Details (Expert)
- Datierung
- Fotografische Aufnahme: 1840/59
- Systematik/Art
- Geografische Bezüge
- Herkunft (Allgemein): Maine, USA
- Material / Technik
- Daguerreotypie in Etui, Glas, Stoff, goldgeprägtes Passepartout
- Abmessungen
- Gewicht: 122 gHöhe x Breite x Tiefe: 9,4 x 8,4 x 1,5 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/3753524
Objektbeschreibung
Querformat, Unikat. Gruppenporträt. Schwarzes Etui mit floralen Prägungen auf Vorder- und Rückseite. An der rechten Seite eine Schließe. Aufgeklappt auf der linken Seite ein gelb/oranger Samtbezug. Auf der rechten Seite im Querformat das Gruppenporträt einer 6-köpfigen Familie unter goldenem achteckigem Passepartout. Am linken Bildrand ein sitzender Mann, vermutlich der Vater, der einen grauen Anzug mit dunkler Weste und weißem Kragen sowie Kragenbinde trägt. Sein Haar ist geprägt von einem Seitenscheitel mit Kotletten. Zu seiner linken ein sitzender Junge, ca. 8 Jahre alt, um dessen Schultern der Mann seinen linken Arm gelegt hat. Der Junge trägt einen dunklen Anzug und ein helles Hemd. Mittig hinter beiden eine junge Frau stehend in langärmligen, dunklem Kleid mit hellem geknotetem Halstuch. Ihre langen Haare sind hinten hochgesteckt, vorne mittig gescheitelt. Ihre rechte Hand ruht auf dem Arm des Mannes. Ihr zur Linken ein ca. zehn Jahre altes Mädchen, stehend, in dunkel kariertem, langärmeligen Kleid, die Haare zum Zopf gebunden und vorne mittig gescheitelt. Sie stützt ihren Kopf auf ihrer rechten Hand ab, ihre linke Hand ruht vermutlich auf der Lehne der sitzend dargestellten Personen. Zu ihrer Linken sitzend eine Frau, vermutlich die Mutter. Sie trägt ein langärmeliges, dunkles, an Brust und Bauch gefälteltes Kleid mit Schleife am Kragen. Ihr Haar ist mittig gescheitelt, ihre linke Hand ruht in ihrem Schoß, die rechte hat sie um ein kleines Mädchen, ca. 4 Jahr alt gelegt. Dieses sitzt ebenfalls, ist in einem hell karierten, kurzärmeligen Kleid gekleidet und trägt ihr Haar ebenfalls mittig gescheitelt. Alle Dargestellten blicken frontal in die Kamera. Der Hintergrund ist monochrom.
Die Daguerreotypie stammt aus dem Besitz der Familie der Schenkerin und kommt somit vermutlich aus den USA (ev. Ostküste, Maine).
Über die dargestellten Personen gibt es keinerlei Hinweise/weiteren Informationen. Das Porträt ist ein klassisches Familienporträt seiner Zeit: Die Eltern rahmen die Kinder, durch Umarmungen und Berührungen werden Verbindungen und Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern signalisiert.
Auch wenn sich die Belichtungsdauer von Daguerreotypien im Laufe der Zeit von Minuten auf Sekunden verkürzte, ist die Tatsache, dass das Gesicht des jüngsten Kindes deutlich unschärfer als jenes der anderen Personen ist, ein Hinweis darauf, dass Stillsitzen auch bei einer Belichtungszeit von mehreren Sekunden Voraussetzung war, um ein scharfes Bild zu erhalten.
Die Daguerreotypie ist das erste fotografische Verfahren, das weite Verbreitung fand. Es ist nach Louis Daguerre benannt, dem Hauptentwickler der Technik. 1839 stellte Daguerre seine Erfindung der Öffentlichkeit unentgeltlich zur Verfügung. In den USA war die Technik vor allem in den 1840er und 1850er-Jahren populär.
Eine Daguerreotypie entsteht auf einer versilberten Kupferplatte. Im ursprünglichen Verfahren wird die Platte zuerst mit Joddampf lichtempfindlich gemacht. Anschließend wird sie in einer Kamera belichtet, wobei die anfängliche Belichtungszeit 30 Minuten betrug. Durch technische Fortschritte konnte sie später auf bis zu eine halbe Minute reduziert werden. Danach wird das Bild mit Quecksilberdämpfen entwickelt und mit einer Fixierlösung, oft Natriumthiosulfat, fixiert. Das resultierende Bild erscheint gräulich auf der spiegelnden Platte, sodass Betrachtende ihr eigenes Spiegelbild im Hintergrund sehen. Das Besondere bei diesem Verfahren ist außerdem, dass das aufgenommene Bild, je nach Einfallswinkel des Lichtes als Positiv oder Negativ sichtbar ist.
Da die Verfahrenstechnik giftige Substanzen wie Quecksilber und Zyankalilösungen verwendet, gefährdeten sie die Gesundheit der frühen Fotograf*innen, was zu vorzeitigen Todesfällen unter den Anwender*innen führte. Die entstandenen Bilder sind zwar äußerst scharf, aber auch sehr empfindlich auf Berührung und chemische Einflüsse, weshalb sie heute nur selten ausgestellt werden.
Die Daguerreotypie verbreitete sich vor allem in Europa und Nordamerika und wurde besonders für kleine Porträts von Einzelpersonen oder Gruppen verwendet. Sie knüpft an die Tradition der Porträtmalerei an. Um das Bild zu schützen, wurde es oft hinter Glas und in einen dekorativen Rahmen eingefasst. Manchmal wurden die Bilder nachträglich von Hand koloriert.
Letzte Aktualisierung: 31.08.2026
Kontakt
Einrichtung:
Museum Europäischer Kulturen
E-Mail:
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