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Vase mit Vogelmotiv

Ident. Nr.: 1876,1172

ObjID: obj:2960394

Details (Expert)

Beteiligte
zugeschrieben: Manufacture Laurin (Zweite Hälfte 19. Jahrhundert)
zugeschrieben: Ernest Chaplet (1835–1909)
Datierung
Ausführung: um 1875/76
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe: 29,5 cm

Objektbeschreibung

In skizzenhaft-impressionistischer Malweise ist auf der Vorderseite ein Zweig dargestellt, auf dem ein Vogel sitzt, auf der Rückseite ein Blütenzweig mit einem Schmetterling. Die Motivik erinnert an japanische Farbholzschnitte, etwa von Hokusai, die seit den 1860er Jahren die französische Malerei wie auch die Keramik der Avantgarde in starkem Maße beeinflussten. Der Dekor ist in Schlickermalerei („Barbotine“) aufgetragen worden. Zum Teil ist er in Gold und Silber gehöht. Dies mag eine Anspielung auf die japanische Tradition sein, Sprünge in Keramiken durch Goldlack zu reparieren. Gefertigt wurde die unsignierte Vase vermutlich, wie auch andere signierte Keramiken dieser Machart im Bestand des Kunstgewerbemuseums, in der Manufaktur Laurin in Bourg-la-Reine bei Paris. Diese war zunächst auf Fayencen und Gebrauchsware in historistischen Stilrichtungen spezialisiert. Auf der Wiener Weltausstellung 1873 erregte sie mit ostasiatisch inspirierten Keramiken in „Barbotine“-Malerei Aufmerksamkeit. Dabei wird eingefärbter Tonschlicker mit dem Pinsel pastos auf die Keramik aufgetragen. Entwickelt wurde diese Technik von Ernest Chaplet, der bis 1874 für Laurin tätig war. Vermutlich geht auf Chaplet auch der Entwurf dieser Vase zurück, die 1876 für das Kunstgewerbemuseum Berlin erworben wurde. Vorbesitzer war Martin Gropius (1824-1880), der Architekt des ehemaligen Gebäudes des Kunstgewerbemuseums. // Claudia Kanowski

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

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Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa