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Teppichhaus Forster

Ident. Nr.: 1988,021/841

ObjID: obj:2825416

Details (Expert)

Beteiligte
Burkhard Mangold (1873 - 1950),
Entwerfer*in
J. E. Wolfensberger (1902 -),
Drucker*in
Datierung
1911
Geografische Bezüge
Material / Technik
Abmessungen
Höhe x Breite: 125 x 95,1 cm

Objektbeschreibung

Das Plakat wurde im Auftrag des Schweizer Teppichhauses Forster gestaltet, das für seine hochwertigen sogenannten Orientteppiche bekannt war. Es sollte die Aufmerksamkeit potenzieller Kundschaft auf dessen Angebot lenken und die Qualität und Schönheit der Teppiche hervorheben. Das avantgardistische Design, das der Maler und Grafiker Burkhard Mangold für dieses Werbemotiv wählte, zeigt die modernen Strömungen der Plakatkunst jener Epoche. In einem geschlossenen Raum sitzt eine als nicht-weiß zu identifizierende, androgyn wirkende Person auf einem großen farbigen Orientteppich mit geometrischen Mustern. Ihr Gesäß ruht seitlich auf einem kleinen gelbgestreiften Kissen; sie dreht den Betrachtenden eine nackte Schulter zu. Den Kopf hat sie abgewandt, ihr Gesicht ist nicht zu sehen. Den Blick richtet sie in die Ferne, in Richtung einer dunklen Wand im Hintergrund. Die abgewandte Position erlaubt den Betrachtenden, ihren Körper anzuschauen, um den ein helles Tuch gewickelt ist. Ihre Haare sind von einem weiß-violett gestreiften, zum Turban gebundenen Handtuch bedeckt. Die zugleich diskrete und dennoch voyeuristische Inszenierung macht sie zur sinnlichen Projektionsfläche des Betrachtenden. 

Der Teppich – eigentlicher Fokus der Werbung – liegt auf einem gefliesten Boden und schafft eine nicht zentrale, jedoch tragende, in den Raum hineinführende Bildperspektive. Als Komposition verschiedener Stilelemente, Traditionen und Kulturen, symbolisierte er Reichtum und Weltgewandtheit, vernetzte und prägte er Generationen von Handelshäusern und Gesellschaften wie Nationen. Über die bildliche Verknüpfung einer leicht bekleideten, orientalisierten Person und eines exklusiven, ebenfalls orientalisierten Teppichs werden beide zu einem eurozentrischen Objekt des kolonialen Begehrens. Begierde und kulturelle Kontrolle materialisierten sich im Zuge kolonialer Einflussnahme: „Eine preußische Expedition nach Anatolien war 1853 aufgebrochen, bereits 1865 setzte man durch, dass sich Christen an der Herstellung von Teppichen beteiligen durften [...]. Bis dahin wurden die Muster der Teppiche niemals aufgeschrieben, sondern von Generation zu Generation weitergereicht, so dass jede Gegend an ihren Teppichen erkennbar war. Nun aber wurden Vorlagen erstellt, Muster ausgewählt und auch in anderen Regionen in Auftrag gegeben. Die Erstellung von Musterbüchern sorgte für einen Bruch mit der mündlichen Tradition.“ (Simons 2004, S. 185-186).  Teppiche, die auf eine bestimmte Weise komponiert und geknüpft waren, standen symbolhaft für das, was weiße Europäer*innen mit dem „Orient“ verbanden und wurden von europäischen Designer*innen, Maler*innen oder Zeichner*innen benutzt, um auf der visuellen Ebene mit einer orientalisierenden Chiffre für Prunk und Reichtum, Dekadenz und Ausschweifung, Lebensferne und Märchenhaftigkeit zu arbeiten (Simons 2004, S. 184 f.)

Auch der Basler Burkhard Mangold benutzte die Chiffre „Orient“, um seine Teppichwerbung für das Teppichhaus Forster zu gestalten. Seine Plakate zeichnen sich durch eine klare, geometrische Komposition und eine Verwendung von kräftigen Farben aus. Er setzte auch oft fotografische Elemente in seinen Entwürfen ein; ebenso ist hier der Einfluss der Orientmalerei des 19. Jahrhunderts erkennbar.

Recherche und Text: Ibou Coulibaly Diop

Zitierte Literatur:
_Oliver Simons: „Orientteppich und Kunstwerk“, in: Walter Honold, Klaus R. Scherpe (Hg.): Mit Deutschland um die Welt. Eine Kulturgeschichte des Fremden in der Kolonialzeit, Stuttgart 2004, S. 182–189
_Edward W. Said: Orientalism, New York 1978


//Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt rund 3800 Originalplakate der Jahre 1840–1914. Diese Werkgruppe wurde 2021 vollständig digitalisiert, ermöglicht durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR. Gleichzeitig wurde eine dekoloniale Inventur des Bestands durchgeführt, die im Forschungsprojekt „Koloniale Kontexte im Frühen Plakat, 1854-1914“ mündete (Träger: Staatliche Museen zu Berlin). Die Ergebnisse der Untersuchung von 240 Pla-katen wurden in drei Teilen online publiziert: Die vorliegende Datenbank wird ergänzt durch einen kontextualisierenden Aufsatz und eine virtuelle Ausstellung, jeweils auf Deutsch und Englisch.

_Aufsatz deutsch (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009513
_Essay English (arthistoricum): https://doi.org/10.11588/artdok.00009516
_Ausstellung deutsch: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/koloniale-kontexte-plakate/
_Exhibition English: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/colonial-contexts-posters/

Letzte Aktualisierung: 04.05.2026

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Einrichtung:

Kunstbibliothek

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