Logo

Sonderinventar S Älter und alte Erwerbungen, deren Herkunft nicht mehr feststellbar ist + Nachinventarisierungen

Ident. Nr.: IV_KKB-B_SOS_NC_00001-00001_LZ_1985-2021

ObjID: obj:3116584

Credit: Provenienz und Bestand. Online-Publikation der Erwerbungsbücher und Zugangsverzeichnisse der Staatlichen Museen zu Berlin. Gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien

Details (Expert)

Beteiligte
zugeschrieben: Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin (seit 1831),
Folgeherausgeber*in
zugeschrieben: Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin (seit 1831),
Verwalter*in
Zuschreibung unsicher: Kupferstichkabinett (Berlin, West) (31.12.1991),
Verfasser*in
Zuschreibung unsicher: Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin (seit 1831),
Verfasser*in
Datierung
Entstehungsjahr: 1985
Entstehungszeit: 1985-2021
Zugangszeitraum: 1985-2021?
Weitere Titel
Sammlungstitel: Sonderinventar S Älter und alte Erwerbungen, deren Herkunft nicht mehr feststellbar ist + Nachinventarisierungen
Kupferstichkabinett: Sonderinventar S
Geografische Bezüge
Verwendungsort: Berlin
Entstehungsort: Berlin
Material / Technik
—
Abmessungen
Höhe x Breite: 40 x 30 cm (1)

Objektbeschreibung

Kollationsvermerk: handschriftlich mit Seitenzahlen, doppelseitiger Scan mit 26 Seiten, S. 1-11

Letzte Aktualisierung: 17.03.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Frauen am Potsdamer Platz

Frauen am Potsdamer Platz

Von 1908/09 an weiten die Künstler der »Brücke« ihre Thematik hin zum »Aktuellen« aus. Ihre bislang bevorzugten Sujets - Interieurs, Porträts, Menschen in der Natur und Landschaften - verlieren nicht an Bedeutung, aber zur Seite treten ihnen nun Momentaufnahmen aus Variete und Zirkus, Stadtansichten und Straßenbilder.Kirchner steuert dazu die einprägsamsten Bilderfindungen bei, und er ist es auch, der auf Berlin, die Unruhe und die Verwerfungen des großtstädtischen Lebens erregter als die anderen antwortet. So wird er am Vorabend des Ersten Weltkriegs neben Meidner (vgl. Ident-Nr. SZ Meidner 6) zum Seismographen der latenten Spannung und des heraufziehenden Unheils.Die »Frauen am Potsdamer Platz«, die er in dieser Zeit auch in verschiedenen Gemälden darstellt, mögen heute auf den ersten Blick als mondäne Damen der Oberschicht erscheinen, denen Kirchner einen großen Auftritt gestattet. In Wahrheit sind ihr Aufzug und ihre Posen Lockmittel zum Kauf, denn es handelt sich um Huren, die sich auf einer Verkehrsinsel postiert haben. Der Vergänglichkeit ihrer Reize und ihrer stetigen Gefährdung entsprechen die Hektik der Menschen auf dem Platz, der heftige Bruch zwischen den Größendimensionen der Gestalten vorn und im Hintergrund, der manches Mal abrupte Wechsel von der Auf- zur Untersicht, die überschnell in die Tiefe fluchtende Straße und die aggressiv-spitzen Winkel, die z.B. hier und an den Ecken des Bahnhofsgebäudes mit der auf die Endlichkeit des Lebens verweisenden Uhr auftreten.»Wie die Kokotten, die ich malte, ist man jetzt selbst. Hingewischt, beim nächsten Male weg. Trotzdem versuche ich immer noch Ordnung in meine Gedanken zu bringen und aus dem Verworrenen ein Bild der Zeit zu schaffen, was ja meine Aufgabe ist.« So Kirchner im März 1916, nachdem er im Krieg körperlich und seelisch zusammengebrochen ist (s. Dube-Heynig 1961, S. 49). Seine »Frauen am Potsdamer Platz« sind neuzeitliche, prophetische Vanitas-Bilder.Text: Alexander Dückers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 443 f., Kat. VIII.8 (mit weiterer Literatur)