Gürtelschnalle
Ident. Nr.: II B 4341
ObjID: obj:3424492
Details (Expert)
- Beteiligte
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- Kupferlegierung, Messing
- Abmessungen
- Länge x Breite: 3 x 5 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/3424492
Objektbeschreibung
Teil einer Gürtelschnalle mit Pflanzenornament; verm. Kupferlegierung (Messing) mit hohem Zinkanteil; ähnliche Schnallen sind in ganz Südosteuropa verbreitet, u.a. in Dalmatien (vgl. Abb. in Haberlandt, Volkskunst der Balkanländer, Tafeln III-V).
Pflanzenmotive wie das hier eingearbeitete haben laut dem Ethnografen Christo Vakarelski v.a. während der osmanischen Zeit Einzug in die bulgarischen Arbeiten gehalten. Pflanzenmotive wie das hier eingearbeitete haben während der osmanischen Zeit Einzug in die bulgarischen Arbeiten gehalten. Dem Kunsthistoriker Atanas Boschkov zufolge wurden sie ab dem späten 18. Jahrhundert in jedem regionalen Zentrum gefertigt und für Märkte im gesamten Osmanischen Reich produziert. Dabei kam es auch zu einer Standardisierung der Formen und zu einer Vereinfachung der Produktion. Zur Zeit eines beginnenden Nationalbewusstseins ab dem mittleren 19. Jahrhundert wurden derartige Gürtelschnallen aufgrund der ornamentalen Symboliken zu einem wesentlichen Bestandteil bulgarischer Trachtenmode.
Der Sammler der Schnalle Gustav-Adolf Küppers war u.a. im Auftrag der Abt. "Eurasien" (später Abt. "Europa") des damaligen Museums für Völkerkunde unterwegs. An mehreren Orten nahm er auch Wachswalzen für die Phonogrammabteilung des Museums auf. Zudem betätigte er sich im Zeichen der nationalsozialistischen Rassenpolitik: Für das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik fertigte er in vielen Dörfern Fingerabdrücke der Bewohner*innen an. Zudem machte er Portraitaufnahmen, die die vermeintlich typischen Physiognomien der Menschen zeigten und taxierten. Diese veröffentlichte er auch in nationalsozialistischen Periodika, wie "Volk und Rasse".
Ein Hintergrund der Sammlungstätigkeit von Küppers war die Industrialisierung und Urbanisierung der Staaten Südosteuropas und die mit ihr einhergehende soziale und kulturelle Differenzierung. In der Landwirtschaft wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zunehmend Maschinen und Technisierung eingeführt, die die vorherigen Verfahren und Instrumente ablösten. Zugleich verliefen diese Prozesse gerade in Bulgarien eher schleppend; die technische Ausstattung der meisten Betriebe blieb hier sehr schlecht und noch 1930 waren 74% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig (s. Brunnbauer, 178). Dennoch bestand eine wesentliche Motivation von Küppers in der Dokumentation eines - seiner Meinung nach - dem Aussterben geweihten bäuerlichen und dörflichen Zusammenlebens mitsamt seiner materiellen Kultur.
Letzte Aktualisierung: 12.12.2025
Kontakt
Einrichtung:
Museum Europäischer Kulturen
E-Mail:
mek@smb.spk-berlin.de