Logo

Drei fantastische Heuschrecken, aus der Folge: Pour Raillerie

Ident. Nr.: 408-130

ObjID: obj:2808388

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Johann Rudolf Schellenberg (4.1.1740–6.8.1806),
Radierer*in
Datierung
Herstellung: 1772
Weitere Titel
Sammlungstitel: Drei fantastische Heuschrecken, aus der Folge: Pour Raillerie
Pour Raillerie
Material / Technik
Radierung
Abmessungen
Plattenrand: 7,2 x 10 cm
Blattmaß: 9,4 x 11,9 cm
Erwerbung
Alter Bestand, erworben vor 1877

Objektbeschreibung

Der Schweizer Maler, Graphiker und Insektenforscher Schellenberg schuf naturhistorische Illustrationen zu Abhandlungen von Johann Heinrich Sulzer, Johannes Gessner oder Johann Caspar Lavater, aber auch zu Fabeln und zur Bibel. Die Folge Pour Raillerie (Zum Spott) ist eine satirische Fingerübung: Schellenberg, der ein hervorragender Karikaturist war, entwarf fantastische Kombinationen von Mensch- und Tiergestalten mit realistischen Details. Er nahm charakteristische Verhaltensweisen aufs Korn und hielt dem Betrachter einen Spiegel vor: Herausgeputzte Affen kommen direkt von Paris, eine schnatternde Menge führt sich wie eine Schar Gänse auf, Skelette ziehen in die Schlacht. Der lesende „Poet“ mit Hirschkäferkopf nimmt Kafkas Erzählung Die Verwandlung von 1912 vorweg.

Letzte Aktualisierung: 16.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Der Teufel sät Unkraut (Matt. XIII, 25)

Der Teufel sät Unkraut (Matt. XIII, 25)

Nach dem Verlorenen Sohn ist der Teufel, der, während die Landarbeiter schlafen, Unkraut zwischen den Weizen sät, wohl das um 1600 am häufigsten dargestellte Gleichnis Jesu. De Gheyn zeigt sich in der Weise, wie die ganze Landschaft von einer Spannung ergriffen wird, die in der Hauptfigur kulminiert, als einer der führenden Manieristen. Obwohl Studienzeichnungen erhalten sind, in denen das Modell dem links am Baum Schlafenden ähnelt, wird jede Naturwahrheit zugunsten des Ausdrucks zurückgestellt. Von dem in Bewegungsrichtung des feindlichen Sämannes abschüssigen Feld über die bizarren Kopfweiden bis zu den Pilzen, die vorn ganz unwahrscheinlich auf dem frisch gepflügten Acker sprießen, kündigt sich Unheil an, das nicht nur durch den Teufel versinnbildlicht wird, sondern auch in den Hexenreitern am brodelnden Himmel, mit denen der Zeichner weit über den Bibeltext hinausgreift. Im scharfen Gegensatz dazu stehen rechts die idyllisch schlafende Gruppe und links die ruhigen Tiere, die schweren Säcke mit dem Saatgut und der nach dem reichlichen Mittagsmahl ruhende Arbeiter. In diesen Themen ist de Gheyn auf der Höhe der Zeit; auch andere Künstler wie vor allem A. Bloemaert zeichnen in diesen Jahren das bäuerliche Leben, wobei der Ton immer auf Muße und Verfall liegt. Die biblische Geschichte gibt de Gheyn die Möglichkeit, dies mit Zügen seiner Hexensabbat-Darstellungen zu verbinden, mit denen er Salvator Rosa vorangeht.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 190, Kat. IV.31 (mit weiterer Literatur)