Logo

Gewinnung des Sisal-Hanfs

Ident. Nr.: D (33 Q 630) 521/1984,e,4

ObjID: obj:2898378

Details (Expert)

Datierung
1900/30
Geografische Bezüge
Material / Technik
Chromolithografie
Abmessungen
Höhe x Breite: 7 x 10,7 cm

Objektbeschreibung

Die Vorderseiten des Bildchens zeigt eine Abbildung zum Thema der Serie 704 "Arbeit des Farmers in Afrika", die Rückseiten Erläuterungen zur Abbildung und Werbetext.
Es ist das 4. Bild aus der Serie von 6 Bildern und zeigt die Gewinnung des Sisal-Hanfs.

Um 1900 sind Sammelbilder beliebte Werbemaßnahmen von Alltagswaren wie Margarine, Schuhcreme, Schokolade, etc. Sie gehören zu den visuellen Alltagsmedien mit der größten Verbreitung ihrer Zeit. Die farbig gedruckten kleinformatigen Bilder erschienen dabei meist in thematischen Serien, die Konsument*innen bzw. deren (jugendliche) Kinder sammeln konnten. Auf der Rückseite waren neben der Werbung für ein Produkt meist auch Erläuterungen zur Darstellung auf der Vorderseite zu sehen. Große Firmen produzierten hunderte Serien; Millionen von Sammlbildern waren im Umlauf. Sammelbilder, die koloniale Begebenheiten darstellen, bilden immer die Perspektive der Kolonialisatoren ab. Durch ihre weite Verbreitung trugen Sammelbilder als Medium der Massenkultur stark zur stereotypisierenden und rassistischen Wirkung von Abbildungen von Menschen aus den ehemaligen Kolonialgebieten bei.

Das 4. Bild "Gewinnung des Sisal-Hanfes" sei hier beispielhaft näher erläutert:
Typisch für die Darstellung ist, dass die beiden weißen Personen im Hintergrund ihre Arme hinter dem Rücken verschrenken. Diese passive Körperhaltung findet sich auch in anderen Sammelbildern mit kolonialen Motiven und unterstreicht die Tatsache, dass auf den Plantagen die einheimischen zum Arbeiten gezwungen wurden während die Kolonialisatoren lediglich die Arbeit überwachen. Ebenso typisch ist die weiße Kleidung mit Tropenhelm. Im Gegenzug werden die Arbeiter*innen immer bei verschiedenene Tätigkeiten gezeigt, häufig mit gebeugtem Rücken.
Der Sisal ist einmal als grüne, bereits geschnitte Pflanze zu sehen sowie als weiße Faser, die in der Sonne trocknet und bleicht.
Während der erläuternde Text auf der Rückseite von "wild wachsende(n) Pflanzen" spricht, war Sisal in der Realität eine in Ostafrika nicht heimische Pflanze. Ursprünglich aus Mexiko durften Pflanzenableger eigentlich nicht von dort ausgeführt werde. Dem deutschen Agrarwissenschaftler Richard Hindorf (1863-1954) gelang es über Umwege dennoch, dieses Verbot zu umgehen und Sisalableger aus Amerika zu besorgen. Sein Ziel, diese in das damalige deutsche Kolonialgebiet im heutigen Tansania zu bringen und dort .  Sisal als Plantagenpflanze industriell anzubauen, erreichte er. Sisal war bis zum 1. Weltkrieg ein sehr wichtiger kolonialer Rohstoff für Deutschland. 

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Museum Europäischer Kulturen

Weitere Objekte aus den Sammlungen