Gefäß zum Abbrennen von Weihrauch (кадилница )
Ident. Nr.: II B 4306
ObjID: obj:3406448
Details (Expert)
- Beteiligte
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- Ton, tlws. bemalt
- Abmessungen
- Höhe x Durchmesser: 20 x 13 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/3406448
Objektbeschreibung
Räuchergefäß, Bruchstück; oben z.T. grün/gelb bemalt - verm. nicht fertiggestellt
Laut dem Ethnografen Christo Vakarelski war das Räuchern von Lebensmitteln in Bulgarien bis ins 20. Jahrhundert nicht üblich. Dies und die vom Sammler notierte Transkription zum Objekt ("Kadilnitza") legen nahe, dass es sich um eine кадилница handelt, also um ein Gefäß zum Abbrennen von Weihrauch, wie sie in christlich-orthodoxen Regionen Europas häufig sind.
Das Objekt aus dem Osten Bulgariens wurde im Rahmen der letzten von insg. fünf Sammelreisen gesammelt, die der Journalist Gustav-Adolf Küppers im Jahr 1939 unternahm. Küppers war u.a. im Auftrag der Abt. "Eurasien" (später Abt. "Europa") des damaligen Museums für Völkerkunde unterwegs. An mehreren Orten nahm er auch Wachswalzen für die Phonogrammabteilung des Museums auf. Zudem betätigte er sich im Zeichen der nationalsozialistischen Rassenpolitik: Für das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik fertigte er in vielen Dörfern Fingerabdrücke der Bewohner*innen an. Zudem machte er Portraitaufnahmen, die die vermeintlich typischen Physiognomien der Menschen zeigten und taxierten. Diese veröffentlichte er auch in nationalsozialistischen Periodika, wie "Volk und Rasse".
Ein Hintergrund der Sammlungstätigkeit von Küppers war die Industrialisierung und Urbanisierung der Staaten Südosteuropas und die mit ihr einhergehende soziale und kulturelle Differenzierung. In der Landwirtschaft wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zunehmend Maschinen und Technisierung eingeführt, die die vorherigen Verfahren und Instrumente ablösten. Zugleich verliefen diese Prozesse gerade in Bulgarien eher schleppend; die technische Ausstattung der meisten Betriebe blieb schlecht und noch 1930 waren 74% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Dennoch bestand eine wesentliche Motivation von Küppers in der Dokumentation eines - seiner Meinung nach - dem Aussterben geweihten bäuerlichen und dörflichen Zusammenlebens mitsamt seiner materiellen Kultur.
Letzte Aktualisierung: 12.12.2025
Kontakt
Einrichtung:
Museum Europäischer Kulturen
E-Mail:
mek@smb.spk-berlin.de