Dansk Koloniudstilling samt Udstilling fra Island og Færøerne
Ident. Nr.: 1919,440/132
ObjID: obj:2825394
Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1905
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- —
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 85,9 x 60,4 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/2825394
Objektbeschreibung
Ein prächtiges altes Flaggschiff segelt bei vollem Wind auf hoher See; stolz weht die dänische Flagge an seinem Heck. Mit diesem nautischen Traditionsmotiv bewirbt das Plakat die „Dansk Koloniudstilling“, die Dänische Kolonialausstellung, die vom 31. Mai bis zum 24. September 1905 in den Tivoli-Gärten in Kopenhagen stattfand. Der Eintritt kostete 25 Öre, für Schulkinder frei. Die Schau folgte dem Muster, das sich seit den 1880er-Jahren weltweit für solche Ausstellungen etabliert hatte, in Europa (Amsterdam 1883, London 1886, Paris 1889, Berlin 1896 u. a.) wie auch den USA (1899 Omaha, 1902 New York): Eine unter dem Vorzeichen der Volksbildung präsentierte nationale „Leistungsschau“ mit Import- und Produktionswaren aus den Kolonien, der eine „Völkerschau“ als vorgebliches Unterhaltungsmoment angliedert wurde. In Kopenhagen wurden entsprechend die dänischen Kolonien Grönland und Dänisch-Westindien vorgestellt, wobei auch Menschen aus diesen Ländern wie Exponate gezeigt wurden.
Pseudo-ethnologische Ausstellungen, bei denen Menschen aus kolonisierten Ländern und anderen Kulturen in herabwürdigender Manier in Zoos, Parks oder Zirkusschauen vorgeführt wurden, erfreuten sich im 19. Jahrhundert und noch bis um 1930 trauriger Beliebtheit. Ein Pionier der Bewegung war der Deutsche Carl Hagenbeck (1844–1913). Auch in Dänemark fanden zwischen 1878 und 1909 etwa 50 Menschenausstellungen statt, eine davon 1905 auf der Kolonialausstellung. Im Vorlauf der Ausstellung hatte es Protest gegeben, die sich jedoch nicht gegen die „Völkerschau“ an sich wendeten, sondern ihre rassistischen Inhalte auf perfide Weise noch unterstrichen: Isländische Studierende wehrten sich dagegen, dass die dänischen Nachbarländer Island und Färöer zusammen mit „Negern und Eskimos“ ausgestellt werden sollten. Sie empfanden dies als eine kulturelle Herabwürdigung, da sie – der ideologischen Propaganda ihrer Zeit folgend – die Menschen aus Dänisch-Westindien und Grönland auf einer niedrigeren Zivilisationsstufe ansiedelten. Infolge des Protests wurde lediglich der Ausstellungstitel leicht geändert.
Die Dänische Kolonialausstellung von 1905 war ein letzter Versuch, Dänemark als eine den großen europäischen Ländern ebenbürtige Kolonialmacht in der Öffentlichkeit zu präsentieren. In Wahrheit war die einstige dänische Weltmacht nach dem Verlust Norwegens 1814 und Schleswig-Holsteins 1864 zum einflussarmen Kleinstaat geschrumpft. Im 17. Jahrhundert gehörte Dänemark (einschließlich Norwegen) zu den ersten global expandierenden Kolonialmächten Europas: Sein Netz aus Handelskontoren und Kolonien reichte vom Indischen Ozean über die Karibik und China bis Grönland, wobei die Ausbeutung den Warenhandel und die Rohstoffgewinnung ebenso beinhaltete wie den Handel mit versklavten Menschen aus afrikanischen und karibischen Ländern. Angesichts des Bedeutungsverlusts, den Dänemark im 19. Jahrhundert erfuhr, verwundert es nicht, dass das Werbeplakat für die Kolonialausstellung 1905 kein zeitgenössisches Motiv nutzt, sondern mit einem historischen Überseeschiff in Nostalgie für vergangene Größe schwelgt.
Text und Recherche: Christina Thomson
Verwandte Werktexte:
_Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 (ID 2831393)
_Kolonialausstellung im Deutschen Kolonial-Museum (ID 14030724)
Ausgewählte Quellen:
_Lill-Ann Körber: Skandinavien und der Menschenhandel, 2020, für Goethe-Institut online: https://www.goethe.de/prj/zei/de/pos/21763413.html
_Marie Bak: Den danske koloniudstilling i Tivoli 1905, Online-Artikel unter https://danmarkshistorien.dk/vis/materiale/den-danske-koloniudstilling-i-tivoli-1905
//Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3800 Originalplakate der Jahre 1840–1914. Diese Werkgruppe wurde 2021 vollständig digitalisiert, ermöglicht durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR. Gleichzeitig wurde eine dekoloniale Inventur des Bestands durchgeführt, die im Forschungsprojekt „Koloniale Kontexte im Frühen Plakat, 1854-1914“ mündete (Träger: Staatliche Museen zu Berlin). Die Ergebnisse der Untersuchung von 240 Plakaten wurden in drei Teilen online publiziert: Die vorliegende Datenbank wird ergänzt durch einen kontextualisierenden Aufsatz und eine virtuelle Ausstellung, jeweils auf Deutsch und Englisch.
_Aufsatz deutsch (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009513
_Essay English (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009516
_Ausstellung deutsch: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/koloniale-kontexte-plakate/
_Exhibition English: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/colonial-contexts-posters/
Letzte Aktualisierung: 04.05.2026
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