Stichkappengewölbe bei Lampenlicht
Ident. Nr.: SZ Menzel N 25
ObjID: obj:3310422
Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- Herstellung: 1884
- Provenienz
- Adolph Menzel (1815-1905),
bis 9.2.1905Nachlass/Vermächtnis: Emilie Krigar-Menzel,
09.02.1905 - 20.06.1906Nationalgalerie, Sammlung der Zeichnungen,
bis 1992 - Material / Technik
- Bleistift auf Papier
- Abmessungen
- Blattmaß: 15,0 x 20,9 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/3310422
Objektbeschreibung
Rechts
außerhalb der Zeichnung befindet sich eine Lichtquelle, die unter einem Bogen
hindurch ihren Schein in das von Stichkappen unterbrochene Tonnengewölbe wirft.
Wie in einem eigenwilligen Objektiv verzogen krümmt sich der Raum. Dem Zeichner
gegenüber befindet sich eine rundbogige Öffnung, deren unteren Abschluss etwas
wie ein leicht auskragendes Gesims bildet. Offenbar schaut man hier durch den
oberen Teil einer Toreinfahrt, denn außerhalb lassen sich zwei Gaslaternen,
eine rustikagegliederte Fassade mit dunklen Fensterhöhlen, daneben ein Stück
hell beschienener Fassade sowie eine undeutlich auszumachende Masse - wohl
Bäume ausmachen. Das wesentliche Interesse Menzels liegt jedoch im Innern des
Gewölbes. Mit Hilfe des Lichts teilt er den Raumfluss in ein Gefüge
geometrischer Formen auf. Die zeichnerische Untersuchung des Objektes läuft
geradezu asketisch ab, doch eine kleine Erzählung erscheint im Ausblick und
spricht von einer nächtlichen Stadt. Damit bricht Menzel das fast mathematische
Dasein der Zeichnung auf. Wie er sich nächtens immer wieder Dingen in
eigenwilliger Perspektive und Menschen in vielerlei Situationen nähert, so
analytisch ist in der vorliegenden Zeichnung der Struktur auf den Grund
gegangen worden. Ähnliche Gewölbe im grellen, schlagenden Licht, wie auch die
ruhende standfeste Form, der gegebene Durchblick lassen unweigerlich Gedanken
an Radierungen Giovanni Battista Piranesis aus den "Vedute di Roma"
und den "Carceri" wach werden.
Text: Andreas Heese, in: Ausstellungskatalog: Das Labyrinth der Wirklichkeit, hg. von Claude Keisch und Marie Ursula Riemann-Reyher, Nationalgalerie Berlin, 1996/97, S. 321ff., Kat. 181 (mit weiterer Literatur)
Letzte Aktualisierung: 27.11.2025
Kontakt
Einrichtung:
Kupferstichkabinett
E-Mail:
kk@smb.spk-berlin.de