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Spiegeluhr mit astronomischen Indikationen

Ident. Nr.: W-1962,179

ObjID: obj:3326418

Details (Expert)

Datierung
vor 1703
Geografische Bezüge
faktischer Entstehungsort: Augsburg (Deutschland)
Abmessungen
Höhe: 80 cm
Durchmesser: Uhrgehäuse 23 cm

Objektbeschreibung

Eine trommelförmige Tischuhr, die sich auf einem Ständer in senkrechter Stellung darbietet, wird Spiegeluhr genannt. Ihren Bau verlangte die Augsburger Uhrmacherzunft seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts als Meisterstück. Der Berliner Prunkuhr dient als Träger der Gigant Atlas, der nach der griechischen Sage das Himmelsgewölbe mit den Gestirnen stützt. Diese Figur ist dem 1556 in Rom ausgegrabenen antiken "Atlas Farnese" nachgebildet. Oben auf dem Uhrgehäuse sitzt ein Adler mit dem Wappen von Savoyen in seinen Klauen. Die Uhr wird somit dem Herzog Victor Amadeus II. von Savoyen (1666-1732) gehört haben. Das Zifferblatt zeigt einen Kalender, darauf von außen nach innen: die Monatsdaten, die Wochentagsbuchstaben, die Tagesheiligen und die Monate mit ihren Tierkreiszeichen. Weiter innen vier Stundenkreise, wohl zum Vergleich unterschiedlicher europäischer Zeitrechnungen. Im silbernen Kreis ein Fenster für die Nachtstunden. In der Mitte ein Astrolabium mit Sonnenzeiger, Mondzeiger, Mondalter, Mondphase und Aspekteschema für Gestirnkonstellationen.
Tjark Hausmann

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa