Logo

Mütter (Verworfene 2. Fassung des 6. Blattes aus "Krieg", 1. Zustand)

Ident. Nr.: 42-1920

ObjID: obj:3573509

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Käthe Kollwitz (1867 - 1945),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1919 (Februar)
Geografische Bezüge
Berlin,
Stadt
Provenienz
Käthe Kollwitz (1867-1945),
bis 19.2.1920
Abmessungen
Bedruckte Bildfläche: 44,5 x 58,5 cm
Blattmaß: 47,2 x 62,8 cm

Objektbeschreibung

Ebenso wie „Gefallen" [#vgl. Ident. Nr. 407-1923] waren die „Mütter" ursprünglich für eine umfangreichere lithographische Kriegsfolge vorgesehen, die später zugunsten des großen Holzschnitt-Zyklus gleichen Themas aufgegeben wurde. Den ursprünglichen Plan einer Radierfolge hatte die Künstlerin frühzeitig verworfen. Von den Lithographien, die meist im Umdruckverfahren hergestellt wurden, kamen außer den oben genannten Blättern offenbar nur noch "Die Eltern" [...] und "Witwe mit totem Sohn" [...] zum Abschluß. Unter allen diesen Arbeiten sind die "Mütter" das einzige Blatt, zu dem Kollwitz sich voll bekannte.
Die ihnen vorausgehende radierte Fassung [#nicht am Kupferstichkabinett] betrachtete sie selbst als mißlungen. In den "Müttern" verarbeitet die Künstlerin ihre persönlichen Kriegserfahrungen. Untrennbar waren diese mit dem Verlust des eigenen Sohnes verbunden. Aus dem schmerzlichen langjährigen Lernprozeß, der durch den Tod des Sohnes und ihre eigens schuldhafte Verstrickung in denselben ausgelöst wurde, sowie aus dem Erleben von Krieg und Revolution zog sie die Lehre des Pazifismus. Phalanxartig haben sich hier die trauernden Mütter aufgestellt und halten ihre Hände schützend vor ihre Kinder. Die herausgehobene Mutterfigur in der vorderen Reihe stellt die Künstlerin selbst mit ihren beiden Kindern, Hans und Peter, dar. Innerhalb ihres weiteren Werkes wurde das Thema der "Mütter" zu einem Leitmotiv, an dem sich ihre pazifistische Haltung zunehmend präzisierte [...].

(Text: Sigrid Achenbach, Käthe Kollwitz (1867-1945). Zeichnungen und seltene Druckgraphik im Berliner Kupferstichkabinett, Ausst.-Kat. Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1995, S. 130, Kat.-Nr. 157)

Letzte Aktualisierung: 17.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Sankt Peter von Südosten

Sankt Peter von Südosten

Egger hat die sehr rasch ausgeführte Federzeichnung (folio 51 r.) »eines der wertvollsten Dokumente für die Topographie des vatikanischen Gebietes in der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts« genannt. Der von einem Ausläufer des Gianicolo nach Norden schauende Zeichner hatte die gesamte Anlage von St. Peter vor sich, zur Linken den nach »Luthers großem ›Halt!‹« (Heine) liegengebliebenen Neubau, dessen Bögen die Dimensionen antiker Ruinen erreichen, in der Mitte den von der Sixtinischen Kapelle überragten Rest des Langhauses der konstantinischen Basilika mit seiner mosaikgeschmückten Fassade sowie den das Atrium umgebenden Gebäuden. Letztere wenden sich rechts mit Campanile und der Benediktionsloggia Bramantes zum Petersplatz, während darüber die von Raffael ausgemalten Loggien nach Nordosten blicken. Dorthin führt auch der an einer Stelle eingestürzte Korridor, der den bei der Kirche gelegenen Palast mit dem Belvedere auf dem Mons Vaticanus verbindet. Im Vordergrund sind kleinere Gebäude und Baumgruppen mit wenigen Federstrichen angedeutet.Der Zeichner, obwohl zur Generation der Manieristen gehörend, setzt die Gegebenheiten mit nüchterner Präzision und Klarheit auf das Papier, die es möglich machten, an seinen Zeichnungen Messungen in Hinblick auf die heute verschwundenen Gebäude durchzuführen. Bemerkenswert ist die im Bereich des Neubaus deutlich größere Detailfreudigkeit, die damit übereinstimmt, daß sich auch von den übrigen St.Peter-Zeichnungen in den Skizzenbüchern des Maarten van Heemskerck die meisten mit der Baustelle beschäftigen.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 179f., Kat. IV.18 (mit weiterer Literatur)