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Das Volk (Blatt 7 aus "Krieg", 7. Zustand)

Ident. Nr.: AM 2-1958,7 (Gal. des 20. Jh.)

ObjID: obj:3573616

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Käthe Kollwitz (1867 - 1945),
Holzschneider*in
Datierung
Herstellung: 1922
Geografische Bezüge
Berlin,
Stadt
Provenienz
Kauf: Magistrat von Ost-Berlin (1948-1990),
1950-1958
Abmessungen
Plattenrand: 36 x 30 cm
Blattmaß: 70,4 x 56,0 cm (Rand unregelmäßig)

Objektbeschreibung

Das Schlußblatt der Folge antwortet verschlüsselt auf die Eingangsdarstellungen "Opfer" und die "Freiwilligen" [...]. Der Bereitschaft zum Opfer für die Idee des Vaterlandes wird nun seine Verweigerung durch das Volk gegenübergestellt. Dieses verkörpert eine dem Typus der Schutzmantelmadonna entlehnte verhärmte Frau. Das Bildfeld beherrschend, schützt sie inmitten der "verstörten, verzweifelten und zornigen (männlichen)
Überlebenden" [Annegret Jürgens-Kirchhoff 1993] mit bestimmender Gebärde ein bedrohtes Kind. [...]

S. 137, Kat.-Nr. 166

Letzte Aktualisierung: 23.01.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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Der Abstieg zur Hölle, wo Christus nach dem Kreuzestod und vor der Auferstehung die Gerechten - angefangen von Adam und Eva bis hin zu Johannes dem Täufer - aus der Gewalt Satans befreite, wird im apokryphen Nikodemus-Evangelium erwähnt. Das Thema war im 15. Jahrhundert weit verbreitet. Mantegna könnte Anregungen von einem kleinen Bild seines Schwiegervaters Jacopo Bellini (Padua, Museo Civico) und von einem Bronzerelief Donatellos erhalten haben (Florenz, San Lorenzo). Unter den Zeichnungen des Kabinetts befindet sich noch eine exakte Wiederholung der Christusfigur, die auf einer um 1490/92 entstanden Gemäldeversion Mantegnas erscheint (KdZ 622; Kat. [Andrea Mantegna, London / New York 1992], Nr. 71, Farbabb.).Die Auseinandersetzung mit der Mantegna-Graphik ist von ständig wechselnden Zu- und Abschreibungen geprägt und in vielen Punkten noch klärungsbedürftig. Erst kürzlich wurden aus Anlaß der Londoner Ausstellung wieder zwei völlig divergierende Meinungen vertreten. Während Suzanne Boorsch vermutet, das gesamte Œuvre sei nur unter der Aufsicht des Meisters entstanden (ebd., S. 56ff.), verzeichnet der von David Landau erstellte Katalog sieben eigenhändige Werke und vier Attributionen. Unter den letzten wird auch der »Abstieg in die Hölle« aufgeführt. Die Argumente für eine Zuschreibung des Stichs an Mantegna überwiegen. So weicht die Komposition nur in wenigen, aber doch wichtigen Details von der Vorzeichnung in der École des Beaux-Arts zu Paris ab, einem unbestrittenen Autograph (ebd., Nr. 66, Farbabb.). Veränderungen und Zusätze wären einem rein reproduzierenden Graveur nicht erlaubt gewesen. Gewichtiger als dies ist aber der unvollendete Zustand der Platte, die nur in den zentralen Partien und auch hier ohne feine Tonnuancen durchgearbeitet ist, welche ein Stecher zum Schluß hinzufügen würde. Ein solches Nonfinito war wohl kaum für den Markt gedacht. Es ist Resultat des künstlerischen Experiments. Dieser Neugier mag ebenfalls verdankt werden, daß das Berliner Blatt in brauner Farbe abgezogen ist, welche die koloristischen Effekte der Federzeichnung imitiert (ein gleichartiger Abzug in London; Hind [Catalogue of Early Italian Engraving, London] 1910,S. 347, Nr. 5a).Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 252-253, Kat. V.10 (mit weiterer Literatur)