für eine Zuschreibung des Stichs an Mantegna überwiegen. So weicht die Komposition nur in wenigen, aber doch wichtigen Details von der Vorzeichnung in der École des Beaux-Arts zu Paris ab, einem unbestrittenen Autograph (ebd., Nr. 66, Farbabb.). Veränderungen und Zusätze wären einem rein reproduzierenden Graveur nicht erlaubt gewesen. Gewichtiger als dies ist aber der unvollendete Zustand der Platte, die nur in den zentralen Partien und auch hier ohne feine Tonnuancen durchgearbeitet ist, welche ein Stecher zum Schluß hinzufügen würde. Ein solches Nonfinito war wohl kaum für den Markt gedacht. Es ist Resultat des künstlerischen Experiments. Dieser Neugier mag ebenfalls verdankt werden, daß das Berliner Blatt in brauner Farbe abgezogen ist, welche die koloristischen Effekte der Federzeichnung imitiert (ein gleichartiger Abzug in London; Hind [Catalogue of Early Italian Engraving, London] 1910,S. 347, Nr. 5a).Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 252-253, Kat. V.10 (mit weiterer Literatur)