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Die Zerstörung der Mauern Jerichos durch den Klang der Posaunen (aus: Biblia, mit Glossen zu einzelnen Büchern nach Postillen des Nicolaus de Lyra)

Ident. Nr.: Sign. 2666 (Seite)

ObjID: obj:3691646

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Stephan Arndes (um 1450 - 1519),
Drucker*in
Datierung
Herstellung: 1494
Abmessungen
Buchformat: 2°
Höhe x Breite: 37,1 x 26 cm (Seite)
Plattenrand: 10,3 x 19,7 cm (Darstellung mit Rahmen)

Objektbeschreibung

F. Anzelewsky erkannte in dem Illustrator, den A. Goldschmidt und W. Paatz für den Lübecker Maler und Bildhauer Bernt Notke hielten, den Urheber eines im Kabinett erhaltenen Einzelblattes prachtvoller niederländischer Buchmalerei (Min. 667), das bereits früher mit Holzschnitten, nämlich den Illustrationen einer 1493 in Lyon erschienenen Terenz-Ausgabe (im Kabinett ein Pariser Druck von 1539 mit denselben Schnitten), in Verbindung gebracht worden war. B. Brinkmann publizierte schließlich die im Londoner Kunsthandel aufgetauchten übrigen Miniaturen des Codex, aus dem auch das Berliner Blatt stammt. Damit erwies sich Anzelewskys versuchsweise ausgesprochene Identifikation des Meisters mit Juan de Flandes als unhaltbar, so daß es weiter bei dem Not namen »Meister der Lübecker Bibel« für den Künstler bleiben wird, dessen Werke zeigen, daß er innerhalb weniger Jahre mindestens Lübeck, Italien und Lyon berührte. Die Illustrationen zur Bibel müssen schon einige Jahre vor 1494 entstanden sein, denn sie werden in früher erschienenen Büchern bereits kopiert. Außerdem nimmt gegen Ende der Folge die Anzahl der von einer geringeren Hand entworfenen Schnitte, die auch Figuren des Meisters übernehmen, zu, was von dessen vorzeitigem Aufbruch aus Lübeck zeugt.
Die Holzschnitte zu diesem Druck einer niederdeutschen Bibelübersetzung sind von so hoher Qualität, daß Anzelewsky sie im zeitgenössischen deutschen Buchholzschnitt nur durch Dürers Illustrationen zum Narrenschiff und zum Ritter vom Thurn übertroffen fand. Sie zeichnen sich durch schwer auf der Erde stehende Figuren mit charaktervollen Köpfen aus, die in einem überzeugend geschilderten Bildraum agieren. Während dies zukunftsweisende Merkmale sind, in denen der Meister seiner Zeit voraus ist, beweist er in mancher eleganten Jünglingsfigur, die im gotischen »Tanzschritt« vor uns steht, seine spätgotische Zeitgenossenschaft. Auch läßt sich eine Vorliebe für bestimmte Formulierungen, wie eine mehrfach angebrachte Rückenfigur oder die immer wiederkehrende Gruppe zweier beistehender Beobachter, feststellen.
Unsere Abbildung zeigt den Holzschnitt zum Bau des Babylonischen Turmes (Gen. 11). Rechts im Vordergrund erscheint der von der Bildtradition geforderte Befehlshaber mit einem Begleiter, während die Aufmerksamkeit des Betrachters auf die Vorgänge auf der Baustelle gelenkt wird, wo neben Maurern auf dem Gerüst auch das Mischen des Mörtels zu sehen ist, sowie eine durch Menschenkraft getriebene Seilwinde.

Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 75f., Kat. II.7 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 06.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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